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Protest gegen Hungerlöhne: Kambodschas Militärpolizei schießt auf Textilarbeiter

Bei Protesten von Textilarbeitern in Kambodscha hat es Tote gegeben. Militärpolizisten feuerten laut Augenzeugen auf die Demonstranten, mindestens drei Menschen starben. Die Arbeiter fordern einen Mindestlohn von 116 Euro im Monat.

Phnom Penh - Bei einem Einsatz der Armee gegen Tausende protestierende Textilarbeiter sind in Kambodscha mindestens drei Menschen getötet worden. Zwei weitere seien verletzt worden, teilte die Polizei mit.

Militärpolizisten eröffneten in einem Vorort der Hauptstadt Phnom Penh das Feuer und schossen mehrere Menschen an, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Zunächst feuerten sie in die Luft, später zielten sie demnach auf Demonstranten. Ein Sprecher der Militärpolizei sagte: "Wir erfüllen nur unsere Pflicht, Rolle und Aufgabe. Jetzt sichern wir die Lage."

In der Textilindustrie Kambodschas sind rund 650.000 Menschen tätig. 400.000 von ihnen nähen für internationale Modemarken wie Gap, Nike und H&M. Der Sektor ist eine wichtige Devisenquelle für das verarmte asiatische Königreich. In jüngster Zeit häuften sich Proteste gegen die Arbeitsbedingungen und Löhne.

Opposition unterstützt Proteste

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Kambodscha: Tote bei Demo von Textilarbeitern

Die Textilarbeiter fordern eine Verdopplung des Mindestlohns von derzeit umgerechnet 58 auf 116 Euro. Eine Erhöhung auf 69 Euro ab April lehnen die Gewerkschaften als unzureichend ab. Sie haben deshalb zu einem landesweiten Streik aufgerufen.

Nach zwei Wochen überwiegend friedlicher Protestmärsche und Demonstrationen hatten die Sicherheitskräfte am Donnerstag erstmals eine Demonstration gewaltsam aufgelöst. Dabei wurden nach Angaben von Teilnehmern mehrere Menschen verletzt und festgenommen. Auch Pressefotografen, darunter einer der Nachrichtenagentur Reuters, waren geschlagen worden.

Bei ihren Protesten werden die Textilarbeiter von der Opposition unterstützt. Diese klagt, sie sei bei der Wahl im Juli um mehr als zwei Millionen Stimmen betrogen worden. Der autoritäre Ministerpräsident Hun Sen sieht sich durch die Demonstrationen, die sich teilweise an der Protestbewegung im benachbarten Thailand orientieren, mit seiner größten politischen Herausforderung seit zwei Jahrzehnten konfrontiert.

cte/AFP/Reuters

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insgesamt 60 Beiträge
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1. Schizophren
Maximilian v Campenhausen 03.01.2014
Wir tun betroffen und fordern die Abschaffung von Armut. Spenden sogar Millionen von Euro in der Weihnachtszeit. Auf der anderen Seite ändern wir aber nichts an unserem Konsum. Ist das nicht schizophren?
2.
Jan B. 03.01.2014
"Wir haben nur unsere Pflicht getan." - diesen Satz sollten sich die getreuen Kunden der hier ortsansässigen Einkaufstempel immer vor Augen halten, wenn sie mal wieder in einen Kaufrausch verfallen, obwohl wir ja alle so arme, arme Deutsche sind. 116 € Monatslohn, das sind nach unseren Maßstäben einer 40 Stunden Woche 65 Cent Lohn pro Stunde, wobei man bedenken muss, dass es in Kambodscha nicht bei 40 Stunden pro Woche bleibt. Ja ich weiß, dass in Kambodscha die Lebenshaltungskosten nur einen Bruchteil von denen in Deutschland betragen und dennoch leben die meisten Menschen dort in Armut, während wir alles immer billiger, billiger haben wollen. Naja das einzige was in unserem Land wirklich billig zu haben ist, dürfte unser Gewissen sein.
3.
alexreil 03.01.2014
Was die Regierenden und die Konzerne in aller Welt noch nicht kapiert haben: Die Menschen wollen überall was von den Globalisierungseffekten abhaben und sich nicht noch weiter ausbeuten lassen, damit sich ein paar Aktionäre nicht um ihre Dividenden sorgen müssen. Dieses Ansinnen hat zum arabischen Frühling beigetragen, es führt dazu dass man in Kambodscha für einen deutlich höheren Mindestlohn auf die Strasse geht. Und die Regierung hat nichts besseres zu tun als auf die Demonstranten schiessen zu lassen. Diese Brandstifter glauben im Ernst dass sie die "Interessen" der Konzerne mit Waffengewalt schützen können. Es wird weitergehen mit dem Aufstand der ausgebeuteten - das kann keine Rgierung verhindern.
4. 1908 - The iron heel
jfkk 03.01.2014
Zitat von sysopGetty ImagesBei Protesten von Textilarbeitern in Kambodscha hat es Tote gegeben. Militärpolizisten feuerten laut Augenzeugen auf die Demonstranten, mindestens drei Menschen starben. Die Arbeiter fordern einen Mindestlohn von 116 Euro im Monat. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/kambodscha-mehrere-tote-bei-demo-von-textilarbeitern-a-941609.html
Der Umstand, dass die Beschreibung der Lebensverhältnisse amerikanischer Arbeitnehmer schon den wohl sehr bekannten Abendteuerromanautor Jack London dazu bewogen hatte, im Jahre 1908 seinen SF-Roman "The iron heel" zu veröffentlichen, dürfte Wegweiser zu den Wurzeln dieser heutigen Zwangsarbeitssysteme und -strukturen sein. Der Unterschied zwischen dem Sozialismus stalinistischer Kaderfunktionärsdiktatoren und dem real-existierenden Sozialismus, wie wir ihn in der Praxis der sogen. Arbeiter- und Bauernstaaten kennenlernen konnten, dokumentiert, dass wir es beim real-existierenden Sozialismus mit den gleichen Verhältnissen zu tun haben, wie wir sie heute in den Systemen der Märkte zu tun haben, die auf ihrem Banner den Slogan "Leistung muss sich wieder lohnen." gedruckt haben und verkünden, in der Praxis jedoch die gleichen Plünderer-, Erpresser- und Planwirtschaftsmethoden exekutieren. Es gibt unter Fach- und Sachkundigen inzwischen keinen Dissenz mehr darüber, dass die neue amerikanische Gesellschaftsform "Plutocracy" und das neue amerikanische Wirtschaftssystem "Plutonomy" die Fortschreibung der Diktatur des Proletariats, also der Diktatur der ideologisch-dogmatischen Politterrorkader des sogen. Sozialismus ist, nur eben als Diktatur der Finanzplanwirtschaft der, also der Geldwirtschaftsdiktatur, in der modernen Version des Kannibalkapitalismus auf globaler Ebene marodierend und brandschatzend durch die Welt wandert. Gegen dieses neue Zwangsarbeitsterrorsystem der amerikanischen Plutonomy-Version wirken alle früheren Formen der Menschenausbeutung und Leistungserpressungssystem des Heuschreckenkapitalismus wie ein mildes Lüftchen am Strand von Nizza. Dass dieses System in Deutschland als "Neue Soziale Marktwirtschaft" benannt ist, ändert nichts an dessen fundamentaler Bösartigkeit, Niederträchtigkeit und Asozialität. Bedauerlich, dass die meisten von uns nicht mehr in der Lage sind, die Fortschreibung der Geschichte in die heutigen Verhältnisse so zu analysieren und zu interpretieren, wie es unsere potentiellen geistigen Fähigkeiten es uns - eigentlich - ermöglichten. Aber die meisten von uns sind inzwischen so fett, behäbig und hedonisiert, dass sie nur noch wie eine humanoide Form von Schleimpilzen agieren. Bleibt also nur noch, auf den "big bang" zu warten, den man auch als Thermidor des 21. Jahrhunderts verstehen kann.
5.
h.hass 03.01.2014
Vermutlich würde die Kleidung für den Endkunden gar nicht viel teurer werden, wenn dort der Mindestlohn erhöht würde. Allerdings würden dann die Gewinne der Unternehmen und Aktionäre und wahrscheinlich auch die der örtlichen Bonzen und korrupten Politiker geschmälert werden. Uns als möglichen Kunden wird natürlich suggeriert, wir müssten ein schlechtes Gewissen haben, weil wir die armen Arbeiter in Kambodscha oder Bangladesch ausbeuten.
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