Kampf um Bodenschätze China sichert sich Ölfeld in Afghanistan

Der Westen bereitet seinen Abzug vom Hindukusch vor, die Chinesen übernehmen: Investoren aus der Volksrepublik wollen von den Bodenschätzen Afghanistans profitieren. Nun hat der staatliche Ölkonzern sich das erste Förderabkommen in dem rohstoffreichen Land gesichert.

Öl-Förderstätte nahe Herat (Archivbild): China will von Afghanistans Rohstoffen profitieren
REUTERS

Öl-Förderstätte nahe Herat (Archivbild): China will von Afghanistans Rohstoffen profitieren


Kabul - Afghanistan und China schließen ihr erstes Ölgeschäft ab. Der afghanische Bergbauminister Wahidullah Schahrani werde das Abkommen gemeinsam mit dem Direktor des staatlichen chinesischen Ölkonzerns National Petroleum Corporation am Mittwoch unterzeichnen, sagte ein Ministeriumssprecher am Dienstag.

Mit dem Deal verstärkt China sein wirtschaftliches Engagement in Afghanistan. Die Volksrepublik hat sich aus der militärischen Auseinandersetzung, die bereits zehn Jahre andauert, stets herausgehalten. Das zahlt sich nun aus: In Afghanistan hat sich viel Unmut über den Westen aufgestaut. Dessen Truppen werden das Land bis 2014 verlassen. Außer Investoren aus Indien gelten die Chinesen bei afghanischen Offiziellen als besonders gefragte Geschäftspartner, weil sie nicht nur zahlungskräftig, sondern auch zuverlässig sind.

Zu holen gibt es in Afghanistan so einiges: Im vergangenen Jahr sorgte eine US-Studie für Aufsehen, wonach das Land über Bodenschätze im Wert von einer Billion Dollar verfügt. Dazu zählt außer Lithium, Eisenerz, Kupfer und Gold ein reiches Ölvorkommen. Ganz neu war diese Erkenntnis allerdings nicht. Bereits die Sowjetunion hatte in den siebziger Jahren die Bodenschätze erforscht - und war auf zahlreiche Rohstoffvorkommen gestoßen.

Bei dem Abkommen mit dem chinesischen Unternehmen geht es um die Vorkommen in den nordöstlichen Provinzen Sari Pul und Farjab. In dem als Amu-Dardscha-Becken bekannten Gebiet werden 87 Millionen Barrel Öl vermutet. Das ist allerdings nur so viel Öl, wie weltweit an einem Tag verbraucht wird.

Trotz der reichen Vorkommen an Bodenschätzen halten sich westliche Investoren bislang mit einem Engagement in Afghanistan zurück. Sie schrecken vor allem zwei Dinge ab:

  • Die politische Instabilität des Landes: Nach zehn Jahren Krieg ist die Sicherheitslage in dem Land weiterhin angespannt.
  • Die schlechte Infrastruktur: Viele Gebiete sind bislang nur schwer zugänglich, im zentralen Hochland zum Beispiel sind die Lagerstätten nur die Hälfte des Jahres über erreichbar.

Eine Ausnahme bildeten schon vor dem Öl-Deal Investoren aus der Volksrepublik: Vor drei Jahren kündigten die Unternehmen Jiangxi Copper Co. und China Metallurgical Group Corp an, das riesige Kupfervorkommen Aynak südlich von Kabul ausbeuten zu wollen. Die Chinesen investieren 3,5 Milliarden Dollar in die riesige Kupfermine - es ist die bisher höchste nicht-militärische Investition in Afghanistan.

Bei dem Öl-Abkommen sollen nun 70 Prozent des Gewinns an die afghanische Regierung gehen. Die Provinzen Sari Pul und Farjab sind Hunderte Kilometer von den umkämpften Gebieten im Osten und Südosten Afghanistans entfernt und werden als relativ sicher eingeschätzt.

cte/AP



insgesamt 113 Beiträge
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mitbestimmender wähler 27.12.2011
1. Der Ami mit der Uhr hat keine Zeit mehr
Ja damit hat die US Army nicht gerechnet, das nach Abzug die US Konzerne blank sind und viele ihre Pläne strichen oder aussetzten. Wetten die Chinesen sind dem Afghanischen Volk mind. ebenso beliebt.
emtonius 27.12.2011
2. Sind selber schuld
Zitat von sysopDer Westen bereitet seinen Abzug vom Hindukusch vor, die Chinesen übernehmen: Investoren aus der Volksrepublik wollen von den Bodenschätzen Afghanistans profitieren. Nun hat der staatliche Ölkonzern sich das erste Förderabkommen in dem rohstoffreichen Land gesichert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,805875,00.html
Arroganz, Krieg und Lügen sind eben die falschen Mittel, um sich beliebt zu machen. Da braucht man sich nicht wundern, wenn letztlich andere den Zuschlag bekommen.
Agave 27.12.2011
3. Merkwürdig...
Zitat von sysopDer Westen bereitet seinen Abzug vom Hindukusch vor, die Chinesen übernehmen: Investoren aus der Volksrepublik wollen von den Bodenschätzen Afghanistans profitieren. Nun hat der staatliche Ölkonzern sich das erste Förderabkommen in dem rohstoffreichen Land gesichert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,805875,00.html
da wird jahrelang in deutschen Medien behauptet, daß die USA es in erster Linie auf die Bodenschätze abgesehen haben und nun sowas...
biwak 27.12.2011
4. "Nach zehn Jahren Krieg ist die Sicherheitslage in dem Land weiterhin
angespannt" Zitat Das klingt ja schon mal recht vielversprechend. Mit anderen Worten und nach Merkel - Propaganda: Ein voller Erfolg!
tksuper 27.12.2011
5. Dumm gelaufen!
Zitat von sysopDer Westen bereitet seinen Abzug vom Hindukusch vor, die Chinesen übernehmen: Investoren aus der Volksrepublik wollen von den Bodenschätzen Afghanistans profitieren. Nun hat der staatliche Ölkonzern sich das erste Förderabkommen in dem rohstoffreichen Land gesichert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,805875,00.html
Wie immer. Auch hier wieder dumm gelaufen. Der Westen hat um Frieden, Freiheit und Sicherheit für Leib und Leben zu bringen einen hohen Zoll in Form, von Leben, Blut und viele Milliarden Dollars bezahlt. Die Chinesen scheren sich um solch "unnütze Zeugs" nicht. Die halten sich raus, und kassieren die Prämie am Ende. Das gleiche wird wohl im Irak, Libyen usw. passieren.
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