Geschenk aus China zum 200. Geburtstag Ein Mega-Marx für Trier

Ein fünfeinhalb Meter hohes Denkmal von Karl Marx gehört nun zum Stadtbild von Trier. Das Geschenk aus China wurde anlässlich des 200. Geburtstags des Ökonomen enthüllt - und sorgt nicht nur für Begeisterung.

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Zum 200. Geburtstag von Karl Marx hat die Stadt Trier eine Riesen-Statue des weltberühmten Denkers enthüllt. Sie zeigt ihn mit Rauschebart im Gehrock, mit einem Fuß nach vorne schreitend. Der umstrittene Bronze-Marx ist ein Geschenk Chinas an die Geburtsstadt des Ökonomen. Die Spender aus China hatten laut der Lokalzeitung "Trierischer Volksfreund" an alles gedacht: Passend zu der 5,50 Meter hohen Figur legten sie auch ein aus Kunstfaser gefertigtes, rotes Tuch für den Tag der Enthüllung bei.

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Heft 19/2018
Zum 200. Geburtstag von Karl Marx: Wie ein besserer Kapitalismus die Welt gerechter machen kann

Zu der Feier kamen rund 200 Ehrengäste, darunter die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer (SPD), SPD-Chefin Andrea Nahles und der Vizeminister des Informationsbüros des Staatsrates der Volksrepublik China, Guo Weimin.

Zeitgleich gab es Proteste und Demonstrationen von Marx-Gegnern und Befürwortern. Mehrere Hundert Kritiker hatten sich rund um das Denkmal versammelt. Es steht auf einem Platz in der Nähe der Porta Nigra. Das frühere römische Stadttor ist das Wahrzeichen von Trier. Es gab heftige Kritik daran, dass die Stadt eine Karl-Marx-Statue aus China in dieser Größe an diesem Platz aufstellt.

Marx-Befürworter in Trier
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Marx-Befürworter in Trier

Laut "Trierischem Volksfreund" wollte die Stadt ursprünglich gar keine so große Statue. Angedacht war demnach eine kleine, etwa lebensgroße Figur gegenüber des bestehenden Karl-Marx-Hauses. Dann habe es aus China aber geheißen, dass das Geschenk viel größer werde.

Nahles will Marx' Thesen in die Gegenwart übertragen

Marx, einer der geistigen Väter des Kommunismus, war am 5. Mai 1818 in Trier geboren worden und verbrachte die ersten 17 Jahre seines Lebens dort. Ministerpräsidentin Dreyer sagte: "Das Geschenk aus China empfinde ich als eine Säule und Brücke der Partnerschaft." Das Jubiläum sei eine Gelegenheit, neu auf Marx zu blicken und sich mit ihm auseinander zu setzen.

Am Samstagmorgen hatte es bereits eine Feier im Geburtshaus von Marx gegeben. Am Nachmittag stand noch ein großes Bürgerfest am "Mega-Marx" auf dem Programm. Seit Samstag haben auch drei große Ausstellungen zum Marx-Jubiläum in Trier geöffnet.

SPD-Chefin Andrea Nahles sagte, Marx sei Teil der sozialdemokratischen Geschichte. Bis zum Godesberger Programm von 1959 habe sich die SPD als eine marxistische Partei verstanden. "Heute ist die SPD natürlich längst keine marxistische Weltanschauungspartei mehr, doch in ihrem Begründungspluralismus gehören auch Marx und seine Betrachtungen nach wie vor dazu", sagte Nahles.

Die Politik stehe durch die Digitalisierung vor neuen Fragen. "Und ich denke, es wäre gut, wenn wir uns an dieser Stelle die Mühe machten, Marx in einigen seiner Grundanalysen auch heute in die Gegenwart zu übersetzen", sagte die SPD-Chefin. Es gehöre zur Tradition der Arbeiterbewegung, "die technologischen Veränderungen, die destruktiven Veränderungen die mit der Digitalisierung kommen, jetzt auch wieder in den Dienst des Menschen zu stellen und für die Menschen zum Nutzen zu gestalten".

Günther Jauch hadert mit Marx - und feiert trotzdem

Angesichts von Verbrechen, die unter kommunistischer Herrschaft begangen wurden, nahm Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht Marx in Schutz. "Wenn jeder für das verantwortlich wäre, was in seinem Namen geschieht, dürfte Jesus Christus heute in keiner Kirche mehr hängen", sagte Wagenknecht der "Rhein-Neckar-Zeitung". Wer Marx zum Vordenker autoritärer Systeme erkläre, könne seine Aufsätze nie gelesen haben. "Marx hat an keiner Stelle eine verstaatlichte Planwirtschaft gefordert. Sein Ziel war Demokratie", sagte Wagenknecht. "Allerdings hat er schon früh das Problem gesehen, dass sehr große Vermögen Macht bedeuten, eine Macht, die Demokratie aushöhlen und zerstören kann."

Der Fernsehmoderator Günther Jauch verlas bei einer Feier vor dem Karl Marx-Haus die Geburtsurkunde des Philosophen. "Ich halte Marx für einen großen Theoretiker. Was die praktische Umsetzung angeht, da hat es meiner Ansicht nach gehapert", sagte Jauch. Ihm sei "die soziale Marktwirtschaft für die Menschen deutlich lieber als jede Form von Sozialismus oder Kommunismus". Die Feiern in der Geburtsstadt des Denkers seien aber "durchaus angemessen". "Das ist eine durchaus große und politisch-historisch umwälzende Theorie, die Marx da entwickelt hat", sagte Jauch. "Insofern, finde ich, kann man schon mal feiern."

Im Video: Trier gedenkt Karl Marx

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mmq/dpa



insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
marialeidenberg 05.05.2018
1. Hätten die Stadtväter nicht eine Bürgerbefragung
zu diesem 'Geschenk' im Allgemeinen und dem Aufstellungsort im Besonderen abhalten können? Immerhin gehört die Stadt - wenn überhaupt jemandem - den Bürgern; auf keinen Fall jedoch der Sozialistischen Internationalen. In der klassischen Antike hieß es "Hüte Dich vor den Kretern wenn sie Geschenke bringen"; man könnte es neu auf 'Chinesen' prägen, nicht nur in Trier.
Ontologix II 05.05.2018
2. Zwei große Deutsche zu Hause nicht willkommen
In Wuppertal steht schon länger ein Engels an der Stelle des zerstörten und nicht wieder aufgebauten Geburtshauses. (Gleich neben dem Theater, an dem Pina Bausch wirkte). Ich wollte Freunden in Schweden eine Engels-Postkarte schicken, fand aber keine. In den meisten Zeitschriftenläden wusste man gar nicht, wer Engels ist. Ein deutscher Zeitungshändler knurrte nur: "Wir wollen keine Kommunisten hier." Meine Antwort, Engels sei doch eigentlich Kapitalist gewesen, gefiel ihm gar nicht.
aurichter 05.05.2018
3. #1
Nun ja, wenn das so ist, dann können wir auch noch etwas intensiver über verschiedene Kirchenglocken debattieren. KM ist zumindest direkt nicht für kriegerische Auseinandersetzungen verantwortlich. Kann man es nicht hinnehmen als einfache Huldigung an den Mann und seiner Geburtsstadt? Es gibt in diesen 200 Jahren mehr Figuren, die weniger Beachtung verdient hätten.
Darl 05.05.2018
4.
Zitat von marialeidenbergzu diesem 'Geschenk' im Allgemeinen und dem Aufstellungsort im Besonderen abhalten können? Immerhin gehört die Stadt - wenn überhaupt jemandem - den Bürgern; auf keinen Fall jedoch der Sozialistischen Internationalen. In der klassischen Antike hieß es "Hüte Dich vor den Kretern wenn sie Geschenke bringen"; man könnte es neu auf 'Chinesen' prägen, nicht nur in Trier.
Als (ehemaliger) Trierer kann ich ihnen sagen das so eine Befragung auch zu keinem Ergebniss gekommen wäre. Man hat auf der einen Seite eine recht linke Studentenstadt und auf der anderen Seite einen recht konservativen Bischofsitz. Trier ist da wirklich eine Stadt der Gegensätze. Sieht man auch an der Uni. Viele Studenten wollen sie in "Karl-Marx Universität" umbenennen während sich die Verwaltung dagegen sträubt. Auch darf man nicht vergessen das neben der Uni der größte Wirtschaftszweig von Trier die Touristik ist von denen ein sehr großer Anteil aus China kommt. Und hier ist auch eine andere Sache. Zwar veinnahmt die (wie sie es nennen) "Sozialistische Internationale" Marx gerne für sich man darf aber auch nicht vergessen das Marx für viele politische Strömungen als Vordenker gilt. Seien es nun Kommunisten im Extremen oder auch Sozialdemokraten. Sozialliberale und teilweise sogar heutige konservative Partein. Selbst unsere soziale Martwirtschaft mit Arbeiterrechten und Sozialer absischerung lassen sich zum Teil auf Marx zurückführen. Und ich denke es schadet den Extremen wie Stalinisten, Maoisten und weitere mehr wen wir anfangen ihnen die Deutungshoheit über Marx abzunehmen anstatt ihn ins Giftschränkchen zu packen.
Anthrophilus 05.05.2018
5. Zur Freude der chinesischen Besucher des Denkmals ...
... sollte man ein paar kleine Portrait-Fotos (Drucke) mit dem Dalai Lama an den Sockel kleben - am besten rundum, oder größere Poster mit Dalai Lama in der nächsten Umgebung - und wenn dann die ersten rotchinesischen Reisegruppen kommen, mit genügend Videokameras bereitstehen, die Reaktion aufzunehmen - das wäre ein Spaß, ein trauriger ...
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