Unabhängigkeitsreferendum Deutsche Industrie warnt Katalonien vor Bruch mit Spanien

Der Industrieverband BDI befürchtet, dass auch für deutsche Firmen Risiken entstehen, wenn es tatsächlich zum Bruch Kataloniens mit Spanien kommt. Investoren an den Aktienmärkten sehen das ähnlich.

Audi-Produktion im katalanischen Martorell (Archiv)
REUTERS

Audi-Produktion im katalanischen Martorell (Archiv)


Die deutsche Wirtschaft hat vor einer angestrebten Abspaltung Kataloniens von Spanien gewarnt und beide Seiten zum Dialog aufgefordert. "Ein Bruch der Region mit dem spanischen Staat würde für beide Seiten tiefe Einschnitte bedeuten und zu Verunsicherungen in der stark exportorientierten Wirtschaft führen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands BDI, Joachim Lang.

Katalonien ist laut BDI eine hoch industrialisierte Region, in der mehr als die Hälfte der rund 1600 Firmen mit deutscher Beteiligung in Spanien angesiedelt ist. Nötig sei deshalb ein respektvoller Umgang in der Region miteinander. Die deutsche Industrie schaue mit Sorge auf die heftiger werdenden Auseinandersetzungen.

Die katalanische Regionalregierung in Barcelona hatte sich dem Verbot widersetzt und am Sonntag gegen den Willen der Zentralregierung ein Referendum über die Loslösung von Spanien abgehalten. Von Madrid entsandte Polizeieinheiten griffen deshalb teils hart durch und versuchten, Wähler an der Abstimmung zu hindern. Dabei wurden laut katalanischen Behörden Hunderte Menschen verletzt. Rund 90 Prozent der Wähler votierten für eine Abspaltung.

Fotostrecke

19  Bilder
Barcelona: Gewalt beim Referendum

BDI-Chef Lang rief dennoch beide Seiten zur Zusammenarbeit auf: "Nur ein ernst zu nehmender Dialog zwischen der Zentral- und der Regionalregierung über die Zukunft Kataloniens kann die Lage befrieden", sagte er. Die Volksabstimmung ist nicht bindend. Das Verfassungsgericht hatte die Abstimmung für rechtswidrig erklärt.

An den Finanzmärkten standen nach dem Referendum wiederum zahlreiche spanische Aktien und Anleihen unter Druck. In Madrid fiel der Leitindex Ibex 35 um mehr als ein Prozent. Die Gemeinschaftswährung Euro rutschte um 0,7 Prozent auf 1,1732 Dollar ab.

apr/dpa-AFX

insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Creedo! 02.10.2017
1.
Ein katalonischer Staat wäre kein EU-Mitglied und würde es auch nie werden (Dauerveto Spaniens). Jeder Vertrag zwischen der EU und Katalonien, der Einstimmigkeit seitens der EU verlangt, würde ebenfalls nicht zustande kommen. Produktionsstätten von EU-Unternehmen würden sicherlich aus Katalonien auf EU-Land verlagert. Was bleibt dann noch von der katalonischen Wirtschaft? Das Verhältnis Kataloniens zur EU dürfte deutlich schlechter werden als das von Groß Britannien nach dem BREXIT. Der Wohlstand Kataloniens hätte sich damit wohl in Zukunft erledigt. Die Unabhängigkeit Kataloniens hätte aber auch etwas Gutes. Die Regien ist ein Tourismusriese. Nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch sollten Reisen nach Katalonien recht billig werden. Das bedeutet dann noch mehr Touristen. Allerdings haben die Katalanen ja etwas gegen Touristen. Dort hatte man ja öfter gegen die Fremden demonstriert. Als eigenständiger Staat haben sie dann aber über die Visavergabe (das Schengener Abkommen wird für Katalonien wohl nicht gelten - Spanien wird eine entsprechende Mitgliedschaft verhindern) die Möglichkeit, die Touristenströme zu begrenzen.
romeo_mike 02.10.2017
2. Danke Creedo ;-)
Zitat von Creedo!Ein katalonischer Staat wäre kein EU-Mitglied und würde es auch nie werden (Dauerveto Spaniens). Jeder Vertrag zwischen der EU und Katalonien, der Einstimmigkeit seitens der EU verlangt, würde ebenfalls nicht zustande kommen. Produktionsstätten von EU-Unternehmen würden sicherlich aus Katalonien auf EU-Land verlagert. Was bleibt dann noch von der katalonischen Wirtschaft? Das Verhältnis Kataloniens zur EU dürfte deutlich schlechter werden als das von Groß Britannien nach dem BREXIT. Der Wohlstand Kataloniens hätte sich damit wohl in Zukunft erledigt. Die Unabhängigkeit Kataloniens hätte aber auch etwas Gutes. Die Regien ist ein Tourismusriese. Nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch sollten Reisen nach Katalonien recht billig werden. Das bedeutet dann noch mehr Touristen. Allerdings haben die Katalanen ja etwas gegen Touristen. Dort hatte man ja öfter gegen die Fremden demonstriert. Als eigenständiger Staat haben sie dann aber über die Visavergabe (das Schengener Abkommen wird für Katalonien wohl nicht gelten - Spanien wird eine entsprechende Mitgliedschaft verhindern) die Möglichkeit, die Touristenströme zu begrenzen.
Danke Creedo. Sie zählen da eine recht schöne Anzahl von Gründen auf, weshalb es mit der EU in der heutigen Form schon mittelfristig nicht mehr weitergehen kann und wird. Zumindest nicht erfolgreich! Das Risiko ist gross, dass sich eines Tages auch die Katalanen genau so wie vor einem Jahr die Briten sagen: "lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende". Wäre es nicht eine hochinteressante, lobenswerte und vor allem aktuelle Aufgabe der EU gerade in einem solchen Fall darauf hinzuarbeiten, dass nationale Grenzen an ihrer Wichtigkeit verlieren?
dersiedler 02.10.2017
3. Angelas Kompromiss
Die EU sollte EU-Bürger, die nicht mit ihrer Nationalen Staatsbürgerschaft einverstanden sind, einen Europapass ausstellen . Wir brauchen weniger Grenzen
brux 02.10.2017
4. @ Creedo!
Es wäre wohl noch extremer. Katalonien hätte keine eigene Währung und der Zugang zum Euro wäre versperrt. Katalonien wäre faktisch sofort insolvent. Der Staat müsste sich durch Zwangsabgaben finanzieren. Aber die Firmen machen dann einfach zu und linksradikale Studenten haben kein Geld. Die lokale Polizei würde wohl der Regierung nicht helfen, wenn das Gehalt ausbleibt. Und Spanien kontrolliert den Luftraum und den Seeverkehr. Selbst die einzige internationale Grenze nach Frankreich wäre schnell dicht, denn Frankreich wird die kleine Truppe katalonischer Separatisten im Roussillon nicht ermuntern wollen. Katalonien hat da wohl zu hoch gezockt.
rallerollo 02.10.2017
5. nanu
Die tun ja alle so als wenn die dann plötzlich auf einem anderen Planeten wären. Die Wirtschaft jammert doch nur rum weil sie dann 12 Cent weniger Gewinn pro Fahrzeug machen werden.....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.