Vorbereitungen für 2022 Katar soll WM-Arbeiter wie Sklaven halten

Die Fußball-WM 2022 in Katar sorgt für einen neuen Skandal: Laut "Guardian" schuften bei der Vorbereitung des Turniers Tausende nepalesische Bauarbeiter unter sklavenähnlichen Bedingungen. Zuletzt sei im Schnitt fast täglich ein Arbeiter gestorben.

Wanderarbeiter in Doha: Schockierende Enthüllungen über WM-Vorbereitungen
REUTERS

Wanderarbeiter in Doha: Schockierende Enthüllungen über WM-Vorbereitungen


Hamburg - Selten gab es eine Fußball-WM, die schon Jahre vorher für so viele Negativschlagzeilen sorgte wie das für 2022 geplante Turnier im Emirat Katar. Gab es bisher vor allem Kritik an der Vergabepraxis und an den schwer erträglichen Temperaturen, geht es nun um Leben und Tod.

Nach Angaben der britischen Zeitung "Guardian" werden im beginnenden Bauboom vor der WM Tausende nepalesische Einwanderer unter extrem schlechten Bedingungen eingesetzt.

Die Zeitung beruft sich auf Dokumente der nepalesischen Botschaft in Doha, wonach allein zwischen dem 4. Juni und dem 8. August insgesamt 44 Arbeiter aus Nepal gestorben seien - mehr als die Hälfte davon an den Folgen eines Herzinfarkts oder Arbeitsunfalls.

Zudem sollen Tausende Nepalesen auf den Baustellen des Landes wie Sklaven ausgebeutet werden. Einige berichteten, sie hätten über Monate keinen Lohn bekommen, andere klagten, man habe ihnen trotz extremer Hitze kein Trinkwasser zur Verfügung gestellt. Etwa 30 Nepalesen hätten in der Botschaft in Doha Zuflucht gesucht, um der misslichen Lage zu entkommen.

Laut "Guardian" hat der Internationale Gewerkschaftsbund ITUC ausgerechnet, dass mindestens 4000 Gastarbeiter ihr Leben gelassen haben werden, ehe das erste WM-Spiel angepfiffen wird.

"Wir würden gerne weggehen, doch die Firma lässt uns nicht", zitiert das Blatt einen nepalesischen Zuwanderer, der auf der Riesenbaustelle des Lusail-City-Projekts beschäftigt ist. Dort, nördlich der Hauptstadt Doha, soll eine neue Stadt samt Fußballstadion entstehen. "Ich bin wütend darüber, wie die Firma uns behandelt, aber wir sind hilflos", sagt der Mann. "Ich bereue es, hierhergekommen zu sein, aber was sollen wir machen?"

Das Organisationskomitee der WM sagte laut "Guardian", dass die Arbeiten, die direkt mit dem Turnier zu tun hätten, erst noch beginnen würden. Dennoch sei man "sehr besorgt über die Vorwürfe gegen bestimmte Unternehmer und Subunternehmer", die mit den Arbeiten an Lusail City betraut seien. Man werde die Sache mit "höchster Ernsthaftigkeit" verfolgen. Die zuständigen Regierungsstellen würden eine Untersuchung der Vorwürfe einleiten.

Der Weltfußball-Verband FIFA kündigte an, die Verantwortlichen aus dem Wüstenstaat zu kontaktieren. "Diese Berichte werden beim Treffen des Exekutivkomitees am 3./4. Oktober diskutiert", teilte die FIFA auf Twitter mit.

stk/ssu

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insgesamt 81 Beiträge
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robert.c.jesse 26.09.2013
1. Wem wundert es...
Das ein Feudales Herrschersystem (absolute Monarchie) seine Untertanen und Arbeiter undemokratisch behandelt. Herr Blatter ist offensichtlich ein Freund dieser Familie und gerne auf beiden Augen blind ...
artjoel 26.09.2013
2. wie gewohnt
Hat jemanden was anderes erwartet? Das tägliche LEIDEN Hunderttausende Arbeiter in der Golf Staaten, für der Welt ist nur Bling-bling wichtig alles anderes egal.
Zaphod 26.09.2013
3. Westliche Spassgesellschaft
Die gleichen Menschen, die sich billige Kleidung kaufen, die nur durch Kinderarbeit und unmenschliche Arbeitsbedingungen so billig hergestellt und verkauft werden kann, werden sich auch die Fußball-WM anschauen. Und auch bei der WM wird sich das Gewissen dieser satten und trägen Einwohner der "westlichen Kulturstaaten" nicht regen. Es ist verantwortungslos, dass für irgendein Sportereignis, dessen Bedeutung bedauerlicherweise viel zu hoch ist, arme Menschen sterben müssen. Hier wird wieder einmal deutlich, dass unser Reichtum und unser Wohlstand nur auf Blut und Unterdrückung beruhen.
kuac 26.09.2013
4. ganz normale Sklaverei
Das ist ganz normaler Alltag für Gastarbeiter in Saudi Arabien, Qatar und anderen Golf-Staaten. Als erstes wird der Pass abgenommen, damit der Arbeitnehmer weder nach Heimat zurückgehen noch sich anderswo bewerben kann. Auf Gedeih und Verderb ist der Gastarbeiter an seiner Stelle gebunden, egal wie die Arbeitsbedingungen sind. Das ist Skaleverei.
tennislehrer 26.09.2013
5. ...vielleicht sollte man das zum Anlass nehmen,
endlich mal über die Unsinnigkeit dieser Sportlichen Großereignisse nachzudenken! Es ist doch immer nur eine kleine Zahl von Leuten aus der oberen Liga, welche sich dabei die Taschen vollstopft. Ob dabei dafür jemand sterben muss ist denen völlig egal.
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