Wirtschaft

Anzeige

Nach Ärger mit Saudi-Arabien

Katar will in Deutschland zehn Milliarden Euro investieren

Das Emirat Katar will kräftig Geld in deutsche Unternehmen stecken. Kanzlerin Merkel nennt die geplanten Investitionen "sehr willkommen".

Getty Images

Angela Merkel mit Tamim bin Hamad al-Thani

Freitag, 07.09.2018   18:31 Uhr

Anzeige

Das Golfemirat Katar will in Deutschland in den kommenden fünf Jahren zehn Milliarden Euro investieren. Das kündigte Emir Tamim bin Hamad al-Thani bei einer deutsch-katarischen Wirtschaftskonferenz in Berlin an. Die Bundesrepublik sei ein wichtiger Partner für Katar. "Wir wissen um die Stärke der deutschen Wirtschaft", sagte Al-Thani.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Zusage: "Es freut mich, dass Katar auch zunehmendes Interesse an Investitionen am Standort Deutschland zeigt", sagte sie. Diese Investitionen seien in der Bundesrepublik "sehr willkommen".

Anzeige

"Besonders der Energiesektor birgt hier aus meiner Sicht noch erhebliches Potenzial für den Ausbau unserer Wirtschaftsbeziehungen." Auch Wirtschaftsvertreter sehen Chancen für bessere Geschäfte, sorgen sich aber wegen der Blockade Katars, vor allem durch Saudi-Arabien.

Konflikt mit Nachbarstaaten

Der Golfstaat, in dem 2022 die nächste Fußball-Weltmeisterschaft stattfindet, steht unter Druck, nachdem im Juni des vergangenen Jahres Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten eine Blockade verhängt hatten. Sie werfen Katar unter anderem die Unterstützung von Terrorgruppen vor, was das Emirat zurückweist. Die Fronten sind nach wie vor verhärtet. Alle diplomatischen Bemühungen um eine Entspannung blieben bislang erfolglos. "Wir in Deutschland bedauern diese Krise", sagte Merkel.

Anzeige

Katar ist bereits an Volkswagen, der Deutschen Bank, Siemens, Hochtief und Solarworld beteiligt. Die bisherigen Investitionen belaufen sich katarischen Angaben zufolge auf rund 25 Milliarden Euro.

Der Emir sprach von guten Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern. Gut 300 deutsche Firmen seien in dem Golfstaat engagiert, viele beim Aufbau der Infrastruktur und bei Dienstleistern. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2017 bei rund 2,5 Milliarden Euro.

Zusammenarbeit im Gassektor

Merkel setzt auf eine engere Zusammenarbeit im Gassektor. Katar plane als größter Exporteur von Flüssiggas (LNG) einen weiteren Ausbau seiner Kapazitäten. "Flüssiggas trägt auch zur Diversifizierung der Gasbezugsquellen bei und dient damit auch der Versorgungssicherheit", sagte die CDU-Chefin. Hintergrund ist die Debatte etwa mit den USA und osteuropäischen Ländern über einen Ausbau der Gasbezüge aus Russland.

Das deutsche Gasnetz sei bereits an die LNG-Importterminals in den Nachbarländern Niederlande, Belgien und Polen angeschlossen, ergänzte Merkel. "Aber wir arbeiten auch in der Bundesregierung daran, die Flüssiggasinfrastruktur in Deutschland selbst weiter voranzubringen." Deutsche Unternehmen hätten bereits Projekte für den Bau eines LNG-Importterminals.

Merkel hob auch die Rolle des Mittelstands hervor, der als Arbeitgeber und Ausbilder im deutschen Wirtschaftssystem unverzichtbar sei. Dort gebe es viele "Hidden Champions" (Heimliche Champions) - also Unternehmen, die in ihrer Branche international führend, aber öffentlich wenig bekannt sind, da sie beispielsweise nicht an der Börse notiert sind. Gerade mittelständische Unternehmen seien es, die "unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit bestimmen", sagte die Kanzlerin.

brt/Reuters/AFP/dpa

Weitere Artikel

Forum

Forumskommentare zu diesem Artikel lesen
Anzeige
© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH