Kündigung wegen Ehebruchs Katholischer Chorleiter erhält 40.000 Euro

Zwei Jahre lang musste der Organist warten, jetzt sorgt der Europäische Gerichtshof für Klarheit: Der Kirchenmusiker, der wegen Ehebruchs zu Unrecht von seinem kirchlichen Arbeitgeber entlassen worden war, erhält 40.000 Euro Entschädigung.

Gerichtshof in Straßburg: Rüge für die katholische Kirche und deutsche Arbeitsgerichte
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Gerichtshof in Straßburg: Rüge für die katholische Kirche und deutsche Arbeitsgerichte


Straßburg - Im Fall der Kündigung eines katholischen Chorleiters wegen Ehebruchs ist der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) jetzt zu einem Urteil über die Höhe der Entschädigung gekommen: Deutschland muss dem unrechtmäßig entlassenen Kirchenangestellten 40.000 Euro zahlen.

Zu diesem Urteil kam der EGMR am Donnerstag. Zusätzlich zu der Entschädigungszahlung stünden dem Musiker 7600 Euro für Kosten und Ausgaben zu, heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung des Gerichts.

In der Sache hatten die Straßburger Richter schon vor zwei Jahren entschieden: Der Chorleiter einer katholischen Kirchengemeinde in Essen sei zu Unrecht entlassen worden, hieß es in dem Urteil vom 23. September 2010. Die Kirche habe mit seiner Entlassung wegen einer außerehelichen Beziehung gegen die Achtung der Privatsphäre verstoßen. Um die Höhe der Entschädigung festzulegen, hatte sich der Gerichtshof Bedenkzeit gegeben.

Der Chorleiter hatte sich im Jahr 1994 von seiner Frau getrennt und lebte mit einer Gefährtin zusammen. Er hatte gegen seine Kündigung ohne vorherige Abmahnung geklagt und war von deutschen Arbeitsgerichten abgewiesen worden. Die deutschen Arbeitsgerichte hätten "nicht sorgfältig genug zwischen den Rechten des Klägers und des kirchlichen Arbeitgebers abgewogen", befanden die Straßburger Richter. Die Arbeitsgerichte hätten lediglich die Argumentation der Kirche übernommen.

Der Kirchenmusiker lebte seit der Trennung von seiner Frau und seinen zwei Kindern mit seiner Gefährtin zusammen, die gleichzeitig seine Anwältin war. Als durch die Plauderei seines Kindes im Kindergarten bekannt wurde, dass die Gefährtin ein Kind erwartete, entließ die Kirche den Kirchenmusiker zum 1. April 1998.

bos/dpa



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PRhodan 28.06.2012
1. Verlogener Haufen
Hätte der Chorleiter es regelmäßig mit Messdienern getrieben, hätten die Pfaffen die Klappe gehalten und die Missbräuche bis zum Gehtnichtmehr vertuscht. Gegen diese Pharisäer hilft nur die Abstimmung mit den Füßen bzw. Verweigerung der Kirchensteuer.
caecilia_metella 28.06.2012
2. Die Gefährtin ist nicht zu verstehen
Da ist ein Mann, der verheiratet ist und bei der katholischen Kirche angestellt. Sein Kind mit der Frau, der er sein Wort gegeben hat, ist noch ganz klein. Und diese Gefährtin glaubt nun, in ihm den perfekten Partner und Vater ihres Kindes gefunden zu haben?
and_over 28.06.2012
3. optional
es geht hier nicht um die moralische Bewertung des Verhältnisses, in dem der Chorleiter lebt. Es geht darum, dass endlich mal eine der grossen Kirchen vor Gericht eins auf die Mütze kriegt. Es bleibt zu hoffen, dass sich deutsche Gerichte ein Beispiel nehmen...
c.PAF 28.06.2012
4.
Zitat von caecilia_metellaDa ist ein Mann, der verheiratet ist und bei der katholischen Kirche angestellt. Sein Kind mit der Frau, der er sein Wort gegeben hat, ist noch ganz klein. Und diese Gefährtin glaubt nun, in ihm den perfekten Partner und Vater ihres Kindes gefunden zu haben?
Da gebe ich Ihnen vollkommen Recht. Jemanden, der bei einem unseriösen Arbeitgeber arbeitet, ist immer mit Vorsicht zu genießen.
luc2000 28.06.2012
5. Kath. Chorleiter erhält Entschädigung
ALLE Religionen haben selbst "Leichen im Keller" liegen, z.Zt. Vatikan. So wie Banken, Casinos usw. arbeitet Religion mit der Hoffnung und Gier der Menschen. Gott bewahre die Menschen wenn sich alle Religionen sich vereinigen würden. Ich brauche keinen selbsternannten irdischen Gottesvertreter als Vermittler, nur ich und Gott! Der Mensch ist mit alles ausgestattet womit er seinen Weg zum Schöpfer selbst findet.
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