Konsumfreudige Eltern Einzelkind kostet fast 600 Euro im Monat

Eltern in Deutschland investieren mehr Geld in ihre Kinder. Für ein Einzelkind geben Paare laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" im Schnitt 584 Euro im Monat aus, reiche Familien drei Mal so viel wie arme.

Paar mit Kindern in München: Deutsche stecken viel Geld in Nachwuchs
DPA

Paar mit Kindern in München: Deutsche stecken viel Geld in Nachwuchs


Frankfurt am Main - Die Ausgaben für Kinder sind in Deutschland in den vergangenen Jahren gestiegen. Für ein Einzelkind gaben Paare innerhalb von fünf Jahren 35 Euro mehr aus und damit im Schnitt 584 Euro. Eltern von zwei Kindern geben je Kind 515 Euro aus (plus jeweils 40 Euro), im Fall von drei Kindern liegen die Ausgaben bei 484 Euro pro Kind (plus 32 Euro). Die Zahlen stammen aus der Studie "Konsumausgaben von Familien für Kinder" des Statistischen Bundesamtes, aus der die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zitierte.

Dass die Ausgaben mit steigender Kinderzahl sinken, erklären die Statistiker mit den höheren Erstanschaffungskosten für Einzelkinder. Bei mehreren Geschwistern könnten dann Spielzeug und Kleidung weiter benutzt werden, sodass die Kosten je Kind sinken.

Paare mit einem Kind zweigen laut der Studie etwas mehr als ein Fünftel (21,4 Prozent) ihrer Ausgaben für ihr Kind ab. Eltern von zwei Kindern spendieren ein Drittel (32,7 Prozent), Paare mit drei Kindern 42,3 Prozent. Fast die Hälfte dieser Ausgaben wird für die materielle Grundversorgung wie Wohnen, Nahrungsmittel und Kleidung benötigt.

Reiche Familien leisten sich teure Gesundheitspflege

Die Zahlen zeigen auch, wie sehr die Investitionen für Kinder in armen und reichen Familien auseinanderklaffen. Die ärmsten zehn Prozent gaben für ein Einzelkind lediglich 328 Euro im Monat aus. Die sehr wohlhabenden Eltern steckten mit 900 Euro monatlich fast den dreifachen Betrag in ihren Nachwuchs. "Sowohl für die Grundbedürfnisse als auch bei allen anderen Gütergruppen gaben Paarhaushalte mit hohem Einkommen mehr Geld für ihre Kinder aus, als es sich Paare mit Kind(ern) der untersten Einkommensgruppe leisten konnten", zitiert die Zeitung die Statistiker.

Reiche Familien legen demnach besonders Wert auf teure Gesundheitspflege. Dafür wenden sie im Vergleich mit den ärmsten das Acht- bis Zehnfache auf. Für Bücher und Schreibwaren zahlten sie etwa den vierfachen Betrag. Deutlich mehr Geld geben wohlhabende Familien zudem für Urlaube und Restaurantbesuche aus.

Auch Alleinerziehende können den Daten zufolge deutlich weniger in ihre Kinder investieren als Paare. Sie seien "finanziell erheblich schlechter gestellt als Paarhaushalte mit Kindern" und "müssen sehen, wie sie finanziell über die Runden kommen", schrieben die Statistiker. Je nach Alter ihres Kindes geben Alleinerziehende dafür bis zu 80 Euro weniger aus als Haushalte mit zwei Elternteilen.

Je älter, desto teurer

Nicht nur der Wohlstand von Familien, sondern auch das Alter der Kinder spielt laut der Studie eine Rolle bei den Ausgaben. Die Forscher stellten fest: Je älter der Nachwuchs, desto höher die Kosten. Paare mit einem Kind bis zu sechs Jahren geben demnach 519 Euro im Monat dafür aus. In den folgenden sechs Jahren steigen die Konsumausgaben auf 604 Euro. Für Jugendliche von 12 bis 18 Jahren wenden Eltern dann sogar 700 Euro auf. "Zweifellos begründet sich das unter anderem durch einen höheren Verbrauch an Nahrungsmitteln sowie die Wünsche der Teenager, geschmackvoll und modisch gekleidet zu sein und angesagte Markenprodukte zu tragen", zitiert die "FAZ" aus der Studie.

In der Realität dürften Kinder noch deutlich teurer sein, als die Zahlen der Statistiker es zeigen. Denn die Forscher weisen darauf hin, dass in der Erhebung alle über den privaten Konsum hinaus anfallenden Aufwendungen für Kinder fehlen. Etwa für ihren Versicherungsschutz und für die Vorsorge. Keine Rolle spielten auch die sogenannten Opportunitätskosten, die entstehen, wenn ein Elternteil zugunsten der Kinder beruflich kürzer tritt und dadurch auf Erwerbseinkommen verzichtet.

Für die Studie wurden die Daten von 60.000 Haushalten in Deutschland ausgewertet. Die Befragungen fanden bereits im Jahr 2008 statt. Neuere Zahlen gibt es laut der Zeitung nicht.

mmq

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insgesamt 218 Beiträge
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Seite 1
ingofischer 10.06.2014
1. Wer hätte das gedacht
Darauf dass die ärmsten Eltern weitaus weniger in ihre Kinder investieren (können) wäre nun wirklich keiner von alleine gekommen. Besser wäre wohl eher der Vergleich, wieviel % des Einkommens in die Kinder gesteckt wird - und da würden mit Sicherheit die ärmeren Familien besser abschneiden.
meylenstein 10.06.2014
2. Haus und Auto?
Sind da die Kosten für zwei bis drei Zimmer mehr und ein größeres Auto schon mit drin? Da wird es mit 500 Euro im Monat schon verdammt knapp. Dazu kommen dann noch die Liste der Kinderbetreuung mit - im Schnitt - 500 Euro im Monat, jedenfalls für die Krippe, und die Einnahmenausfälle durch den nur noch in Teilzeit arbeitenden Elternteil. Macht unten Strich mehr als tausend Euro im Monat. PRO KIND. Weshalb ich das Gejammer von Kinderlosen über die vielen Vorteile und Subventionen von Eltern nicht mehr ertrage.
antilobby 10.06.2014
3.
Laut Finanzamt müsste ein Kind mit ca. 190€/Monat auskommen, mehr steuerfreie Existenzminimum steht dem Kind nicht zu.
Kometenhafte_Knalltüte 10.06.2014
4. ...
Zitat von sysopDPAEltern in Deutschland investieren mehr Geld in ihre Kinder. Für ein Einzelkind geben Paare laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" im Schnitt 584 Euro im Monat aus, reiche Familien drei Mal so viel wie arme. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/kinder-und-kosten-eltern-in-deutschland-geben-viel-geld-aus-a-974227.html
Auch wenn es in der aktuellen Zeit altmodisch, naiv, einfaches Niveau oder Low Performer zu sein bedeutet, aber: "Wunschkinder sind unbezahlbar, denn sie bereiten einem Lebensfreude!"
townsville 10.06.2014
5. Unfassbar
Wohlhabende geben mehr Geld aus als Leute, die wenig Geld haben. Vermutlich werden diese sagenhaften Statistiker demnächst noch aufdecken, dass sie auch teurere Autos habben, in größeren Wohnungen (oder gar Eigenheimen!) leben und an Weihnachten mehr Geschenke kaufen.
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