"Aufwertung jetzt" 30.000 Erzieher demonstrieren für mehr Lohn

Bei Großdemonstrationen in Hamburg und Frankfurt fordern Zehntausende Erzieher eine Aufwertung ihres Berufsstands. Die Arbeitgeber wollen kommende Woche mit den Gewerkschaften neu verhandeln.

Erzieher in Hamburg: Wunsch nach mehr Lohn und Anerkennung
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Erzieher in Hamburg: Wunsch nach mehr Lohn und Anerkennung


Nach drei Wochen Kita-Streik haben die Gewerkschaften noch einmal den Druck auf die kommunalen Arbeitgeber verstärkt. Bei Demonstrationen in Frankfurt und Hamburg forderten am Donnerstag mehr als 30.000 Erzieherinnen mehr Lohn und Anerkennung für ihren Beruf.

Allein an der Kundgebung und einem anschließenden Demonstrationszug durch die Frankfurter Innenstadt nahmen nach Schätzungen der Polizei mehr als 15 000 Menschen teil. Sie skandierten etwa "Aufwertung jetzt". Laut Polizei waren die Demonstranten mit mehr als 300 Bussen angereist und legten den Straßenbahnverkehr teilweise lahm.

Der Ver.di-Chef appellierte an die Arbeitgeberseite, ein akzeptables Angebot vorzulegen. So lange dies nicht geschehe, werde der Arbeitskampf fortgesetzt, sagte Frank Bsirske in Frankfurt.

Seit dem 8. Mai streiken die Erzieherinnen an kommunalen Kitas. Dazu haben neben Verdi auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie der Deutsche Beamtenbund dbb aufgerufen. Die Gewerkschaften verlangen eine höhere Eingruppierung der bundesweit rund 240.000 Erzieher und Sozialarbeiter, die laut Ver.di zu Einkommensverbesserungen von durchschnittlich zehn Prozent führen würde.

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), hält das für nicht bezahlbar. Sie hat die Gewerkschaften für den kommenden Dienstag zu Verhandlungen nach Frankfurt eingeladen. Schreiben seien an Bsirske und den Beamtenbund-Chef Claus Dauderstädt gegangen, teilte der VKA mit. "Wir wollen ernsthafte Verhandlungen führen", hieß es. "Einfach nur streiken reicht nicht."

ssu/AFP/dpa



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insgesamt 109 Beiträge
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meijoh 28.05.2015
1. schlecht bezahlt?
Mal ehrlich: die Arbeitgeber habe ein Angebot vorgelegt von 450 EUro mehr. Und die Erzieher sind doch jetzt schon deutlich gut bezahlt! Ich glaube, dass hier ein Irrtum vorliegt. Erzieher waren in der Vergangenheit unterbezahlt. Im Moment finde ich die Entlohnung völlig angemessen. Leider hat die Medienlandschaft die Aussage "schlecht bezahlt" nicht den Realitäten angepasst. Und nun haben die Erzieher immer wieder gehört, wie absolut unterbezahlt sie doch seien. Ich würde das auch glauben und gerne mehr bekommen. Aber Leute mal ehrlich: auch 3200 Euro brutto ist doch nun kein so schlechtes GEhalt! Wenn ich sehe, was andere Berufsgruppen wie Polizisten bekommen, dann muss doch bitte auch alles im Verhältnis bleiben. Und auch meine Sicherheit und die meiner Kinder und die Verbrechendbekämpfung sind für meine Zukunft wichtig. Nicht nur die Erziehung der Kinder, die ja auch immer noch zumindest zum Teil von den ELtern geleistet wird;-)))
oneil57 28.05.2015
2. Mehr Lohn und Anerkennung?
Im Prinzip verdienen die Erzieher/innen schon nicht schlecht und Anerkennung haben sie auch (von Eltern und den Kindern). Was bitteschön soll denn ein Assitenzarzt sagen, wenn ein Bandarbeiter bei VW mehr verdient und weniger Stunden schiebt? Soll jetzt alles auf den Prüfstand und per Gesetz geregelt werden?
spiegelfrauchen 28.05.2015
3. Solidarität mit den Erziehern
Ich unterstütze diesen Streik und hoffe , dass die Gehälter angemessen erhöht werden . Ich bedanke mich noch einmal für die kompetente und herzliche Betreuung durch die Erzieher , die wohlgemerkt seit ca. 2 Jahren massiv die Dienste der Kollegen übernehmen müssen , weil schlicht und einfach keine Erzieher für die vorhandenen Stellenangebote vorhanden sind .
mikeythinks 28.05.2015
4. nicht proportional
seh ich auch so... studiert den Kram, dann gibts auch mehr Geld. Ich hatte die Abschlussprüfung für Erzieher heute in der Hand. Diese Ausbildung ist nicht 3500 brutto wert. Entlohnung muss auch immer Ausbildungszeit und Komplexität widerspiegeln. Und Erzieher kann mit einem Realschulabschluss mit Durchschnittsnote 3,5 beginnen. Das ist zu wenig in der Schule geleistet für 3500 Lohn. Also ich fände es schräg. Schlicht nicht fair.
SPViper 28.05.2015
5.
Zitat von meijohMal ehrlich: die Arbeitgeber habe ein Angebot vorgelegt von 450 EUro mehr. Und die Erzieher sind doch jetzt schon deutlich gut bezahlt! Ich glaube, dass hier ein Irrtum vorliegt. Erzieher waren in der Vergangenheit unterbezahlt. Im Moment finde ich die Entlohnung völlig angemessen. Leider hat die Medienlandschaft die Aussage "schlecht bezahlt" nicht den Realitäten angepasst. Und nun haben die Erzieher immer wieder gehört, wie absolut unterbezahlt sie doch seien. Ich würde das auch glauben und gerne mehr bekommen. Aber Leute mal ehrlich: auch 3200 Euro brutto ist doch nun kein so schlechtes GEhalt! Wenn ich sehe, was andere Berufsgruppen wie Polizisten bekommen, dann muss doch bitte auch alles im Verhältnis bleiben. Und auch meine Sicherheit und die meiner Kinder und die Verbrechendbekämpfung sind für meine Zukunft wichtig. Nicht nur die Erziehung der Kinder, die ja auch immer noch zumindest zum Teil von den ELtern geleistet wird;-)))
Da haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen. ie Monatsgehälter von Erzieherinnen und Erziehern im öffentlichen Dienst der Kommunen liegen zwischen 2.590 und 3.750 Euro. Kita-Leitungen erhalten bis zu 4.750 Euro. Die Gehälter liegen damit oberhalb jedes anderen Ausbildungsberufs im öffentlichen Dienst!!!. Mein Verständnis für diese Forderungen und diesen Streik tendieren gegen 0 und ich empfinde diesen Arbeitskampf als eine Unverschämtheit. Kein anderer Beruf im ÖD wurde ähnlich "aufgewertet" in den letzten Jahren. Ich frage mich immer woher die Mär kommt, dass die Bezahlung mit der Qualität des Personals korreliert. Ich (subjektiv) empfinde diesen Beruf und die damit verbunden Leistungen (ÖD, de facto Unkündbar, Bezahlung etc) mehr als attraktiv. Sind die Erzieher momentan schlecht? Was sollen Polizisten, Altenpfleger etc. darüber denken? Anstatt egoistisch partikulare Interessen auf dem Rücken der Eltern zu erstreiken sollte sich die Gewerkschaft mal lieber Gedanken über Inhalte machen.....Qualität kommt von Ausbildung/Bildung. Eine Verschärfung der Zulassungsbedingungen (Studium, Abitur etc) wurde nicht gefordert.Wer eine andere Eingruppierung wünscht sollte auch ein höheres Anforderungsprofil bei der Ausbildung akzeptieren. (Universität/PH),
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