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Kita-Kosten: Mein Kind, das Schnitzel

Ein Kommentar von

An die Kita-Betreuung haben Eltern ähnliche Ansprüche wie an ein Schnitzel: Bitte Top-Qualität, aber dennoch preiswert. Doch wer gut bezahlte Erzieher will, muss auch selbst investieren.

Protestplakat von Erziehern: Wer zahlt für was? Zur Großansicht
DPA

Protestplakat von Erziehern: Wer zahlt für was?

Ab heute wird in deutschen Kitas unbefristet gestreikt. Und fast alle Eltern sind sich einig: Der Streik nervt zwar, aber recht haben die Erzieher ja. Diese Leute müssen mehr verdienen, außerdem sollen auch gleich mehr Erzieher eingestellt werden. Woher das Geld dafür kommen soll? Nicht von uns, sagen viele Eltern. Wir zahlen ja schon Steuern. Und richtig gut verdiene ich auch nicht. Der Staat soll sich kümmern.

Biohühner und Kita-Kinder haben etwas gemeinsam: Sie sollen bitteschön gut umsorgt werden und Auslauf haben - das soll aber wenig kosten. Denn dafür muss ja auch jemand bezahlen. Das bekommen die Erzieher zu spüren: Die Gehaltsabrechnung fällt mau aus.

Nicht nur die Arbeitgeber, auch Eltern sollten darüber nachdenken, was Kinderbetreuung wert ist. Denn viele können es sich sehr wohl leisten, mehr zu zahlen.

In Hamburg zum Beispiel. In dieser reichen Stadt mit vielen wohlhabenden Einwohnern hat die SPD-Regierung im vergangenen Jahr pauschal allen Eltern fünf kostenlose Stunden in der Kita geschenkt. Das Versprechen gab Bürgermeister Olaf Scholz 2010 im Wahlkampf - er bekam damals die absolute Mehrheit.

Freudig rechneten sich auch gutverdienende Eltern gegenseitig vor, wie viel sie sparen. Fast 200 Euro weniger im Monat sind es für eine dreiköpfige Familie mit einem zweijährigen Krippenkind. Seit August 2014 zahlt sie für acht Stunden Betreuung in der Krippe einen Eigenanteil von 191 Euro im Monat. Im Höchstsatz wohlgemerkt.

Ein Tag Krippe ist günstiger als ein Parkplatz

Das macht bei einem Krippenbesuch von Montag bis Freitag 9,55 Euro am Tag. Zu diesem Preis kann man nicht mal sein Auto in einem Parkhaus in der Innenstadt für einen Tag parken. Etwas mehr als tausend Euro pro Monat bekommt die Kita für dieses Kind, nicht mal ein Viertel davon zahlen die Eltern.

Trotzdem lamentieren selbst Gutverdiener über zu hohe Kita-Gebühren. Ähnlich ist es bei Lebensmitteln: Alle finden Massentierhaltung schrecklich und pochen auf Qualität - doch beim Einkauf bei Netto landet dann doch das "Gut Ponholz"-Discounter-Schnitzel im Wagen.

Eltern schimpfen auch gern über den schlechten Betreuungsschlüssel. Hamburg hat laut einer Studie den miesesten in ganz Westdeutschland. Trotzdem senkt die Stadt unter Applaus der Eltern nach dem Gießkannenprinzip Gebühren, anstatt dieses Geld in Qualität für Kinderbetreuung zu stecken. Das klamme Berlin leistet sich sogar drei beitragsfreie Kita-Jahre vor Schulbeginn.

Geringverdiener und kinderreiche Familien sollen entlastet werden. Aber klar ist auch: Es kann keinen besseren Betreuungsschlüssel, mehr Geld für Erzieher und gleichzeitig Minibeiträge für alle Eltern geben.

Geld drückt auch Wertschätzung aus. Alle wollen bessere Schulen und Kitas. Zahlen soll der Staat. Bildung wird gerade von vielen besser verdienenden Eltern als hohes Gut angesehen. Dann müssen sie auch bereit sein, etwas dafür zu geben.

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Streik in den Kitas

Sollten Erzieher besser bezahlt werden?

Zur Autorin
Jeannette Corbeau
Maria Marquart ist Redakteurin im Wirtschafts-Resssort von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Maria_Marquart@spiegel.de

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insgesamt 377 Beiträge
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1. Was auffällt. ...
joG 08.05.2015
.....ist, dass wir hier ein Beispiel zu haben scheinen, das sich sehr schön in eine lange Reihe in dem Sinne gescheiterter Familien-/Erziehungspolitik sehen. Der Staat greift einfach und zwischenzeitlich offensichtlich viel zu viel ein. Es ist nur noch ein korrigieren schlecht laufender Korrekturen gesuchter Verbesserungen staatlicher Maßnahmen und gerichtlicher Eingriffe. Das ist nichts.
2. Völlig naiv
echo12345 08.05.2015
Die Autorin hat offenbar weder das Alter, noch den Kinderstand erreicht um das Thema mit Kenntniss, Sachverstand und vor allem mit Erfahrung zu bereichern. Tatsächlich nämlich zahlen wir Eltern ständig steigende Steuern. Ansonsten könnten ja wir auf die Kita verzichten. Es ist also Sache des Staates die Kita zu zahlen, denn er profitiert. Dieser gefräßige Staat schmeißt jedoch unser Geld raus und weil es ihm nie reicht, sollen wir nach Meinung dieser jungen Autorin die Kita anteilig selbst zahlen. Das ist doch schon längst Realität! Vorschlag: Erhöhung der Steuern für Singelhaushalte in der Generation der Autorin und Schulbank drücken für Erzieher die der Meinung sind, sie würden zu wenig verdienen - so anspruchsvoll wie vorgetragen ist dieser Job nicht. Dieses ganze Gerede ist nur wiedergekäute Stimmungsmache der Klientelpolitik.
3. zu oberflächlich argumentiert
BSPollux 08.05.2015
Die Aussage des Kommentars ist recht simpel in zwei Punkten zusammenzufassen: "Was nix kostet is auch nix wert" und "Wers haben will muss auch zahlen". Mehr ist da leider nicht zu holen. Leider ist das viel zu oberflächlich. Zum einen übersieht die Autorin, dass auch der Teil der Kosten der vom Staat getragen wird letztendlich mit dem Geld der Eltern bezahlt wird. Zum anderen bleibt die Kernfrage offen, ob Kitas eine Notwendigkeit sind. Denn diese Frage ist es, die entscheidet ob Deutschland in der Pflicht steht für ihre kostengünstige Verfügbarkeit zu sorgen. Und nebenbei bemerkt: Dass bei jedem Streik jetzt die Öffentlichkeit um ihre Meinung gefragt wird ob die Arbeitnehmer dieser Branche denn beliebt genug sind um für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen ist ein Zeichen für mangelndes Verständnis von Wirtschaft und Geschichte in unserer Bevölkerung.
4.
catinthehat 08.05.2015
Ich frage mich, ob Frau Marquart selbst Kinder hat? Oder sich ggfls wenigstens mal mit Eltern unterhalten hat? Ich glaube, viele Eltern wissen die Leistungen der Kita durchaus zu schätzen und würden mehr zahlen, wenn man sich das denn leisten kann. Sorry, schlecht geschrieben, meine Meinung...
5. Wir nehmen uns....
bollrock 08.05.2015
Immer die falschen Länder als Vorbild und wundern uns über die Demografie. In Schweden kostet ein Kitaplatz max 150 Euro der Rest wird von der Gemeinde oder dem Staat subventioniert. So klappt das denn auch mit dem Kinderwunsch..... zumindest dahingehend. Die Politik sagt, wenn es grade passt, wir sind so ein reiches Land..... na denn! Ich persönlich meine, wer ein Opernhaus hier in Hamburg für 75 MILLIONEN bauen will und es schlussendlich 1 Milliarde kostet der hat auch das Geld für Kostenlose Kitaplätze. Nicht zu vergessen der Traum von Olympia!
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