Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Grafik-Check: Verdienen Kita-Angestellte wirklich zu wenig?

Von

Demonstrierende Kita-Mitarbeiter: Verschiedene Wertvorstellungen Zur Großansicht
DPA

Demonstrierende Kita-Mitarbeiter: Verschiedene Wertvorstellungen

Der Kita-Streik hat eine Grundsatzdebatte darüber ausgelöst, ob Erzieherinnen unterbezahlt sind. Doch wie gut oder schlecht stehen sie wirklich da? Eine Übersicht in Grafiken.

Zum Wochenstart haben die Gewerkschaften ihren Streik an kommunalen Kindertagesstätten noch einmal ausgeweitet. Zehntausende Eltern in ganz Deutschland müssen eine alternative Betreuung für ihre Kinder organisieren.

Hinter dem Streik steht eine Grundsatzfrage: Wie viel ist uns die Erziehung unserer Kinder wert? Den Gewerkschaften geht es um die finanzielle und damit gesellschaftliche Aufwertung des Sozial- und Erziehungsdienstes.

Fragt sich: Sind Erzieherinnen in Deutschland wirklich so mies bezahlt? Wie groß ist ihre Belastung bei der Arbeit? Wie attraktiv oder unattraktiv ist es also, in diesem Land einen Beruf zu ergreifen, der die nächste Generation mitprägt - und damit letztlich die Zukunft unser Gesellschaft?

  • Bezahlung

Wenn man die Durchschnittsgehälter verschiedener Branchen des öffentlichen Dienstes im fünften Berufsjahr vergleicht, dann stehen Erzieherinnen gar nicht so schlecht da. Sie verdienen zum Beispiel deutlich mehr als Feuerwehrleute oder Krankenhauspersonal und liegen etwa auf dem Niveau eines Technikers - eines Berufs, der sich vor allem in der Privatwirtschaft findet.

Zur Großansicht
[M] DPA

Zudem haben sich die Gehälter im Sozial- und Erziehungsdienst seit 2009 schon deutlich verbessert: In einigen Berufen stiegen sie um bis zu 33 Prozent - und damit um weit mehr als in anderen Branchen. In der Metallindustrie etwa sind die Einkommen zwischen 1990 und 2011 um 20 Prozent gestiegen. Seit 2007 bekommen Erzieherinnen zudem ein Weihnachtsgeld ausgezahlt.

Allerdings arbeiten gut 60 Prozent der Erzieherinnen - oft gegen ihren Willen - in Teilzeit. Das sind laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung doppelt so viele wie im Durchschnitt aller Branchen.

  • Arbeitsbelastung

Laut Bertelsmann-Stiftung fehlen rein rechnerisch rund 120.000 zusätzliche in Vollzeit arbeitende Erzieher in Kindergärten, Kindertagesstätten und Horten. Dadurch betreut eine Erzieherin im Schnitt noch immer weit mehr Kinder als empfohlen. Empfohlen sind drei Kleinkinder pro Erzieherin. Der bundesdeutsche Durchschnitt liegt mit 4,4 Kleinkindern pro Erzieherin deutlich drüber. Entsprechend hoch ist die Arbeitsbelastung.



Insgesamt ist der Job Erzieher eine anspruchsvolle Tätigkeit mit hoher gesellschaftlicher Verantwortung. Die Ausbildung dauert bis zu fünf Jahre, und immerhin fünf Prozent der Erzieher haben ein Hochschulstudium absolviert.

Unter anderem mit dieser hohen Qualifikation begründen die Gewerkschaften ihre saftige Forderung: Um durchschnittlich zehn Prozent sollen die Löhne steigen.

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände hält das für nicht bezahlbar. Nach ihren Berechnungen beläuft sich die Summe der Forderungen auf insgesamt 1,2 Milliarden Euro.

Der Autor auf Facebook

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 490 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Wer bezahlt TVöD?
olle kalle 11.05.2015
In Berlin bezahlt kaum eine Stelle den TVöD. Gerade die kirchlichen Träger haben eigene Tarifabschlüsse, die deutlich niedriger sind. Diese Zahlen hier sind reine Augenwischerei. Das angegebene Geld bekommen nicht einmal Sozialarbeiter, die im Gegensatz zu Erziehern, studiert haben und teilweise BAFöG zurückzahlen müssen.
2. Erzieher verdienen häufig mehr als Architekten
Wassup 11.05.2015
Der Spiegel darf ruhig einmal mit den vielen Geringverdienern in den akademischen Berufen vergleichen.
3. Gehälter
Supraman 11.05.2015
Puhhh, also wenn ich die Gehälter in der Grafik im Vergleich sehe schwindet ganz arg das Verständnis für den Streik. Da müssten ja gleich im Anschluss die Feuerwehrleute und Müllarbeiter streiken gehen. Irgendwie müssen sowieso alle streiken weil alle zu wenig kriegen, oder?
4. Vielleicht versteht es jetzt endlich...
misslongstocking 11.05.2015
... auch der Letzte, der sich an den sagenumwobenen "3000 Euro" aufgehängt hat, dass 60% der Erzieher gar nicht in diesen "Genuss" kommen KÖNNEN...!!!!! Die Städte knausern beim Personal, allein unsere Kita - die kleinste in der Stadt mit nur zwei Gruppen und 42 Kindern - hat gerade mal drei Vollzeitkräfte (inklusive Leitung!!!), drei in Teilzeit und drei Praktikantinnen bzw. FSJler. Nochmal: Die wenigsten Erzieher erhalten 3000 Euro oder gar noch mehr. Die Mehrheit bekommt ein Gehalt raus, das zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel ist - gerade hier in der Stadt. Und bitte nicht wieder die Leier von wegen "Die sollen das aus Liebe zu den Kindern tun und nicht um Geld zu verdienen" - klar machen die meisten diesen JOb aus Liebe zu Kindern, aber warum bitte sollen sie davon nicht leben können? Geht's noch? Jeder Ingenieur macht doch seinen Entwicklerjob bei der Firma XY auch nicht (nur) aus reiner Liebe zur Entwicklung, sondern AUCH um Geld zu verdienen...
5. Interessant wäre es...
timm.friedrichs 11.05.2015
...zu erfahren, wieviel Erzieher im Vergleich zu Grundschullehrer verdienen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: