Arbeitskampf Ver.di-Chef droht mit neuen Kita-Streiks

Ein besseres Angebot oder neue Streiks: Gewerkschaftsboss Frank Bsirske droht im Kita-Tarifstreit erneut mit Arbeitskampf. Den Schlichterspruch lehnte die Ver.di-Basis ab.

Verdi-Chef Bsirske: Will ein besseres Angebot
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Verdi-Chef Bsirske: Will ein besseres Angebot


Eltern von Kleinkindern müssen sich erneut auf geschlossene Kitas einstellen. Ver.di-Chef Frank Bsirske erklärte im Tarifstreit für Erzieher und Sozialarbeiter die Schlichtung für gescheitert und drohte neue Streiks an. Er forderte die kommunalen Arbeitgeber am Samstag auf, ihr Angebot noch einmal kräftig nachzubessern.

Insgesamt hatten 69,13 Prozent der Ver.di-Mitglieder im Sozial- und Erziehungsdienst den Schlichterspruch von Ende Juni abgelehnt. Der Vorschlag des früheren sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt (CDU) und des einstigen Hannoveraner Oberbürgermeisters Herbert Schmalstieg (SPD) hatte zwischen 2 und 4,5 Prozent mehr Geld vorgesehen. Der Vorschlag war in der Gewerkschaft kritisch betrachtet worden. Die ursprüngliche Ver.di-Forderung lag bei zehn Prozent - deshalb hatte sie die Mitgliederbefragung beschlossen.

"Das ist ein absolut klares Signal an die eigene Gewerkschaft und auch an die Arbeitgeber", sagte Bsirske nun zum Ergebnis der Befragung. "Der Streik wird fortgesetzt. Die Schlichtung ist gescheitert", sagte er laut Nachrichtenagentur dpa. Er wolle der Bundestarifkommission, die am Dienstag in Frankfurt das weitere Vorgehen berät, eine entsprechende Empfehlung geben. "Eine Befriedung auf dieser Grundlage ist nicht möglich. Die Arbeitgeberseite ist gut beraten, das Signal ernst zu nehmen."

Arbeitgeberverband: Keine weiteren Veränderungen

Wenn die Arbeitgeber zu substanziellen Zugeständnissen bereit seien, könne ein Streik noch vermieden werden, sagte Bsirske. Er kündigte "unkonventionelle Streikformen" an. Bereits im Frühsommer waren über Wochen in vielen Bundesländern Kindertagesstätten und Horte bestreikt worden.

Der Präsident des kommunalen Arbeitgeberverbands VKA Thomas Böhle teilte mit: "Wir haben kein Verständnis dafür, wenn dieser austarierte Kompromiss abgelehnt werden sollte." Weitere Veränderungen am Schlichterspruch schloss er aus. Laut VKA müsse eine Überforderung der Kommunen vermieden werden.

Auch bei den ebenfalls von dem Tarifstreit betroffenen Gewerkschaften GEW und Beamtenbund fiel der Schlichterspruch durch. Bei der GEW stimmten ebenfalls fast 70 Prozent der Mitglieder gegen eine Annahme der Schlichtung, allerdings wurde nach Angaben der Gewerkschaft die nötige Mehrheit für eine Fortsetzung des unbefristeten Streiks verfehlt. Beim Beamtenbund lehnten über 60 Prozent den Schlichterspruch ab.

Die nächsten Verhandlungen sind laut Nachrichtenagentur dpa für Donnerstag im hessischen Offenbach geplant.

apr/dpa



insgesamt 211 Beiträge
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omop 08.08.2015
1. Das Schlichtungsergebnis ist ein tolles Ergebnis..
für die Kita-Mitarbeiter. Wer hier weiterhin auf Eskalation setzt, dürfte jegliches Vertrauen und Unterstützung bei Eltern und anderen Arbeitnehmern verspielen. Die Forderungen von Verdi sind m.E. absolut unverschämt und stehen in keinem Verhältnis zu ähnlichen Tätigkeiten (Krankenschwestern, schwere körperliche Tätigkeiten), die teilweise deutlich mehr Verantwortung tragen. KiTa-Mitarbeiter sollten nicht tausend Formulare während ihrer Tätigkeit ausfüllen, sondern sich um die Kernelemente einer schönen Kindergartenzeit kümmern: Spielen, Neugierde wecken. Gelernt wird noch früh genug in der Schule..aber die angebliche Professionalisierung des Berufs dient nur der Forderung nach höheren Gehältern. Mein Kind muss/soll nicht von einer Akademikerin betreut werden, die mit Bewertungsbögen 3-5jährige in irgendwelche unsinnigen Schemata presst.
innerspace 08.08.2015
2.
Überforderung der Kommunen bei der Betreuung der eigenen Zukunft. Realsatire pur.
Afrojüdischer_Sozi-Sinti 08.08.2015
3. Meine güte
Kommunen, Länder und der Bund sollen doch mal endlich dort Geld her holen wo es sich sinnlos aufstaut: bei den Reichen. Will man in Deutschland etwa wieder den Rassenkampf dem Klassenkampf vorziehen und somit die Interessen von Arbeitnehmern in Deutschland, Europa und der ganzen Welt mit Füßen Treten? Warum nur sind die Menschen in diesem Land so unglaublich Obrigkeitshörig? Dieses ständige Buckeln nach oben und Treten nach unten führt doch nie zu etwas gutem.
ptrbrtn 08.08.2015
4. Peanuts
Der Schlichtungsspruch schlägt 2% - 4,5% vor, allerdings soll diese Lohnerhöhung bis 2020 gelten. Das bedeutet defacto, dass die Löhne nach Inflation sinken. Verdi ist mitverantwortlich für dieses miese Ergebnis, denn sie hat einen ehemaligen Komunalpolitiker als Schlichter in die Verhandlungen geschickt, der schlecht verhandelt hat. Die Erzieherinnen und Eltern sind jetzt doppelt bestraft, denn auf ihrem Rücken wird der Kampf zwischen dieser Gewerkschaften und sturen Kommunen ausgetragen. Der Bund könnte hier ruhig das Geld für die Herdprämie an die Komunen/Kitas weiterleiten... um soviele Euros geht es am Ende nämlich nicht
Achmuth_I 08.08.2015
5. Mit Sicherheit nicht.
Zitat von omopfür die Kita-Mitarbeiter. Wer hier weiterhin auf Eskalation setzt, dürfte jegliches Vertrauen und Unterstützung bei Eltern und anderen Arbeitnehmern verspielen. Die Forderungen von Verdi sind m.E. absolut unverschämt und stehen in keinem Verhältnis zu ähnlichen Tätigkeiten (Krankenschwestern, schwere körperliche Tätigkeiten), die teilweise deutlich mehr Verantwortung tragen. KiTa-Mitarbeiter sollten nicht tausend Formulare während ihrer Tätigkeit ausfüllen, sondern sich um die Kernelemente einer schönen Kindergartenzeit kümmern: Spielen, Neugierde wecken. Gelernt wird noch früh genug in der Schule..aber die angebliche Professionalisierung des Berufs dient nur der Forderung nach höheren Gehältern. Mein Kind muss/soll nicht von einer Akademikerin betreut werden, die mit Bewertungsbögen 3-5jährige in irgendwelche unsinnigen Schemata presst.
Und selbst wenn - dann sollten diejenigen die nicht Tarifpartei sind ganz einfach lernen, dass Ihre Meinung in Tarifstreitigkeiten eher belanglos ist.
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