Ver.di-Basis lehnt Schlichterspruch ab Es drohen neue Kita-Streiks

Die Mitglieder der Gewerkschaften Ver.di und GEW haben sich im Kita-Tarifstreit mit großer Mehrheit gegen den Schlichtervorschlag ausgesprochen. Dieser sah bis zu 4,5 Prozent mehr Lohn vor. Nun könnten erneut Streiks drohen.

Kita-Erzieherinnen und Sozialarbeiter (Archiv): Protest für bessere Bezahlung
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Kita-Erzieherinnen und Sozialarbeiter (Archiv): Protest für bessere Bezahlung


Erzieher und Sozialarbeiter sollen bis zu 4,5 Prozent mehr Geld bekommen - so sah der Schlichterspruch im Kita-Tarifkonflikt aus. Doch die Mitglieder der Gewerkschaften Ver.di und GEW haben den Vorschlag nun mit großer Mehrheit zurückgewiesen.

Insgesamt lehnten 69,13 Prozent der Ver.di-Mitglieder im Sozial- und Erziehungsdienst den Schlichterspruch ab, wie die Gewerkschaft am Samstag mitteilte. Auf einer Streikdelegiertenkonferenz in Fulda soll nun über das weitere Vorgehen beraten werden.

"Vor dem Hintergrund dieser Diskussion" werde am Dienstag die Bundestarifkommission von Ver.di über das weitere Vorgehen entscheiden, erklärte die Gewerkschaft. Denkbar sind nun weitere Streiks in Kindertagesstätten und anderen sozialen Einrichtungen. Bei der GEW wurde nach eigenen Angaben die nötige Mehrheit für eine Fortsetzung des unbefristeten Streiks verfehlt. Beim Deutschen Beamtenbund votierten nach dessen Angaben mehr als 60 Prozent gegen den Schlichterspruch.

Gewerkschaften fordern bessere Eingruppierungen

Eine Schlichtungskommission hatte Ende Juni einen Vorschlag im Tarifstreit des kommunalen Sozial- und Erziehungsdienstes vorgelegt. Dieser wurde aber in Reihen der Gewerkschaft Ver.di sehr kritisch betrachtet. Deshalb wurde die Mitgliederbefragung eingeleitet.

Schlichter waren der frühere sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) und der einstige Hannoveraner Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD). Sie hatten nach wochenlangen Kita-Streiks einvernehmlich Erhöhungen in den einzelnen Berufsgruppen von 2 bis 4,5 Prozent vorgeschlagen.

Der Schlichterspruch lag jedoch relativ weit weg von den Vorstellungen der Gewerkschaften, die eine deutliche Aufwertung der 240.000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst durch bessere Eingruppierungen forderten. Der kommunale Arbeitgeberverband VKA ist dagegen bereit, die Einigungsempfehlung der Schlichter als Tarifabschluss zu unterschreiben.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund bedauerte, dass die Gewerkschaftsbasis den Schlichterspruch abgelehnt hat. Dieser gehe bei vielen Städten und Gemeinden an die Schmerzgrenze, heißt es in einer Reaktion des Verbandes. Es müsse eine Überforderung der Kommunen vermieden werden. "Genau das droht jetzt, wenn erneut 'draufgesattelt' wird", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg in Berlin.

Der Städte- und Gemeindebund warnte insbesondere vor neuen flächendeckenden Streiks, die zulasten der Eltern und Kinder gehen würden. Gerade vor dem Hintergrund der ständig steigenden Flüchtlingszahlen bestehe kaum Verwaltungskapazität, auch derartige Streikfolgen aufzufangen und Alternativen zu entwickeln.

wit/dpa/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 170 Beiträge
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Alfred Ahrens 08.08.2015
1. Es gibt Alternativen !
Wir haben unsere Kinder in kirchlichen Kindergärten untergebracht. Die Tanten in unserem alten Kindergarten in Bochum können streiken so lange sie wollen, es interessiert uns nicht mehr. Es wird den Gewerkschaften in diesem Land nicht gelingen die Bevölkerung und deren Probleme auf Dauer dazu zu benutzen um immer größere Gehälter für Gewerkschaftsfunktionäre zu mißbrauchen ! Werdie, Bsirske und Co. mit ihrer Politik passen nicht mehr in unsere Zeit!
Palmdale 08.08.2015
2. Schlichterspruch abgelehnt?
Ver.di verliert zunehmend die Bodenhaftung...
zthomas 08.08.2015
3. Augen auf bei der Berufswahl
statt einen Job auszusuchen, um dann überrascht (!) feststellen, dass die Konditionen doch nicht sooo dolle sind. Tja, dann streikt man halt. Mannomann! Wer zwingt denn die KITA-Facharbeiter diesen Job (hier: die Bezüge) zu wählen? Dann muss man sich halt einen Job mit adäquater Bezahlung aussuchen.
Humanist1978 08.08.2015
4. Richtig so!
Lasst euch von den Medien nicht unterkriegen. Arbeitnehmer aller Branchen: holt euch eure Würde zurück! Das ist die einzige Chance euch durchzusetzen. Das geht auch nur solidarisch. Ich bin auch mehrfach von den Streiks betroffen gewesen und ich wünschte ich dürfte streiken, darf ich aber nicht. Bitte weiter so! Ich will ein solidarisches Europa. Das schmeckt dem Großkapital Natürlich nicht.
ingenör79 08.08.2015
5. Können? Es wird ein
langer Streik folgen. Am Besten alle kommunalen Kitas an Kirchen und Wohlfahrts Organisationen abgeben. 4,5% sind doch wohl genau. Der vergleich mit Lehrern ist nicht gegeben. Erzieher ist nur ein Ausbildungsberuf zu dem man nur mittlere Reife benötigt.
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