Kita-Tarifstreit Ver.di empfiehlt Erziehern Kompromiss

Die Einigung zwischen Ver.di und Arbeitgebern stößt in der Gewerkschaft auf viel Kritik. Doch die Gewerkschaftsführung will den Kita-Tarifstreit endgültig beenden: Die Mitglieder sollen in einer Urabstimmung für den Kompromiss stimmen.

Arbeitgeberpräsident Böhle, Ver.di-Chef Bsirske: "Strukturelle Verbesserungen"
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Arbeitgeberpräsident Böhle, Ver.di-Chef Bsirske: "Strukturelle Verbesserungen"


Ver.di will den Kita-Tarifstreit offenbar endgültig beenden. Obwohl aus den eigenen Reihen Kritik kommt und auch Ver.di-Chef Frank Bsirske nicht endlos begeistert klingt, hat die Tarifkommission ihren Mitgliedern empfohlen, den ausgehandelten Kompromiss anzunehmen. Eine Urabstimmung solle Mitte kommender Woche beginnen und Ende Oktober abgeschlossen sein, teilte die Gewerkschaft am Freitag mit. Neue Streiks sind damit vorerst äußerst unwahrscheinlich.

Die Spitzen von Ver.di und den kommunalen Arbeitgebern hatten sich am Mittwoch nach sieben Monaten auf ein Ergebnis geeinigt. "Das ist kein Ergebnis, das Freude und Euphorie auslöst, aber es enthält strukturelle Verbesserungen gegenüber der Schlichtungsempfehlung vom Juni", kommentierte Bsirske den Kompromiss.

Im Vergleich zu einem von den Gewerkschaftsmitgliedern im Sommer abgelehnten Schlichterspruch soll es Verbesserungen für die rund 220.000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst geben. Ver.di bezifferte das Ergebnis auf im Schnitt gut 3,7 Prozent mehr Lohn, die Arbeitgeber auf 3,3 Prozent.

Die Vertreter der bestreikten Einrichtungen bewerteten den Kompromiss unterschiedlich: Vor allem Beschäftigte aus den Städten, die als Streikhochburgen galten, plädierten laut Ver.di für eine Fortsetzung der Kita-Streiks vom Mai. Eine Mehrheit sprach sich jedoch für die Annahme des Ergebnisses aus.

brk/dpa



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insgesamt 18 Beiträge
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winkler00 03.10.2015
1. Wenn bei einer Verhandlung beide das gleiche wollen
kann nur einer verlieren. Das ist hier das Verdi Mitglied. Nicht das die Erhoehung vom Ziel sehr weit abweicht. Ok schlecht verhandelt. Aber das die Laufzeit gleich 5 Jahre betraegt, ist die naechste Aenderung erst in 6 Jahren moeglich. Dem Chef wird freuen, der sah hier sehr plass aus und ist wohl froh , ein paar Jahre vor dem zaenkischen Volk Ruhe zu haben.
pomello 03.10.2015
2. Das kann doch nicht sein Ernst sein
Ganz ehrlich, auch Erzieher und Erzieherinnen können rechnen und das was gefordert wurde ist ja nun wirklich in keinster Weise erreicht wenn Bsirske bei 3,7 % ja sagt!!! Für mich kommt das einer Ohrfeige gleich für alle Menschen im sozialen Dienst!!!
rocketsquirrel 03.10.2015
3.
Warum empfiehlt die Gewerkschaft den Kompromiss? Zum einen weil der ganze Streik von Ver.di nur dazu diente, die Mitgliederzahlen in den Sozialberufen zu halten und mancherorts zu steigern. Kommunen haben überhaupt kein Interesse daran, dass im SuE mehr verdient wird und Druck aus dem Streik gibt es nicht, da die Kommunen zum einen massig Gehalt einsparen und sie ansonsten auch nur indirekt durch die Wut der Eltern betroffen sind.
robr 03.10.2015
4. Das Dumme ist...
Das Dumme ist, dass zwar der Bund aber nicht die Städte tatsächlich Geld haben. Diese Problematik lässt sich nur politisch lösen, nicht auf der Gewerkschaftsebene.
vaclav.havel 03.10.2015
5.
Zitat von rocketsquirrelWarum empfiehlt die Gewerkschaft den Kompromiss? Zum einen weil der ganze Streik von Ver.di nur dazu diente, die Mitgliederzahlen in den Sozialberufen zu halten und mancherorts zu steigern. Kommunen haben überhaupt kein Interesse daran, dass im SuE mehr verdient wird und Druck aus dem Streik gibt es nicht, da die Kommunen zum einen massig Gehalt einsparen und sie ansonsten auch nur indirekt durch die Wut der Eltern betroffen sind.
Ich habe den Verdacht, dass das die einzige Motivation der Verdiführung ist. Ein Streik führt in der Regel dazu, dass bisher nicht organisierte Beschäftigte in eine Gewerkschaft eintreten, weil sie während des Streiks nicht unsolidarisch sein wollen. Laut Satzung dürfen diese Neumitglieder aber erst mit einer Frist von einem Jahr wieder austreten. Wenn sie also mit dem Tarifabschluss unzufrieden sind, dann sind sie trotzdem erst einmal an Verdi gebunden. Bei den Erziehern befragt Verdi die Mitglieder wenigstens, ob sie mit dem Abschluss einverstanden sind. In den meisten Fällen tut man das aber nicht.
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