Klares Votum in Hamburg-Altona 77 Prozent der Bürger wollen City-Ikea

Hamburg-Altona bekommt wohl eine Ikea-Filiale mitten in der City. Bei einem Bürgerentscheid mit hoher Beteiligung sprachen sich 77 Prozent der Teilnehmer für die Pläne des Möbelkonzerns aus. Die Gegner wollen die Niederlage nicht akzeptieren - und wettern gegen eine "Suggestivfrage".

Von


Fotostrecke

11  Bilder
Ikea: Der Kampf um die Stadt

Hamburg - Das Ergebnis ist deutlich: Die Bürger des Hamburger Bezirks Altona wünschen sich eine Ikea-Filiale mitten in ihrer Innenstadt. Gut 77 Prozent stimmten beim Bürgerentscheid "Pro Ikea" für eine Ansiedlung des Möbelkonzerns in der Großen Bergstraße - einer Fußgängerzone, die in den vergangenen Jahren einen beispiellosen Niedergang erlebt hat. Fast 23 Prozent der Bürger stimmten dagegen. Das Bauprojekt stieß auf großes Interesse: Von den 186.000 Wahlberechtigten nahmen 43 Prozent an dem Entscheid teil.

Zur Abstimmung stand ein Wunschprojekt der Bezirkspolitiker: Sie erhoffen sich durch die Ansiedlung von Ikea eine Belebung der Einkaufsstraße. Seit dem Wegzug von Karstadt im Jahr 2003 steht dort ein riesiger Betonklotz leer: das Frappant. Ikea bietet an, das Gebäude abzureißen und durch eine 37 Meter hohe Innenstadt-Filiale mit Parkdecks auf dem Dach zu ersetzen - drei Viertel der Bürger, die sich an der Abstimmung beteiligt haben, halten das offenbar ebenfalls für eine gute Idee.

Unklar ist nun, was aus dem Bürgerentscheid der Ikea-Gegner wird. Sie hatten ebenfalls Unterschriften für einen Bürgerentscheid gesammelt. Bis Ende der kommenden Woche soll klar sein, ob die Zahl der Unterstützer ausreicht. Doch zwei Bürgerentscheide zum selben Thema sieht das Gesetz nicht vor. Nun könnte der Hamburger Senat die Sache an sich ziehen. Eine zweite Abstimmung wäre dann wohl hinfällig.

Die Initiatoren des Bürgerentscheids "Pro Ikea" zeigten sich mit dem Ergebnis erwartungsgemäß zufrieden. Von einer Mehrheit der Bürger werde Ikea "mit offenen Armen empfangen", so die Interessengemeinschaft der Einzelhändler am Donnerstag. Vom Abriss des Frappant und dem Bau der Ikea-Filiale erhoffen sie sich eine "Initialzündung für den Bezirk".

Ikea-Gegner befürchten Verkehrskollaps

"Wir sind glücklich, dass die hässliche Frappant-Ruine endlich abgerissen werden kann", sagte Verbandschef Klaus-Peter Sydow dem NDR. Nun gehe man davon aus, dass die Besitzer der umliegenden Gebäude investieren würden. Er rechnet damit, dass auch die Läden in der Großen Bergstraße von den Kunden des Möbelhauses profitieren.

Die Ikea-Gegner bemängelten die Abstimmung. Nach eigenen Angaben sind sie von der überwältigenden Mehrheit aber nicht überrascht. Dennoch hätten viele tausend Altonaer ihre Stimme gegen Ikea abgegeben. "All diese Menschen wollen hier kein Möbelhaus. Das kann und darf man nicht übersehen", sagte Benjamin Häger vom Frappant-Verein, der für einen Umbau des Betonkomplexes in ein Stadtteilzentrum wirbt.

Kritik äußerten die Gegner an der Fragestellung des Bürgerentscheids. Dort sei den Wahlberechtigten versprochen worden, der Stadtteil werde mit Ikea "nachhaltig belebt und attraktiver". Das aber sei eine "Suggestivfrage", erklärten die Initiative "Einen Gang zulegen" und der Frappant-Verein am Donnerstag.

Schließlich sei das Gegenteil der Fall: Die Ikea-Gegner befürchten einen "überdimensionierten Zweckbau", der Verkehrsprobleme in ihre Innenstadt bringt, und steigende Mieten, durch die Anwohner und Geschäfte verdrängt werden. Nach dem Bürgerentscheid appellieren sie nun an das Unternehmen: Es könne nicht im Sinne von Ikea sein, sich "durch eine unüberlegte Planung mitten im Wohngebiet in Verruf bei seinen Kunden zu bringen".



Forum - Wem gehören die Städte?
insgesamt 183 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Karl IV 15.01.2010
1. Wem gehören die Städte?
Den Tauben (oben) Den Ratten (unten)
nemansisab, 15.01.2010
2. Bisschen spät.....
Zitat von sysopIkea will in Hamburg die weltweit erste City-Filiale eröffnen. Die Befürworter des Projekts erhoffen sich die Erlösung eines geschundenen Viertels von allem Bösen. Die Gegner fürchten die totale Kommerzialisierung der Innenstadt. Wie sehen Sie generell den Streit um die Stadt?
Ich verstehe die Aufregung hier in Hamburg nicht. Der Zug ist längst abgefahren. Die vielen Einkaufszentren sind PRIVATISIERT. Das bedeutet, dass die Betreiber (jedenfalls theoretisch) am Eingang eines solchen Zentrums entscheiden könnten, wen sie hineinlassund und wen nicht. Irgendwann haben wir alle einen Chip im Körper, der beim Betreten dieser Konsumtempel Auskunft über unsere Zahlungsfähigkeit gibt. Auch nicht unwichtig: Da es sich nicht um öffentlichen Raum handelt, kann hier nicht demonstriert werden. Toll, endlich ist ungestörtes Einkaufen möglich.......
Mobat 15.01.2010
3. Unwichtig
Ob es jetzt einen Innestadtikea oder nicht gibt ist doch letztendlich egal. Ikea ist ein Geschäft, wie Obi oder Möbel Müller auch. Interessant wirds, wenn man die Einkäufe mangels Parkplatz nach Hause bringen will...
Satiro, 15.01.2010
4.
Zitat von Karl IVDen Tauben (oben) Den Ratten (unten)
Und dazwischen fast immer ein verfilztes Netzwerk von korrupten Politikern, die alles tun um sich ihre Pfründen zu erhalten. Beispiel: das Ruhrgebiet!
Achras, 15.01.2010
5.
Zitat von sysopIkea will in Hamburg die weltweit erste City-Filiale eröffnen. Die Befürworter des Projekts erhoffen sich die Erlösung eines geschundenen Viertels von allem Bösen. Die Gegner fürchten die totale Kommerzialisierung der Innenstadt. Wie sehen Sie generell den Streit um die Stadt?
Der dazugehörige Redaktions-Artikel ist offenbar online noch nicht zu finden... Der Vorgang selbst bezieht sich auf die Neugestaltung eines längst verwahrlosten Straßenzuges in Hamburg-Altona, in dessen Ruine eines so ca. um 1970 errichteten und damals auch eleganten Einkaufszentrums heute "Künstler" hausen, die sich hauptsächlich einer Aufwertung des Stadtteils erwehren... Die ALTEINGESESSENEN Einwohner der näheren Umgebung würden es dagegen begrüßen, wenn die "Neue Große Bergstraße" an Attraktivität für Einzelhandel und Investoren gewänne. Vor Ort findet gar eine Umfrage zu einem "Bürgerentscheid" statt, den eine private Initiative (http://www.pro-ikea-altona.de/) quasi im Schulterschluß mit der örtlichen CDU gestartet hat...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.