Klimaschutz Belgien fordert höhere Steuern auf Flüge

Obwohl Reisen mit der Bahn das Klima schonen, sind sie oft teurer als ein Flug. Das liegt auch an der fehlenden Besteuerung von Kerosin. Belgien will das nun EU-weit ändern.

Flughafen Hamburg (Symbolbild)
DPA

Flughafen Hamburg (Symbolbild)


Belgien will in der EU eine Steuer auf Flüge vorschlagen. "Sie können weiter das Flugzeug nutzen, aber Sie werden sehr viel mehr dafür bezahlen", sagte der wallonische Umweltminister Jean-Luc Crucke am Samstag dem belgischen Sender RTBF.

Demnach wollen die Belgier die neue Steuer für den Luftverkehr am 5. März bei einem Treffen der EU-Umweltminister auf die Tagesordnung bringen. Hintergrund ist der Kampf gegen die Klimaerwärmung.

Die Niederlande hatten bei einem EU-Finanzministertreffen am 12. Februar bereits eine ähnliche Idee aufgebracht. Crucke kritisierte, derzeit gebe es keine Steuer auf Kerosin und auf Flugtickets.

Das deutsche Umweltbundesamt fordert bereits seit längerem, dass die Steuerbegünstigung des Flugverkehrs abgeschafft wird. Die Bundesbehörde kritisiert, die Energiesteuerbefreiung von Kerosin und die Mehrwertsteuerbefreiung bei internationalen Flügen.

Der Anteil des gesamten Flugverkehrs an den weltweiten Kohlendioxidemissionen beträgt derzeit rund 2,7 Prozent. Allerdings sondern die Triebwerke noch weitere Luftfahrtemissionen wie etwa Stickoxid und Feinstaub ab. Die Bildung von Kondensstreifen und Veränderungen in Zirruswolken tragen zusätzlich zur Erwärmung bei. Experten schätzen daher den Anteil der Fliegerei am Klimawandel auf etwa fünf Prozent.

Flüge seien ein umweltverschmutzendes Transportmittel, sagt auch der wallonische Umweltminister Jean-Luc Crucke. Daher müsse dem "Gewissen" der Verbraucher über den "Geldbeutel" nachgeholfen werden.

In einem Schreiben an die 27 EU-Partnerländer, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, verweist Belgien darauf, dass umweltfreundlichere Verkehrsmittel wie die Bahn stärker besteuert würden als der Luftverkehr. Belgien fordert daher eine gerechtere Besteuerung. Applaus für den belgischen Vorstoß kam aus den Niederlanden.

AFP/stu



insgesamt 59 Beiträge
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wachtberg62 02.03.2019
1. Endlich ein Versuch die Emissionen zu reduzieren!
Die einzige Möglichkeit - gleiches Unrecht für Alle - unseren Verbrauch zu reduzieren. Dies sollte positiver kommentiert werden : nicht Belgien will das Fliegen teurer machen, sondern verantwortliche Politiker reagieren (endlich)!
haresu 02.03.2019
2. Und, wollen wir wetten?
Jeder weiß es, es kann so nicht weitergehen. Und trotzdem wird sich hier gleich ein Geschrei erheben und von Gerechtigkeit die Rede sein, dass die Armen mal wieder büßen sollen und die Reichen weiterhin Fliegen können. Ja, das ist so, die Masse machts, die Masse macht den Dreck. Es geht nicht um Gerechtigkeit, es geht nur um das Ergebnis. Aber selbstverständlich wird unsere Regierung wieder nicht den Mut haben den belgischen Vorschlag zu unterstützen, wahrscheinlich wird sie ihn sogar aktiv bekämpfen. Scheuer wird mal wieder über den Menschenverstand schwadronieren und überhaupt die Wirtschaft und die Arbeitsplätze.
rainer_d 02.03.2019
3. Schon absurd
dass diese Art des Reisens nicht in ausreichendem Mass besteuert wird. Bitte dann auch gleich Kreuzfahrten extra besteuern. Der ökologische Fussabdruck ist dort genauso furchtbar, dazu kommen noch die negativen Auswirkungen (auf mehreren Ebenen) auf die Anlegeorte.
jj2005 02.03.2019
4. Kerosinbesteuerung ist überfällig
Die Besteuerung von Kerosin hätte schon vor 20 Jahren eingeführt werden sollen, dann wäre der unsinnige A380 nie gebaut worden, und die Flotten wären heute durch die Bank viel sparsamer. Das Hauptproblem sind nicht die steuerlichen Zuständigkeiten für internationale Routen, wie gern behauptet wird, sondern die Unfähigkeit der Politiker, ihren Wählern zu kommunizieren, dass man mit Steuermehreinnahmen Gutes tun kann - z.B. das Kindergeld erhöhen, oder die MWSt auf Grundnahrungsmittel abschaffen. Solange Politiker unreflektiert über Steuererhöhung labern OHNE die Kompensierung zu diskutieren, solange werden solche Vorschläge umgehend von allen Medien zerbröselt.
kristiansund 02.03.2019
5. 187.000.000.000 Euro Steuereinnahmen
... wenn man (ähnlich wie Benzin oder Diesel) 50 cent pro Liter Kerosin ansetzen würde. Natürlich letztlich weniger weil ja hoffentlich dann das heutige Volumen des Flugverkehrs (auf dem diese Zahlen ganz grob basieren) zurückgehen würde.
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