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Energiepolitischer Appell: Adidas, Commerzbank und Co. fordern strengere Klimagesetze

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Kohlekraftwerk nordöstlich von Cottbus: "Klimapolitik ambitioniert umsetzen" Zur Großansicht
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Kohlekraftwerk nordöstlich von Cottbus: "Klimapolitik ambitioniert umsetzen"

Der Klimagipfel wird als Erfolg gefeiert, doch vielen Konzernen reicht das nicht: Mehr als 30 Firmen fordern nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen verschärfte Gesetze in Deutschland und Europa. Dabei sind Adidas, die Commerzbank, Aldi Süd und EnBW.

Auf dem Klimagipfel von Paris wurden verbindliche Ziele für die Begrenzung des CO2-Ausstoßes festgelegt - nun fordert eine breite Front deutscher oder in Deutschland aktiver Unternehmen mehr Tempo beim Klimaschutz. 34 Konzerne haben sich zusammengetan und gemeinsam mit den Ökoverbänden Germanwatch sowie B.A.U.M. und der Stiftung 2° eine Art energiepolitischen Appell formuliert. Das Schriftstück liegt SPIEGEL ONLINE vor.

Die mehr als 190 Staaten der Uno-Klimakonferenz hatten am Sonntagabend eine Art Weltklimavertrag unterzeichnet. Der einstimmige Beschluss gilt - trotz aller diplomatischer Schlupflöcher - als historischer Schritt zur Begrenzung der globalen CO2-Emissionen. Er sieht vor, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen.

"Wir freuen uns, dass es in Paris gelungen ist, ein Erwärmungslimit von deutlich unter zwei Grad Celsius zu vereinbaren", heißt es in dem Appell der Unternehmen. "Wir werden unseren Beitrag dazu leisten."

Die Unterzeichner sehen in den Beschlüssen von Paris den Auftakt für eine globale Energiewende. In ihrem gemeinsamen Schreiben versprechen sie, diese "beginnende Trendwende als Vorreiter voranzubringen". Dafür erwarten sie "von der deutschen und europäischen Politik klare, langfristige und ambitionierte Rahmenbedingungen".

Konkret verlangen die Unternehmen - darunter Schwergewichte wie die Sportartikelhersteller Adidas Chart zeigen und Puma Chart zeigen, die Commerzbank Chart zeigen, die Lebensmittelgrößen Unilever Chart zeigen, Aldi Süd und Rewe, der Handelskonzern Otto sowie das Energieunternehmen EnBW - die Verschärfung gleich mehrerer zentraler Klima- und Energiegesetze. Unter anderem fordern sie folgendes:

  • In Deutschland solle der sogenannte Aktionsplan Klimaschutz nachgebessert werden. Die Regierung hatte diesen Ende 2014 verabschiedet, um ihr Klimaziel für 2020 noch erreichen zu können; die Republik soll ihren CO2-Ausstoß bis dahin gegenüber 1990 um 40 Prozent verringern. In dem Aktionsplan waren neue Einsparungen von Kohlendioxid festgelegt worden, zusätzlich hatte die Regierung kürzlich die Stilllegung alter Braunkohleblöcke beschlossen. Doch nach Ansicht von Regierungsberatern wird Deutschland trotz all dieser Maßnahmen seine Klimaziele noch immer reißen. Die Konzerne fordern nun einen noch ambitionierteren Aktionsplan Klimaschutz.
  • In Europa müsse der Handel mit CO2-Zertifikaten deutlich ambitionierter gestaltet werden, heißt es in dem Appell der Konzerne. Der Handel ist ein zentraler Baustein der EU-Klimapolitik. Stößt ein Unternehmen in Europa klimaschädliche Abgase aus, muss es dafür Zertifikate vorweisen. Diese muss es zuvor gekauft haben. Derzeit gibt es viel zu viele Zertifikate, der Preis ist entsprechend niedrig. Die EU will deshalb 1,5 Milliarden Zertifikate aus dem Markt nehmen. Den deutschen Konzernen reicht das nicht: Sie fordern, das Angebot ab 2021 weiter zu verknappen.
  • Zudem fordern die Konzerne einen schnelleren Fortschritt bei Europas Gesetzen zur Energieeffizienz. Nach Willen der EU-Kommission soll der Energieverbrauch in der EU bis 2030 im Vergleich zu 2007 um 30 Prozent sinken. Die Konzerne fordern nun ein Energieeinsparziel von minus 40 Prozent.

Die deutschen Unternehmen dürften aus unterschiedlichen Motiven bei dem Appell mitmachen. Einige, wie Puma oder die Otto-Group, engagieren sich schon lange in der Stiftung 2°, einer Unternehmerinitiative, die sich für die Begrenzung der durchschnittlichen globalen Erderwärmung auf zwei Grad einsetzt.

Andere, wie EnBW Chart zeigen, versuchen sich gerade als Energiewende-Konzerne neu zu erfinden und sind entsprechend an verlässlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen für die kommenden Jahrzehnte interessiert.

Wieder andere, wie die Commerzbank, beschäftigen sich zunehmend mit möglichen negativen Konsequenzen eines allzu heftigen Klimawandels für die Finanzmärkte. Alle Unterzeichner haben zudem ein gemeinsames Motiv: Sie wünschen sich möglichst viel Planungs- und Investitionssicherheit für die kommenden Jahrzehnte.

Es geht bei dem Schreiben der Unternehmen also stark um geschäftliche Interessen. Auch wenn die Konzerne selbst beteuern, wie wichtig ihnen "soziale Gerechtigkeit" sei.

Trotzdem ist der Appell ein positives Signal, steht er doch im deutlichen Gegensatz zu den Reaktionen der Industrieverbände BDI und DIHK, die die Beschlüsse von Paris eher kritisch sehen und die Bundesregierung auffordern, Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit nicht durch zu viel Klimaschutz zu gefährden.

Die Umweltorganisation Germanwatch wertet den Vorstoß der deutschen Firmen entsprechend positiv: "Wir freuen uns, dass so viele große Unternehmen Paris als Ansporn sehen", sagt ihr politischer Geschäftsführer Christoph Bals. Besonders positiv sei, dass unter den Unterzeichnern auch Konzerne seien, die die Umstellung auf CO2-freies Wirtschaften vor große Herausforderungen stellen werde. Gemeint sein dürften damit Firmen wie der Maschinenbauer Otto Fuchs oder das Kreuzfahrtunternehmen Aida, das vermutlich noch lange auf Schiffsdiesel setzen muss.


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insgesamt 64 Beiträge
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1. Adidas
charly05061945 14.12.2015
Ausgerechnet Adidas - soll das ein Witz sein? Eine Firma die seit Jahrzehnten des Profits wegen ihren Raasch unter miesesten Bedingungen in Fernost "zusammenschustern" lässt?
2. Leicht zu lösen
calexico55 14.12.2015
Adidas+Puma verzichten auf ihre Sweatshops in China, Aldi+Rewe importieren weniger Lebensmittel vom A. der Welt...
3.
Dirk-16 14.12.2015
Sieh an, sieh an...es sind zwar wohl grösstenteils geschäftliche Interessen, aber allein über das Aushängeschild kann man ja offenbar einen gewissen Imagedruck aufbauen für andere Firmen. Kaum anzunehmen, dass Aktiengellschaften eine allzu langfristige Sichtweise haben, das geht ja bei AGs per Definition nicht: immer Gewinn für das Fremdkapital ist das oberste Ziel. Aber zumindest bei der Energiebranche dürften die neuesten Entwicklungen die Investitionen entscheidend lenken - das gibt Hoffnung, dass die Wirtschaft das von sich aus beschleunigt: wer zuerst auf's richtige Pferd setzt ist vorne mit dabei.
4. Revolution von oben?
Tagebuchschreiber 14.12.2015
Es ist doch beschämend, dass der Druck von der Basis immer noch geringer ist als die Einsicht der Konzerne. Ist es nicht auch ein Versäumnis der Massenmedien, über den Klimawandel zu wenig informiert zu haben? Er ist noch nicht im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Dabei ist es doch höchste Zeit, dass die Menschen einsehen, dass die Zeit des sorglosen Zerstörens unserer Lebensgrundlage sich allmählich dem Ende zuneigt. Und das ist gut so.
5. Ich bin überhaupt nicht beeindruckt.
Wetterumschwung 14.12.2015
Mann, muss da Geld drin stecken. Alle wollen jetzt dran verdienen. Das Klima selber hat ja den Kommerz noch nie interessiert aber jetzt wurde wohl eine Art merkantile Grundakte dazu gezeichnet. Da kommen dann bald harte Bezahlzeiten auf Verbraucher aka Steuerzahler und Bürger zu. Denn eins ist klar, Adidas, Commerzbank und Co. werden selber nichts bezahlen, allenfalls Klimasubventionen abgreifen, die aus unseren Steuern finanziert werden und ansonsten nur dran verdienen. Ich bin daher überhaupt nicht beeindruckt.
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