Affront gegen Trump US-Behörden warnen vor schweren Schäden durch Erderhitzung

US-Präsident Trump leugnet den Klimawandel. Seine eigenen Behörden widerlegen ihn nun in einer tausendseitigen Studie - und zeigen auch die wirtschaftlichen Folgeschäden auf. Das Weiße Haus veröffentlichte das Papier kommentarlos.

Weißes Haus, West Wing
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Ein Bericht von US-Regierungsbehörden warnt vor schweren Schäden für die Vereinigten Staaten durch den Klimawandel. "Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnten die jährlichen Verluste in den Vereinigten Staaten durch den Klimawandel Hunderte Milliarden Dollar betragen", heißt es in dem Papier des National Climate Assessment (NCA), einem Vermittlungsgremium der US-Regierung.

Das Weiße Haus hat den mehr als tausendseitigen Bericht, an dem rund 300 Wissenschaftler sowie 13 US-Ministerien und -Behörden mitgearbeitet haben, am Freitag kommentarlos veröffentlichen lassen. Die Studie widerspricht in vielen Punkten Präsident Donald Trump, der die Forschung zum Klimawandel immer wieder angezweifelt hat.

In der Studie werden drastische Maßnahmen zur Verringerung von Kohlendioxidemissionen gefordert. Ansonsten drohe eine ganze Kette ökonomischer Folgen, hieß es. Von der Gesundheit über die Landwirtschaft und die Industrie bis hin zur Infrastruktur und der Energie- und Wasserversorgung seien alle Bereiche der amerikanischen Gesellschaft von einer globalen Erderhitzung betroffen.

  • Konkret sei zu erwarten, dass der Klimawandel Infrastruktur und Eigentum der USA beeinträchtigen und die Wachstumsrate der Wirtschaft hemmen werde.
  • Besonders die Küstengebiete der USA seien betroffen. Der Wert von Immobilien in solchen Gegenden werde sinken, wenn Sturmfluten zunehmen und die Meeresspiegel steigen.
  • Die globale Erderwärmung werde sich zudem vermehrt auf Handel und Wirtschaft der USA, einschließlich der Import- und Exportpreise, sowie auf Unternehmen mit internationalen Standorten und Lieferketten auswirken.
  • Bis zum Ende des Jahrhunderts dürften die wirtschaftlichen Verluste das Bruttoinlandsprodukt vieler US-Staaten übersteigen, hieß es.

Einige Folgen des Klimawandels wie extreme Wetterlagen seien bereits heute in den Vereinigten Staaten sichtbar, heißt es in dem Bericht weiter. Der Bezug zur vom Menschen verursachten Erderwärmung zeige sich immer deutlicher.

Widerspruch vom Präsidenten

Dass die NCA-Studie ausgerechnet am Schnäppchentag "Black Friday" veröffentlicht wurde, provozierte Kritik. Das Weiße Haus versuche, die Klimaforschung zu unterdrücken, sagte Andrew Light vom World Resources Institute, einer der vielen Co-Autoren des Berichts.

Eine Sprecherin von Präsident Donald Trump kritisierte den NCA-Bericht dagegen als ungenau: Er basiere weitgehend auf dem extremsten Szenario und lasse technische Innovationen außer Acht.

Trump steht mit der NCA schon länger auf Kriegsfuß. Einen Sonderbericht des Gremiums von 2017 hat der US-Präsident als Unsinn abgetan. Den Klimawandel hat Trump in der Vergangenheit wahlweise als Scherz oder als Erfindung der Chinesen bezeichnet. Im vergangenen Jahr hatte Trump den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen angekündigt.

Auch die sich zuletzt häufenden Naturkatastrophen in den USA hat Trump nie auf den Klimawandel bezogen. Nach verheerenden Waldbränden in Kalifornien suchte Trump die Schuld zum Beispiel im angeblich verfehlten Management der örtlichen Behörden.

Wissenschaftler sehen in dem NCA-Bericht eine deutliche Warnung. Es gebe "klare und zwingende Beweise" für einen beispiellos schnellen Anstieg der globalen Temperaturen, sagte David Easterling von der US-Meeresschutz- und Wetterbehörde NOAA. "Und dieser Trend zur Erwärmung kann nur durch menschliche Aktivitäten erklärt werden, besonders die Emission von Treibhausgasen in die Atmosphäre."

ssu/AFP/AP/Reuters

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KlausKreuter 24.11.2018
1. Nun mal langsam
Niemand, niemand der normale Ansichten hat wird den Klimawandel leugnen. Die Frage ist nur zu beantworten: kann der Mensch wirklich viel dazu tun um das zu verhindern oder wenigstens zu verlangsamen? Kennen wir wirklich die Zusammenhänge des Sonnensystems mit unserem Klima, ich glaube das ist die zentrale Frage.
Poli Tische 24.11.2018
2. Wer nicht hören will....
muß fühlen! Hurrikan, Tornados, Überschwemmungen, Dürre - gab es schon immer - aber in dem gehäuften Auftreten?? Alles nicht so schlimm, wenn man nicht selbst betroffen ist. Wer so an verantwortlicher Stelle denkt, ist entweder dumm oder ein Verbrecher - oder beides.
Biraso 24.11.2018
3. Forst Management
Ja. Ich mit einem ehemaligen Feuerwehrleiter im RheinMain gebiet gesprochen und er bestatigte, dass das Forst Management tatsächlich ausschlagebende ist, wie einfach bzw. Schwer ein solches Feuer wieder unter kontrolle gebracht werden kann. Somit hat der Präsident nicht unrecht mit seiner Aussage, da diese Gebiete tatsächlich probleme mit dem Forst Management haben. Die ursache der raschen Verbreitung ist also nicht der Klimawandel sondern ij dem Fall sehr wahrscheinlich das Forst Management. Das er aber den Menschengemachten Klimawandel leugnet ist dennoch völlig abwegig,absurd usw.
derspiegeldesspiegel 24.11.2018
4. Ahja
Und jetzt? Schöner Bericht. Aber Deutschland ist kein bisschen besser wie die USA. Wären die "bösen verrückten Ökos" nicht gewesen wäre ein Wald weg und RWE mit Kohle weiterhin sein Geld verdienen. TRUMP DOOF, DEUTSCHLAND NICHT KLÜGER!
Valis 24.11.2018
5. Sie Geschichte der Erde
In der Geschichte der Erde gab es immer wieder Kälte und Hitzeperioden. An der Theorie des Klimawandels mag nicht alles Falsch sein. Aber heutzutage wird jeder zu heisser Sommer und jeder zu kalter Winter medial auf den Klimawandel und auf die CO 2 Werte zurück geführt. Das ist Schwachsinn und unseriös!
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