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Neuer Bericht: Regierungsberater sehen deutsche Klimaziele in Gefahr

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Kohlekraftwerk: Maßnahmen zur CO2-Einsparung könnten nicht reichen Zur Großansicht
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Kohlekraftwerk: Maßnahmen zur CO2-Einsparung könnten nicht reichen

Dringliche Warnung vor dem Klimagipfel: Eine von der Regierung eingesetzte Expertenkommission hält Deutschlands Ziele zur Minderung des CO2-Ausstoßes für "erheblich gefährdet". Das Kabinett diskutiert den Bericht am Vormittag.

Die Bundesregierung erreicht kurz vor der Uno-Klimakonferenz eine dringende Warnung. Ein Stab von Beratern, der für sie jährlich die Fortschritte der Energiewende begutachtet, hält die deutschen Klimaziele für "erheblich gefährdet". Das geht aus dem Monitoringbericht "Energie der Zukunft", der am Vormittag im Kabinett besprochen wird und der SPIEGEL ONLINE vorab vorliegt.

Die Bundesregierung will den nationalen CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent absenken. Beim Weltklimagipfel, der am 30. November in Paris startet, will die Regierung mit ihrem Ziel als Vorreiter beim Klimaschutz auftreten - und den Gipfel positiv beeinflussen: 195 Staaten wollen bei der Konferenz eine Art Weltvertrag gegen den Klimawandel unterzeichnen.

Doch nun zweifelt die Expertenkommission der Regierung erheblich daran, dass sich die deutschen CO2-Ziele noch erreichen lassen, wenn nicht viel mehr unternommen wird, um den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids zu begrenzen. Zwar habe die Regierung dafür Maßnahmen ergriffen, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Bericht. Doch diese dürften "angesichts der Dimension der zur Zielerreichung noch notwendigen Reduktion und der verbleibenden Zeit bis 2020 nicht ausreichen", heißt es in einer Zusammenfassung zum Monitoringbericht.

Wie weit Deutschland hinter den eigenen Versprechen zurückbleibt, verdeutlicht eine Zahl: Um die Klimaziele zu schaffen, müssten die nationalen Treibhausgasemissionen bis 2020 jedes Jahr im Schnitt um gut drei Prozent sinken. Im vergangenen Jahr aber habe die Regierung nur eine Reduktion von 1,7 Prozent geschafft, heißt es im Monitoringbericht.

Der Regierung sei es "bisher nicht gelungen, für potenziell wirksame Instrumente wie die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung die notwendigen politischen Mehrheiten zu finden", monieren die Experten. Aus Sicht der Experten hätte dies "eine der wirksamsten Maßnahmen sein können".

Ein weiteres Rätsel sei, wie die angestrebte Reduktion von 22 Millionen Tonnen CO2 im Energiesektor zu schaffen sein soll. Um dieses Ziel zu erreichen, hatte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) kürzlich eine Art Abwrackprämie für Braunkohlemeiler beschlossen. Die Steuerzahler müssen nun gut 1,6 Milliarden Euro dafür zahlen, dass acht alte Braunkohleblöcke vom Netz gehen. Doch das spart nach Angaben der Regierung nur 12,5 Millionen Tonnen CO2. Hinzu kommen sollen gut vier Millionen Tonnen durch die Neufassung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes. Wo die übrigen 5,5 Millionen Tonnen herkommen sollen, ist unklar.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 186 Beiträge
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1. Da wird sich...
Gerüchtsvollzieher 18.11.2015
schon irgendeine tolle Maßnahme finden, damit die deutsche "Klima-Rettungs"-Statistik stimmt, wie wäre es denn mit noch mehr schwachsinniger Wärmedämmung? Ist aber eigentlich egal, der Bürger/SteuerzahlerAutofahrer/Stromverbraucher wird den unsinnigen Zwei-Grad-Ziel-Schwachsinn wieder finanzieren müssen!
2. Reduktion? der C02 Ausstoß steigt und fällt nicht
Fricklerzzz 18.11.2015
Energiesparen ist gut, aber da der Energieverbrauch direkt mit der Verbrauchsgüterproduktion verbunden ist wird der C02 Ausstoß steigen nicht fallen, denn Wirtschaftswachstum brauchen alle. Die Auslagerung ernergieintensiver Industrien in Schwellenländer senkt nicht den Energieverbrauch es erhöht ihn durch den Transport und CO2 kennt keine Grenzen. Das ganze Konstrukt ist sinnlos solange die Weltbevölkerung nicht sinkt. Die wird aber einen grossen Satz nach oben machen, da China seine 1 Kindpolitik abgeschafft hat. Daher ist das Ergebnis der nächsten Klimakonferrenz jetzt schon klar. Ich frage mich wozu diese Augenwischerei gut sein soll. Fricklerzzz
3. Wir hatten in Deutschland zahlreiche Kraftwerke...
eisbärchen_123 18.11.2015
...welche keine CO2-Emissionen verursachten. Mit denen hätte Deutschland die Klimaziele tatsächlich erreichen können. Aber unsere Fähnchen-im-Wind Kanzlerin hat ja in einer Nacht und Nebel-Aktion dafür gesorgt, dass diese abgeschaltet werden müssen.
4.
marthaimschnee 18.11.2015
Solange wir Unternehmen dafür entschädigen müssen, daß sie die Umwelt nicht mehr verpesten und Ressourcen verschwenden, solange sind diese Ziele völlig nutzlos. Aber was will man erwarten, wenn man von Wirtschaftsvertretern regiert wird.
5.
Delago 18.11.2015
Gute Wortwahl! Ich würde COP21 auch ganz streichen. Das IPCC und diverse Forschungsinstitute, die ihr Dasein damit fristen, immer neue Horrorszenarien mit immer tolleren Modellen zu "berechnen", würde ich auch auflösen. Ja, es gibt den Treibhauseffekt. Aber die damit verbundenen Feedbacks werden beharrlich weit übertrieben (laut AR5 2,5 bis 4 Grad Temperaturerhöhung bei Verdopplung des CO2-Gehalts), obwohl aktuelle Forschungsergebnisse zu weit niedrigeren Werten kommen. Aber es geht ja auch um viel Geld. Daher ist mein Wunsch reines Wunschdenken.
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