Wirtschaft


Tarifabschluss: Klinikärzte setzen Gehaltserhöhung durch

Proteste der Klinikärzte im Februar: Leistung lohnt sich jetzt um 2,6 Prozent mehrZur Großansicht
DPA

Proteste der Klinikärzte im Februar: Leistung lohnt sich jetzt um 2,6 Prozent mehr

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund und die kommunalen Arbeitgeber haben sich auf einen Tarifabschluss geeinigt: Die 50.000 Ärzte an städtischen Kliniken bekommen rückwirkend zum 1. Januar 2,6 Prozent mehr Geld, eine weitere Erhöhung der Bezüge um 2 Prozent wird im kommenden Jahr fällig.

Düsseldorf - Nach drei Tagen Verhandlungen haben sich Ärzte und Klinikbetreiber auf einen Tarifabschluss geeinigt: Die bundesweit gut 50.000 Ärzte an städtischen Kliniken bekommen in diesem Jahr rückwirkend zum 1. Januar 2,6 Prozent mehr Geld. 2014 folgt eine weitere Erhöhung der Bezüge um 2 Prozent. Darauf einigten sich die Ärztegewerkschaft Marburger Bund und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) nach fast dreitägigen Verhandlungen am Mittwoch in Düsseldorf. Außerdem gibt es Verbesserungen bei den Bereitschaftsdiensten, die die Gewerkschaft mit weiteren 0,6 Prozent Vergütungszuwachs bewertete.

Der Marburger Bund sprach von einem "akzeptablen Ergebnis, das keine Jubelstimmung auslösen wird". Der Arbeitgeberverband wiederum erklärte, mit dem Abschluss nähmen die Ärzte an der allgemeinen Lohnentwicklung teil, obwohl die derzeitige Krankenhausfinanzierung eigentlich keinen Raum für Lohnerhöhungen lasse. Der Kompromiss sei aber vertretbar, zumal die Krankenhäuser über die 23 Monate Laufzeit Planungssicherheit hätten.

Die VKA beziffert die Zusatzbelastung der Häuser auf rund 400 Millionen Euro. Grundlegende Verbesserungen bei der Finanzausstattung der Krankenhäuser seien weiter dringend erforderlich, sagte VKA-Verhandlungsführer Joachim Finklenburg.

Der Marburger Bund hatte ursprünglich sechs Prozent mehr Gehalt und eine deutliche Verringerung der wöchentlichen Höchstarbeitszeitgrenze gefordert. Der Tarifabschluss sieht nun 58 statt 60 Stunden pro Woche vor. Eine stärkere Verringerung hätten die Arbeitgeber verweigert, sagte der Verhandlungsführer des Marburger Bundes, Rolf Lübke. Der Abschluss gilt bundesweit mit Ausnahme von Berlin und Hamburg für mehr als 500 kommunale Krankenhäuser und läuft bis Ende November 2014.

nck/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
es ändert aber nichts an den Zuständen in den Krankenhäusern. Das DRG-System sollte Einsparungen bringen, brachte aber vor allem Verwaltungsaufwand, der zusätzlich aus dem gedeckelten Budget finanziert wird. Zusätzliche [...]
es ändert aber nichts an den Zuständen in den Krankenhäusern. Das DRG-System sollte Einsparungen bringen, brachte aber vor allem Verwaltungsaufwand, der zusätzlich aus dem gedeckelten Budget finanziert wird. Zusätzliche Ärztestellen sollten Qualität bringen, aber zusätzliche Dokumentation und Verwaltungsaufgaben fressen die gewonnene Arbeitszeit wieder auf. Die Tariferfolge der streikbereiten Ärzteschaft wurden bereits bei den letzten Tarifabschlüssen (deutlich übrigens über den Abschlüssen der anderen Krankenhaus-Bediensteten) nicht von den Krankenkassen gegenfinanziert. Synergieeffekte und organisatorische Optimierung ist oft am Limit des Möglichen. Das Ganze ist ein Nullsummenspiel, das aktuell vor allem auf Kosten der Pflegekräfte geht. Hier sind Stellen reduziert worden - und zwar ordentlich! Wo früher über ganzheitliche Pflege philosophiert wurde, wird heute eher überlegt, welche Tätigkeiten man unter den Tisch fallen lassen kann, wie man Zeitbedarf für wichtige Tätigkeiten reduziert, welche Pflegefälle denn unbedingt gewaschen werden müssen. Dass Kostenreduktion qualitätsneutral realisiert werden kann, würden nur Narren glauben ... aber über Krankheit und Tod will sich kein Nichtbetroffener gedanken machen ... Krankenschwestern und Totengräber, da macht man sich keine Gedanken, das schiebt man weg. Das vielbeschworene Vertrauen in Pflegekräfte, die gesellschaftliche Anerkennung ... zunehmend empfinden Pflegekräfte diese appellative Heuchelei als Kränkung. Anerkennung bedeutet faire Entlohnung für eine stark belastende Tätigkeit und ausreichend Personal, damit man seine Arbeit zufriedenstellend erledigen kann. Akkordpflege erzeugt Unsicherheit, schlechtes Gewissen ob der reduzierten Qualität und eine ständige Angst etwas Wichtiges übersehen oder vergessen zu haben. Viele reduzieren ihre Arbeitszeit, weil sie mit 100% ihrer Arbeitskraft den Belastungen des Vollzeitsjobs nicht mehr standhalten. Das ist de facto eine Gehaltsreduktion auf Umwegen. Der absehbare Pflegenotstand ist nicht mit einer gesteigerten Ausbildungsrate und mit dem Import von Pflegekräften aus dem Ausland behebbar. Die Berufsflucht muss gestoppt werden ... und zwar durch faire Bezahlung und Arbeitsbedingungen, die es erlauben im Beruf zu Bleiben - und zwar bis zur Berentung! Die beliebte Ärztefixierung des Gesundheitswesens hat Tradition, aber es wird Zeit, den Blick zu senken: Auf die niederen Chargen in der Hierarchie, denn die tragen das System und die haben allmählich keine Lust mehr!
es ändert aber nichts an den Zuständen in den Krankenhäusern. Das DRG-System sollte Einsparungen bringen, brachte aber vor allem Verwaltungsaufwand, der zusätzlich aus dem gedeckelten Budget finanziert wird. Zusätzliche [...]
es ändert aber nichts an den Zuständen in den Krankenhäusern. Das DRG-System sollte Einsparungen bringen, brachte aber vor allem Verwaltungsaufwand, der zusätzlich aus dem gedeckelten Budget finanziert wird. Zusätzliche Ärztestellen sollten Qualität bringen, aber zusätzliche Dokumentation und Verwaltungsaufgaben fressen die gewonnene Arbeitszeit wieder auf. Die Tariferfolge der streikbereiten Ärzteschaft wurden bereits bei den letzten Tarifabschlüssen (deutlich übrigens über den Abschlüssen der anderen Krankenhaus-Bediensteten) nicht von den Krankenkassen gegenfinanziert. Synergieeffekte und organisatorische Optimierung ist oft am Limit des Möglichen. Das Ganze ist ein Nullsummenspiel, das aktuell vor allem auf Kosten der Pflegekräfte geht. Hier sind Stellen reduziert worden - und zwar ordentlich! Wo früher über ganzheitliche Pflege philosophiert wurde, wird heute eher überlegt, welche Tätigkeiten man unter den Tisch fallen lassen kann, wie man Zeitbedarf für wichtige Tätigkeiten reduziert, welche Pflegefälle denn unbedingt gewaschen werden müssen. Dass Kostenreduktion qualitätsneutral realisiert werden kann, würden nur Narren glauben ... aber über Krankheit und Tod will sich kein Nichtbetroffener gedanken machen ... Krankenschwestern und Totengräber, da macht man sich keine Gedanken, das schiebt man weg. Das vielbeschworene Vertrauen in Pflegekräfte, die gesellschaftliche Anerkennung ... zunehmend empfinden Pflegekräfte diese appellative Heuchelei als Kränkung. Anerkennung bedeutet faire Entlohnung für eine stark belastende Tätigkeit und ausreichend Personal, damit man seine Arbeit zufriedenstellend erledigen kann. Akkordpflege erzeugt Unsicherheit, schlechtes Gewissen ob der reduzierten Qualität und eine ständige Angst etwas Wichtiges übersehen oder vergessen zu haben. Viele reduzieren ihre Arbeitszeit, weil sie mit 100% ihrer Arbeitskraft den Belastungen des Vollzeitsjobs nicht mehr standhalten. Das ist de facto eine Gehaltsreduktion auf Umwegen. Der absehbare Pflegenotstand ist nicht mit einer gesteigerten Ausbildungsrate und mit dem Import von Pflegekräften aus dem Ausland behebbar. Die Berufsflucht muss gestoppt werden ... und zwar durch faire Bezahlung und Arbeitsbedingungen, die es erlauben im Beruf zu Bleiben - und zwar bis zur Berentung! Die beliebte Ärztefixierung des Gesundheitswesens hat Tradition, aber es wird Zeit, den Blick zu senken: Auf die niederen Chargen in der Hierarchie, denn die tragen das System und die haben allmählich keine Lust mehr!
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  • Mittwoch, 06.03.2013 – 17:26 Uhr
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Chronologie der Gesundheitsreformen
Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.

Ausgewählte Tariferhöhungen im ersten Halbjahr 2012
Abschluss Tarifbereich Ergebnis
Mai/Juni 2012 Kraftfahrzeughandel, Baden-Württemberg 4,0 % ab 01.06.2012, (plus 0,6 % ab 01.01.2012 aus vorherigem Tarifvertrag),
Hessen 3,8 % ab 01.06.2012, (plus 0,6 % ab 01.02.2012 aus vorherigem Tarifvertrag)
Mai 2012 Hotel- und Gaststättengewerbe Bremen 4,1 % ab 01.04.2012
Mai 2012 Chemische Industrie 4,5 % ab 01.07.2012, Beginn des Tarifvertrags regional abweichend
Mai 2012 Metall- und Elektroindustrie 4,3 % ab 01.05.2012
März 2012 Öffentlicher Dienst Bund und Gemeinden TVöD 3,5 % ab 01.03.2012, 1,4 % ab 01.01.2013, 1,4 % ab 01.08.2013
März 2012 Medizinische Fachangestellte/ Arzthelferinnen 2,9 % ab 01.04.2012
Januar–März 2012 Elektrohandwerk, Baden-Württemberg, Schleswig Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Bremen 4,0 % ab 01.04.2012, 3,5 % ab 01.05.2012, 3,0 % ab 01.02.2012
Januar 2012 Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte) 2,9 % ab 01.01.2012
Januar 2012 Schuhindustrie 3,3 % ab 01.01.2012
April 2011 Transport- und Verkehrsgewerbe Rheinland-Pfalz 2,1 % ab 01.04.2012
Juni–August 2011 Einzelhandel 2,0 % ab 01.06.2012, Beginn des Tariferhöhung regional abweichend
Juni–August 2011 Groß- und Außenhandel 2,4 % ab 01.04.2012, Beginn des Tariferhöhung regional abweichend
April 2011 Baugewerbe, West 2,3 % ab 01.06.2012
März 2011 Öffentlicher Dienst der Länder TV-L 1,9 % plus 17 Euro ab 01.01.2012
März 2011 Textilindustrie, Ost 2,3 % ab 01.04.2012
2010 Papier, Pappe und Kunststoff verarbeitende Industrie 1,3 % ab 01.03.2012
Quelle: Statistisches Bundesamt





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