Trotz Pflegemangels Kliniken lassen Fördergelder in Millionenhöhe ungenutzt

Die Krankenkassen unterstützen Krankenhäuser mit Fördergeldern, damit sie mehr Pflegestellen schaffen. Doch die Kliniken nutzen die Mittel nur etwa zur Hälfte.

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Trotz Pflegemangels an Krankenhäusern nutzen die Kliniken eine millionenschwere Förderung für neue Schwestern und Pflegern nur etwa zur Hälfte. Ein Bericht des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung zufolge wurden 2016 und 2017 nur 157 Millionen Euro in Anspruch genommen, obwohl rund 300 Millionen Euro zur Verfügung gestanden hätten.

Krankenhäuser können die Fördergelder für 2017 auch noch im laufenden Jahr abrufen. Bis 2018 belaufen sich die Fördermittel insgesamt auf bis zu 660 Millionen Euro.

Das Förderprogramm wurde 2015 vom damaligen Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) beschlossen. "Wir sorgen für mehr Pflegepersonal am Krankenbett", sagte Gröhe damals.

Nach Angaben des Kassenverbandes diente das Geld, das 2017 an die Kliniken geflossen ist, dem Aufbau von mehr als 2000 zusätzlichen Pflegestellen. Ob die Stellen mit dem Geld wirklich entstanden seien, könne aber erst bestätigt werden, wenn die Krankenhäuser ihren von Wirtschaftsprüfern abgenommenen Jahresabschluss vorlegen.

Bereits von 2009 bis 2011 hatte der Gesetzgeber die gesetzlichen Kassen verpflichtet, den Aufbau von Pflegestellen in Krankenhäusern finanziell zu unterstützen. Damals profitierten rund 1100 Krankenhäuser von rund 1,1 Milliarden Euro. Sie schufen 15.300 Stellen für Pflegekräfte.

Video: Pflegenotstand in Deutschland - Wer betreut Sie?

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hej/AFP



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Mr Gaga 26.07.2018
1. Man kann das Geld
nur ausgeben, wenn auch Menschen eingestellt werden können, denen es gezahlt werden kann. Der Arbeitsmarkt für Pflegekräfte ist aber leergefegt. Ohne Einwanderer/Einwanderinnen wird das System in seiner jetzigen Form nicht mehr lange funktionieren.
frenchie3 26.07.2018
2. Kann man auch optimistisch sehen
Es ist im Gesamten alles nur halb so wild. Oder Abzocker haben den Geldtopf noch nicht ausgemacht oder noch keine Abzweigwege gefunden. Scherz beiseite, das klingt nun wirklich merkwürzig daß Hilfsgelder nicht wenigstens illegal abgezweigt wurden, oder?
bienchen631 26.07.2018
3. Verlogen
Der Grund für den Pflegekräftemangel ist allem die katastrophale Bezahlung. Als zweites die geringe gesellschaftliche Wertschätzung und schlussendlich die kaum vorhandenen Aufstiegschancen. Daher will den Job einfach keiner machen. Spriicc, die Kliniken finden keine Leute.
diplpig 26.07.2018
4. Qualifizierte Kräfte wachsen nicht auf den Bäumen
Erstens wird der Beruf systematisch schlecht geredet, inklusive der Unkenntnis über die wahre Lohnhöhe im Krankenhaussektor, zweitens dauert es halt bis Maßnahmen der Rekrutierung von Auszubildenden greifen, drittens ist die Branche ja nicht die einzige die Fachkräftemangel hat, es gibt also Konkurrenzdruck, viertens ist die Integration auch von europäischen Ausländern wegen der Sprachproblematik nicht ganz einfach, fünftens ist eine qualifizierte Pflege kein Beruf, den man mal in einem Wochenkurs eine Asylbewerber aus irgendwo beibringen kann und sechstens nützen Pflegehilfkräfte (nicht examinierte) auch dort nicht, wo der Gesetzgeber jetzt mit Personaluntergrenzen kommt. Die kann man zwar gesetzlich vorschreiben, aber wo es keine Mitarbeiter gibt wird auch keine Pflege geben - im Zweifelsfall werden die Patienten abgewiesen oder werden schlechter versorgt.
louisa_mumm 26.07.2018
5. Märchen
Diese ewige Mär von wegen es gibt keine Arbeitskräfte.... Gibt es - in Zeitarbeit, zu Hause bei den Kindern oder in der freien Wirtschaft. Die Krankenhaustätigkeit ist zu unattraktiv, um Personal binden zu können. Flexiblere Arbeitszeiten, keine Nachtdienste ab 50, besserer Verdienst - und einige kämen zurück. Ausländische Arbeitskräfte sind keine Lösung! Durch sie ergeben sich zahlreiche Probleme - hauptsächlich hinsichtlich der Kommunikation. Ich erlebe es täglich! Das ist Patientengefährdung Par excellence!
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