Teure Krankenversorgung: Chefarztverträge gefährden Ihre Gesundheit 

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Operieren für den Bonus: Chefärzte werden immer öfter leistungsabhängig bezahlt. Krankenhäuser zahlen üppige Gehaltszulagen, wenn die Zahl lukrativer Behandlungen steigt. Für den Patienten wächst das Risiko unnötiger Eingriffe.

Arzt im Operationssaal: Moralische Grundsätze werden auf die Probe gestellt Zur Großansicht
dapd

Arzt im Operationssaal: Moralische Grundsätze werden auf die Probe gestellt

Hamburg - Karl Lauterbach ist ein leidenschaftlicher Kampfsportler. Das ist nicht unbedingt ein altersgemäßer Sport für einen 49-Jährigen, wie der SPD-Politiker zugibt. Prompt zog sich Lauterbach vor einigen Wochen einen Bandscheibenvorfall zu. Bei der Behandlung kam ihm dann aber ein besonderes Privileg zugute: Lauterbach kennt sich als Arzt selbst aus und weiß auch, welchen Kollegen er vertrauen kann.

"Die Spezialisten haben mir dann geraten, das konventionell behandeln zu lassen - also ohne Operation." Ein Rat, den ein normaler Patient vielleicht nicht erhalten hätte. Denn Lauterbach ist privat versichert. Eine Operation würde dem Krankenhaus viel Geld bringen. Bei einer künstlichen Bandscheibe kommen im Einzelfall bis zu 25.000 Euro zusammen. Die konventionelle Behandlung bringt dagegen kaum etwas ein. Doch mittlerweile ist Lauterbach schon wieder fit.

Laut einer Studie der Unternehmensberatung Kienbaum werden inzwischen fast die Hälfte der neuen Chefarztverträge um Boni-Vereinbarungen ergänzt. Das heißt konkret: Wenn ein Chefarzt ein bestimmtes Ziel erreicht, bekommt er von seinem Krankenhaus einen üppigen Zuschlag zu seinem Gehalt. Fast immer sehen die Ziele eine Steigerung vor - zehn Prozent mehr künstliche Kniegelenke, 50 Hüften mehr, fünf Prozent mehr Geburten.

Die Gefahr: Die Kliniken schaffen einen Anreiz für die Ärzte, auch medizinisch unnötige oder fragwürdige Behandlungen vorzunehmen. Der wachsende wirtschaftliche Druck stellt die moralischen Grundsätze der Mediziner auf eine harte Probe. Behandeln sie den Patienten immer auf die bestmöglichste Weise? Oder wählen sie auch mal die Variante, die für das Krankenhaus - und damit auch ihren eigenen Geldbeutel - am lukrativsten ist?

Alle Ärzte, mit denen SPIEGEL ONLINE gesprochen hat, weisen darauf hin, dass die Mediziner sich dieser Gefahr bewusst sind. Bis auf ganz wenige Ausnahmen würden sie nie bewusst Entscheidungen treffen, die für den Patienten von Nachteil wären. Doch die Gesprächspartner geben auch zu, dass da eine große Grauzone entstanden sei. Ein einfaches Beispiel ist der Armbruch: Ärzte können eine gebrochene Speiche richten und eingipsen. Sie können aber auch operieren - und den Knochen mit Metallplatten und Schrauben fixieren. Die Operation bringt mehr Geld. Doch für den Patienten wäre der Gips die unkompliziertere und nicht unbedingt schlechtere Wahl.

Gravierender wird es bei künstlichen Implantaten. Mal angenommen, ein Chefarzt bekommt ab dem 100. Hüftgelenk eine Sonderprämie. Will man da wirklich der 99. Patient sein? Kann man sich sicher sein, dass der Arzt eine rein medizinische Diagnose trifft?

Kassen kritisieren Anstieg der Behandlungen

Zu den Gefahren für Patienten kommen die Kosten. Die Zuwächse gerade bei den besonders teuren Behandlungen zahlen die Versicherten über ihre Beiträge. Ein Gutachten im Auftrag der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) ergab, dass nur ein Teil der ständigen Zunahme an Operationen mit der demografischen Entwicklung und dem medizinischen Fortschritt zu erklären ist. "Offenbar erbringen Krankenhäuser einen Teil der zusätzlichen Leistungen allein aus ökonomischen Gründen", kritisierte der GKV-Spitzenverband.

Die Ärzte sehen die Schuld bei den Klinikbetreibern. "Das unternehmerische Risiko wird immer stärker auf die Mediziner verlagert", kritisiert Rudolf Henke, Chef der Ärztegewerkschaft Marburger Bund. "Die Boni schaffen falsche Anreize und gefährden die Patientenversorgung. Wir fordern deshalb von den Kliniken, auf solche Zielvereinbarungen zu verzichten."

Doch damit ist nicht zu rechnen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft empfiehlt ihren Mitgliedern in einem Mustervertrag für Chefärzte sogar explizit die Aufnahme einer Boni-Klausel. In Paragraf 8 Absatz 3 heißt es dort unter anderem:

"Gegenstände der Zielvereinbarungen können insbesondere sein:

  • Zielgrößen für Sach- und Personalkosten seiner Abteilungen
  • Zielgrößen für Leistungen nach Art und Menge
  • Einführung neuer Behandlungsmethoden
  • Maßnahmen und Ergebnisse der Qualitätssicherung
  • Inanspruchnahme nichtärztlicher Wahlleistungen."

Marburger Bund, Bundesärztekammer und der Chefarztverband kritisieren diesen Mustervertrag in einer gemeinsamen Stellungnahme. Er sei "geprägt durch eine ökonomische Dominanz" und lasse medizinische Gründe für das Handeln von Ärzten "zunehmend in den Hintergrund treten. Neben den "Zielgrößen für Leistungen" lehnen die Ärzteverbände auch den Punkt der "nichtärztlichen Wahlleistungen" ab. Ein solches Ziel mache den Chefarzt "zum Verkäufer von Telefon- und Fernsehanschlüssen sowie von Einzelzimmern".

Natürlich ist es generell sinnvoll, Ärzte zum vernünftigen Wirtschaften anzuhalten. So steigt unter anderem die Effektivität. Problematisch wird es jedoch, wenn medizinisch Notwendiges unterbleibt - oder unnötige Behandlungen durchgeführt werden. Dadurch steigen die Kosten für das Gesundheitssystem schließlich auch.

"Schmerzhaft, wenn Ziele nicht erreicht werden"

Der Rechtsanwalt Norbert H. Müller prüft jedes Jahr Dutzende Arbeitsverträge von Chefärzten. Seiner Erfahrung nach machen Boni mittlerweile oft mehr als 20 Prozent der Vergütung aus. "Für viele wird es da schon schmerzhaft, wenn sie die Ziele nicht erreichen." Ein Chefarzt verdient je nach Größe seiner Klinik und seines Bereichs zwischen 150.000 und 450.000 Euro.

Müller sagt, er wolle "keinen Klassenkampf machen", der Anwalt von der Kanzlei Klostermann & Partner aus Bochum vertritt auch Kliniken. Dennoch sieht er die Entwicklung mit Sorge. "Die Ziele werden ja jedes Jahr neu definiert. Da gibt es in den ersten Jahren dann durchaus Bereiche, wo sich die Effizienz steigern lässt. Aber danach? Da wächst der Druck auf die Ärzte, auch ethisch fragwürdige Entscheidungen zu treffen."

Aufhalten lässt sich die Entwicklung nicht so einfach. Jedes Krankenhaus kämpft um seine Existenz - und nutzt die Möglichkeiten, die das System bietet. SPD-Politiker Lauterbach fordert, die Zahl der Kliniken müsse deutlich sinken. Zumindest dürften bestimmte Behandlungen nur noch in deutlich weniger Krankenhäusern angeboten werden. "Es macht keinen Sinn, dass in einer Kleinstadt zum Beispiel vier Kliniken Prostatabehandlung machen", sagt Lauterbach. "Nur weil es für die Häuser lukrativ ist." Eine Konzentration werde dazu führen, dass auch der ständige Anstieg von Behandlungen abnehme.

Der Marburger Bund hat einen anderen Vorschlag. Wenn schon Boni, dann sollten sie für die Steigerung der Qualität gezahlt werden. Zum Beispiel, wenn die Zahl der Komplikationen nach Operationen sinkt. Oder wenn die Zufriedenheit der Mitarbeiter beziehungsweise der Patienten steigt. "Das wäre wirtschaftlich auch sinnvoller, als sich nach einer reinen Mengenideologie zu richten", sagt der Gewerkschaftschef Henke.

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1.
taubenvergifter 16.07.2012
Zitat von sysopdapdOperieren für den Bonus: Chefärzten werden immer öfter leistungsabhängig bezahlt. Krankenhäuser zahlen üppige Gehaltszulagen, wenn die Zahl lukrativer Behandlungen steigt. Für den Patienten wächst das Risiko unnötiger Eingriffe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,844265,00.html
Logische Konsequenz, wenn Karrieristen, die ihr BWL-Studium mit Fallbeispielen im Konsumgüterbereich verbringen am Ende mit kranken Menschen arbeiten müssen. Nur kollabiert hier am Ende nicht das Fließband sondern der Patient. BWLer an die Schaltstellen in Krankenhäusern... guuute Idee...
2. -
Reiner_Habitus 16.07.2012
Zitat von sysopdapdOperieren für den Bonus: Chefärzten werden immer öfter leistungsabhängig bezahlt. Krankenhäuser zahlen üppige Gehaltszulagen, wenn die Zahl lukrativer Behandlungen steigt. Für den Patienten wächst das Risiko unnötiger Eingriffe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,844265,00.html
Wahr schohn vor 13 Jahren so. Während meiner Zivizeit im Aufwachraum eines Vorortkrankenhauses gab es einen Chefanästhesisten, der hat es mit seinen Privatpatienten wie folgt gehandhabt: Die Narkoseinleitung übernahm er stets persönlich. Dann stellte er während der OP seinen Arzt im Praktikum hin und rannte zur nächsten Einleitung. Dort schüttelte er wieder vor dem einschlafen die Hände und blieb ne Weile vor Ort. Ging der Pieper, wurden die Plätze mit dem AIP-ler getauscht und Cheffe stand deus ex Machina vor dem Patienten der schon langsam erwachte. Dieses Bäumchen Wechsel dich machte er den ganzen Tag, selbstverständlich ohne das der AIPler gegenüber dem Patienenten oder gar auf dem Narkosebogen in Erscheinung trat. So konnte dieses clevere Kerlchen bei einem acht Stunden OP-Tag locker 13-15 Stunden privat abrechnen und alle im Krankenhaus hats gefreut. Nun die Patienten und Versicherungen dürften darüber falls er es bis heute noch immer so abzieht not amused sein......
3. Wenn man gesund bleiben will
earl grey 16.07.2012
Gerade als Privatversicherter ist es unheimlich schwer, einen korrekten Arzt zu finden, der nicht Geld schinden will. Das geht soweit, das z.B. auch notwendige und heilende Eingriffe verweigert werden (bringt nichts, zu gefährlich etc.), weil man mit einem gesunden Patienten kein Geld verdienen kann - selber gerade erlebt. Oder man bekommt völlig sinnlose Behandlungen angeboten, nur um Geld zu machen - manchmal grenzt das schon an versuchte Körperverletzung. Ich bevorzuge als Privatpatient Ärzte, die mich z.B. bei Terminvergabe nicht bevorzugen, wo ich im Wartezimmer wie alle anderen warten muss; mit solchen Ärzten habe ich die besten Erfahrunge gemacht. Da gibt es keine Geldschneiderei, sondern korrekte Behandlung. Ansonsten gilt immer noch die alte Weisheit: Wenn man gesund bleiben will, sollte man sich von Ärzten fernhalten...
4. Ist doch ein netter Service
didelido 16.07.2012
wenn man bei operativer Entfernung eines Abszesses in der Leistengegend auch noch gleich den Blinddarm entfernt bekommt. So geschah es bei einem Bekannten von mir - der natürlich privat versichert ist. Er empfand das als tollen Service. Bei unserer vorherrschenden Ärztehörigkeit haben die Ärzte doch leichtes Spiel. Tierärzte sind da übrigens keinen Deut besser!
5.
munkelt 16.07.2012
Zitat von sysopdapdOperieren für den Bonus: Chefärzten werden immer öfter leistungsabhängig bezahlt. Krankenhäuser zahlen üppige Gehaltszulagen, wenn die Zahl lukrativer Behandlungen steigt. Für den Patienten wächst das Risiko unnötiger Eingriffe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,844265,00.html
Die Lösung für das Bonus-System steht ja schon im Artikel: ..."Der Marburger Bund hat einen anderen Vorschlag. Wenn schon Boni, dann sollten sie für die Steigerung der Qualität gezahlt werden. Zum Beispiel, wenn die Zahl der Komplikationen nach Operationen sinkt. Oder wenn die Zufriedenheit der Mitarbeiter beziehungsweise der Patienten steigt. "Das wäre wirtschaftlich auch sinnvoller, als sich nach dieser reinen Mengenideologie zu richten", sagt der Gewerkschaftschef Henke"... Sehr guter Vorschlag.
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Die bisherigen Gesundheitsreformen
1977: Die Kürzungen beginnen
Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.
1983: Auch die Rentner müssen zahlen
Mit zwei Reformen zu Beginn der achtziger Jahre werden die Zuzahlungen durch die Versicherten erhöht. Auch für die Rentner sind die rosigen Zeiten vorbei. Konnten sie sich zuvor kostenlos versichern, müssen sie seit 1983 auch einen einkommensabhängigen Beitrag leisten.
1989: Der erste Rundumschlag
Mit dem "Gesundheitsreformgesetz" von Norbert Blüm geht es ans Eingemachte: Die Eigenbeteiligung der Patienten wird weiter erhöht - etwa bei Arzneimitteln, im Krankenhaus und beim Zahnersatz. Erstmals unternimmt die Regierung auch den Versuch, die Kosten für Medikamente mit radikalen Maßnahmen in den Griff zu bekommen, indem sie Bagatallmedikamente aus dem Leistungskatalog streicht und Festbeträge für Arzneimittel einführt. Seither zahlen die Kassen nicht mehr automatisch jeden Preis für Tabletten und Co., sondern nur noch einen Höchstbetrag. Verschreibt der Arzt ein teureres Mittel, muss der Patient die Differenz zahlen. Trotz dieses Rundumschlags an Kosteneinsparungen sind die Beiträge jedoch nur für kurze Zeit stabil.
1993: Die Leistungen werden budgetiert
Gesundheitsminister Horst Seehofer verfolgt mit dem "Gesundheitsstrukturgesetz" 1993 erneut das Ziel, die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen in den Griff zu bekommen. Um den Anstieg der Leistungsausgaben besser zu kontrollieren, werden sie für einen begrenzten Zeitraum budgetiert. Gleichzeitig erhöht die Regierung erneut die Selbstbeteiligung bei Arznei- und Verbandsmitteln. Das Projekt einer Positivliste, die alle erstattungsfähigen Medikamente benennt, scheitert allerdings. Auch deshalb wird das Reformziel stabiler Beiträge erneut nur für wenige Jahre erreicht.
1997: Zahnersatz bitte selbst zahlen
Die "GKV-Neuordnungsgesetze" stehen ebenfalls in der Tradition ihrer Vorgängerinnen: Patienten müssen sich an den Kosten für Arznei- und Heilmittel, Krankenhaushaufenthalte und Fahrten etwa vom Krankenhaus noch stärker beteiligen. Jüngere Jahrgänge bekommen außerdem geringere Kassenzuschüsse beim Zahnersatz.
1999: Rot-Grün wagt den Leistungsausbau
Mit dem "Solidaritätsstärkungsgesetz" bringt erstmals seit rund zwei Jahrzehnten eine Gesundheitsreform wieder ein Mehr an Leistungen. So werden unter anderem die Zuzahlungen für die Patienten gesenkt. Gleichzeitig führt die rot-grüne Koalition aber zur Begrenzung des Ausgabenwachstums erneut Budgets für Arzthonorare, Krankenhäuser und Arzneimittel ein.
2004: SPD und Union bitten zur Kasse
Nachdem die rot-grüne Regierung in den Folgejahren ebenfalls zum Leistungsabbau umgeschwenkt ist, wagt sie in Kooperation mit dem unionsdominierten Bundesrat ähnlich wie 1989 einen Kostendämpfungsrundumschlag: Das "Gesetz zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung" sieht unter anderem vor, dass Patienten eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal zahlen müssen, verschreibungsfreie Medikamente gar nicht mehr erstattet werden und die Selbstbeteiligung bei erstattungsfähigen Arznei- und Heilmitteln zehn Prozent der Kosten (maximal zehn Euro) beträgt.
2005: Paritätische Finanzierung am Ende
Aus für ein Prinzip, das seit 1883 in Deutschland bestand: Wurden die Beitäge zur Krankenversicherung zuvor paritätisch finanziert, also jeweils zur Hälfte durch den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer, müssen die Versicherten nun einen Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent zahlen.
2009: Der Gesundheitsfonds kommt
Zum Jahresbeginn 2009 ändert sich die Finanzierung der Krankenkassen grundlegend: Konnten die Versicherungen bislang ihren Beitragssatz weitgehend selbst festlegen, wird dieser künftig einheitlich von der Regierung bestimmt. Die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mitsamt Steuerzuschuss fließen nun in den Gesundheitsfonds. Die Krankenkassen erhalten dann Pauschalen pro Versichertem von dieser gigantischen Geldsammelstelle. Weitere Änderung: Jeder Bürger muss eine Krankenversicherung abschließen.