Obergrenze für Fehltage Knappe Mehrheit hält Befristungspraxis der Post für falsch

Die Deutsche Post macht die Entfristung von Arbeitsverträgen von der Krankheitsdauer ihrer Mitarbeiter abhängig. Eine Umfrage für den SPIEGEL zeigt: Eine knappe Mehrheit der Deutschen findet das falsch.

Ein Briefträger der Deutschen Post
DPA

Ein Briefträger der Deutschen Post


Die Post beobachtet genau, wie oft ihre befristet angestellten Briefträger erkranken. Diese interne Anweisung der Konzernspitze, wie mit den eigenen Postboten zu verfahren sei, hat am Wochenende Empörung ausgelöst. Gewerkschaften und Politiker von rechts und links bezeichneten die Praxis als verwerflich.

Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL macht deutlich: Eine knappe Mehrheit aller Befragten findet es "falsch" oder "eher falsch", dass die Post es von der Zahl der Krankheitstage abhängig macht, ob ein Zusteller entfristet wird.

Allerdings wird die Praxis nicht von den Anhängern aller Parteien mehrheitlich abgelehnt. Es zeigt sich eine deutliche Lagerbildung: Die Wähler von CDU, CSU, FDP und AfD befürworten eher die Praxis der Post. Bei ihnen findet mehr als jeder zweite die Entscheidung der Post richtig. Die Anhänger aller anderen Parteien sind eher gegen die Praxis der Post. Am klarsten sprechen sich Wähler der Linken aus: Fast 80 Prozent aller Wähler dieser Partei finden es falsch, wie die Post mit den Zustellern umgeht.

Anmerkungen zur Methodik: Das Meinungsforschungsinstitut Civey berücksichtigte für das Gesamtergebnis die Antworten von 5032 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählten Befragten vom 7. Mai bis 8. Mai. Der statistische Fehler lag bei 2,6 Prozent für die Gesamtmenge der Befragten; andere Werte sind jeweils angegeben.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

hej



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Phil2302 08.05.2018
1. Absolut keine Überraschung
Diejenigen, die hart arbeiten und daher eher konservativ wählen, finden das eher ok, und die, die der Meinung sind, dass niemals jemand sich fälschlicherweise krankmelden würde, also die linksgesinnten, die finden es schlecht. Wer hat was anderes erwartet? Ich finde die Regel der Post gut, da ich als Verantwortlicher an unserer Schule die Statistik kenne: Beamte öfter krank als Angestellte, nach den Abiturklausuren jetzt massenhaft Krankmeldungen bei den Deutsch und Englisch Lehrern, die korrigieren müssen - ein Schelm, wer dabei Böses denkt.
max-mustermann 08.05.2018
2.
War nicht erst kürzlich in einem Artikel zu lesen das die Post händeringend Zusteller sucht ? So groß kann der Mangel ja dann doch nicht sein wenn mann seine Angestellten trotzdem permanent auf die Abschußliste setzt.
Aberlour A ' Bunadh 08.05.2018
3. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt
Zitat von Phil2302Diejenigen, die hart arbeiten und daher eher konservativ wählen, finden das eher ok, und die, die der Meinung sind, dass niemals jemand sich fälschlicherweise krankmelden würde, also die linksgesinnten, die finden es schlecht. Wer hat was anderes erwartet? Ich finde die Regel der Post gut, da ich als Verantwortlicher an unserer Schule die Statistik kenne: Beamte öfter krank als Angestellte, nach den Abiturklausuren jetzt massenhaft Krankmeldungen bei den Deutsch und Englisch Lehrern, die korrigieren müssen - ein Schelm, wer dabei Böses denkt.
Komisch nur, dass bei den letzten Bundestagswahlen es vorzugsweise die Rentner waren, die überweidend konservativ gewählt haben. Dass heißt, insbesondere bei CDU/CSU war der Anteil der über 70 Jährigen wie immer exorbitant hoch. Als Ruheständler kann man bei so einer Frage ja auch viel "Gratismut" zeigen. Also nichts mit "hart arbeiten und daher konservativ wählen". Als die jetzt über 70-Jährigen im Spätherbst ihres Arbeitslebens waren, war das "Normalarbeitsverhältnis" noch Standard, wurden Begriffe wie "Systemische Rationalisierung", "Lean Production", "Hyperwettbewerb" und "Downsizing" gerade erst Bestandteil von Manager-Sprech. Im Zweifel kann man also gar nicht mitreden. Ansonsten kann man sagen, dass Sie Ihre Vorurteile gut gepflegt haben, mehr aber auch nicht.
orage 08.05.2018
4. Die Post
Zurück zu den Tarifverträgen mit Probezeit und gestaffelter Kündigungsfrist, je nach Tätigkeit. Ent- und Befristung bringt nur unnötige Administration und ist despektierlich. Scholz hat sich in der letzten Anne-Will-Show in etwa so geäussert. Keine Kontrolle für die Kontrolle für die Kontrolle. Ende dieses Spuks.
so-long 09.05.2018
5. Eine repräsentative Umfrage
ergab, dass eine knappe Mehrheit der Befragten meint, der Copypreis des SPIEGEL müsse um 30% gesenkt werden, damit auch Leute mit weniger Geld das Nachrichtenmagazin lesen können.
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