Michael Garvens Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Kölner Flughafenchef

Rechnungen ohne Leistung bezahlt? Zu viele Chefs freigestellt? Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue gegen Flughafenchef Garvens.

Flughafen-Chef Michael Garvens
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Flughafen-Chef Michael Garvens


Die Kölner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den beurlaubten Chef des Flughafens Köln/Bonn, Michael Garvens, aufgenommen. Es bestehe ein Anfangsverdacht der Untreue, sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Der entsprechende Prüfbericht des Flughafens sei angefordert worden. Diesen hatte der Aufsichtsrat unter Leitung des Ex-Bundesverkehrsministers Kurt Bodewig veranlasst. Die neue schwarz-gelbe Landesregierung will den SPD-Politiker Bodewig durch Ex-CDU-Spitzenpolitiker Friedrich Merz ersetzen.

Garvens war vergangenen Freitag wegen einer Untersuchung zu Unregelmäßigkeiten beurlaubt worden. Dem Flughafenchef wird in dem Prüfbericht laut "Kölnischer Rundschau" vorgeworfen, leitende Mitarbeiter des Unternehmens in ungewöhnlich vielen Fällen von der Arbeit am zweitgrößten Airport in Nordrhein-Westfalen freigestellt zu haben. Außerdem sollen Rechnungen akzeptiert worden sein, obwohl dafür keine Leistung erbracht wurde.

Zu Lasten des Flughafens soll den Angaben zufolge zudem ein Mietvertrag mit nicht angemessenen Konditionen abgeschlossen worden sein. Eine Bestätigung für diese Vorwürfe gibt es bislang nicht. Die Hinweise auf mögliche Verfehlungen der Geschäftsführung sollen aus dem Unternehmen gekommen sein.

Garvens weist die Anschuldigungen zurück. "Unser Mandant wehrt sich mit Entschiedenheit gegen die öffentlich erhobenen Vorwürfe, die ihn als Vorsitzender der Geschäftsführung des Flughafens in nicht zu akzeptierender Weise schädigen", teilten seine Anwälte am Dienstag in einer Stellungnahme mit. Er sei jederzeit bereit, an der Aufklärung von Sachverhalten mitzuwirken.

Der seit Mai von CDU und FDP dominierte Landtag in Düsseldorf will am Donnerstag in einer aktuellen Stunde über das Thema beraten. Der Antrag der Grünen-Fraktion zu dem Thema lautet: "Versucht die Landesregierung am Flughafen Köln/Bonn die notwendige Aufklärung interner Verfehlungen durch den Austausch des Aufsichtsratsvorsitzenden zu behindern?"

Anmerkung der Redaktion: Es wurde korrigiert, dass Friedrich Merz die Leitung des Aufsichtsrats erst übernehmen soll - und nicht bereits übernommen hat.

apr/dpa



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