Dumpingpreise für Minenfirmen: Kofi Annan enthüllt dubiose Rohstoff-Deals im Kongo

Dumpingpreise für Minenfirmen: Die Protagonisten der Kongo-Deals Fotos
REUTERS

Eine Analyse von Ex-Uno-Generalsekretär Annan deckt obskure Geschäfte im Kongo auf: Demnach erhielten ausländische Konzerne zu Spottpreisen Zugriff auf Rohstoffe. Dem Land sollen gut 1,3 Milliarden Dollar entgangen sein. Von manchen Verkäufen profitierte ein Bekannter des Präsidenten Kabila.

Hamburg - Kupfer und Kobalt, Öl und Diamanten: Die Rohstoffe, die auf dem Gebiet der Demokratischen Republik Kongo lagern, sind reichhaltig. Würden sie zum Wohle der Bevölkerung erschlossen, könnten sie den rund 66 Millionen Menschen in dem sehr armen Land zu mehr Wohlstand verhelfen. Oft aber scheint dies nicht zu passieren. Kongos Rohstoffschätze, betonen Kritiker, kämen nur sehr wenigen zugute: ausländischen Firmen, die die Rohstoffe ausbeuten. Dazu einer kleinen einheimischen Elite. Und vermutlich dem Präsidenten, Joseph Kabila.

Eine Erhebung des Africa Progress Panel (APP) liefert nun umfassende Hinweise auf dubiose Rohstoff-Deals. Die Nichtregierungsorganisation um den früheren Uno-Generalsekretär Kofi Annan und Michel Camdessus, den Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds, hat nachvollzogen, wie Lizenzen zur Ausbeutung von Rohstoffen im Kongo über ein dubioses Firmennetzwerk weitergereicht wurden.

APP zufolge funktionierten in den Jahren 2010 bis 2012 fünf Verkäufe von Anteilen an Rohstofffirmen nach einem ähnlichen Muster:

  • Anteile von kongolesischen, meist staatlichen Unternehmen, die Lizenzen zur Ausbeutung von Rohstoffen halten, wurden zu Spottpreisen an Investment-Vehikel verkauft.
  • Diese verkauften sie, mit großen Preisaufschlägen, an ausländische Firmen weiter, die sich von der Ausbeutung der Rohstoffe hohe Gewinne erhoffen.
  • Insgesamt sollen der Demokratischen Republik Kongo durch die Verkäufe rund 1,36 Milliarden Dollar an Einnahmen entgangen sein, heißt es im APP-Bericht. Grundlage für diese Schätzung sind Bewertungen externer Experten, wie viel die Firmenanteile tatsächlich wert waren, als der Kongo sie verkaufte.

Die Investment-Vehikel werden oft von Dan Gertler kontrolliert, einem israelischen Geschäftsmann, der seit rund einem Jahrzehnt Rohstoffgeschäfte im Kongo macht - und der als Freund von Präsident Kabila gilt.

Käufer war in drei Fällen die Eurasian Natural Resources Corp (ENRC), ein kasachischer Bergbau-Konzern, der als Gertlers größter Partner im Kongo gilt. ENRC beschäftigt mehr als 70.000 Mitarbeiter und ist an der Londoner Börse im FTSE 100 Chart zeigen Index gelistet. Die Mehrheit der Firmenanteile besitzen die kasachische Regierung und einflussreiche Oligarchen. Die britische Strafverfolgungsbehörde SFO ermittelt wegen des Verdachts auf Bestechung, Korruption und Betrug gegen das Unternehmen.

Im APP-Bericht finden sich keine Belege, dass die kongolesische Regierung sich daran bereicherte, ausländischen Firmen den Zugriff auf Rohstoffe zu ermöglichen. Allerdings enthüllt die Analyse in einem Fall Unregelmäßigkeiten bei Verträgen:

  • Es ging in diesem Fall um die Firma SMKK, ein kongolesisches Unternehmen, das Lizenzen zum Abbau von Kupfer und Kobalt hielt.
  • 50 Prozent der Anteile an SMKK gehörten Gecamines, einem staatlichen kongolesischen Bergbaukonzern.
  • Im Februar 2010 stimmte Gecamines zu, seinen Anteil für 15 Millionen Dollar an ein Unternehmen Dan Gertlers zu verkaufen. Voraussetzung für den Deal war offenbar eine Erklärung von ENRC, diese Anteile nicht zu erwerben. Das geht laut "Financial Times" aus einem Vertrag hervor, den die kongolesische Regierung veröffentlichte.
  • Dem APP-Bericht zufolge hielt ENRC aber schon seit Dezember 2009 eine Option auf den SMKK-Anteil. Diese räumte ENRC das Recht ein, den Anteil für 25 Millionen Dollar zu kaufen.
  • Einige Monate nach dem Gecamines-Verkauf nutzte ENRC seine Kauf-Option und erwarb von Gentlers Firma den SMKK-Anteil. Neben dem vereinbarten Kaufpreis von 25 Millionen Dollar zahlte ENRC noch eine Provision von 50 Millionen Dollar an Gentlers Firma.
  • Dem APP-Bericht zufolge sind der Demokratischen Republik Kongo allein durch diesen Deal rund 60 Millionen Dollar an Einnahmen entgangen. Was mit der Provision geschah, die Gentlers Firma kassierte, ist unklar.

Ein Sprecher Gertlers weist die Vorwürfe zurück, man habe für die Firmenanteile zu wenig bezahlt. Man habe sie zu einer Zeit erworben, zu der sich niemand sonst traute zu kaufen, sagte er der "Financial Times".

ENRC teilte mit, man habe bei allen Geschäfte die regulatorischen Vorgaben befolgt. Zu den Ermittlungen der britischen Behörde ließ ENRC verlauten, es gebe keine Beweise, die diese Untersuchung stützten.

Das Geld aus den fünf Deals indes ist verloren, und auch in anderen afrikanischen Ländern kommt vom Rohstoffreichtum kaum etwas bei der Bevölkerung an. Annan fordert, das müsse sich dringend ändern. Die reichhaltigen Ressourcen Afrikas böten eine einmalige Chance, schreibt er in einem Gastbeitrag für die "New York Times". Sie könnten Millionen Menschen aus der Armut helfen, Arbeitsplätze schaffen und künftigen Generationen Hoffnung spenden.

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insgesamt 22 Beiträge
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1. optional
sons.of.liberty 10.05.2013
Jaja, immer diese Economic-Hitmans von denen die Spiegel Redaktion wohl noch nichts gehört hat ...
2. 1,3 Mrd. Dollar,das dürfte weit.weit untertrieben sin ! und dazu
analyse 10.05.2013
waren diese Praktiken auch schon zu Kofi anans Amtszeiten sattsam bekannt !Wenn auch die UNO bekanntermaßen ohnmächtig ist,mehr öffentliches Anprangern solcher Mißstände wäre angebracht gewesen!
3.
Business Ethics 10.05.2013
Zitat von sysop... Kongos Rohstoffschätze, betonen Kritiker, kämen nur sehr wenigen zugute: ausländischen Firmen, die die Rohstoffe ausbeuten. Dazu einer kleinen einheimischen Elite. ...
How come I'm not surprised? Hat ernsthaft jemand etwas anderes erwartet?! Dies ist das Geschäftsmodell hinter allem, sonst gar nichts. Und dreimal darf man raten, wo diese Elite ihr Vermögen bunkert - richtig, offshore. Und wer einmal verstanden hat, wie das offshore Modell funktioniert, dem ist auch klar, dass von dem Geld praktisch nie wieder etwas ans Tageslicht kommen wird, Daten CDs etc. hin oder her.
4.
genlok 10.05.2013
Ach deshalb geht es den Leuten in Aftrika so schlecht, weil einige Geschäftsleute wissen wie man die Machthaber besticht? Moment mal, hat der Sub-Sahara Teil von Afrika nicht 1 Billiarde $ seit 1950 an Hilfen empfangen (und das zählt nicht die NGOs mit ein)... Sollte man nur mal ab und zu dran denken wieviel Geld dahin fliesst ohne Gegenleistung.
5. Überraschung!!
T-fit 10.05.2013
Interessierte mit ein bißchen Grips warnten (auch die westlichen Regierungen) schon vor Beginn dieser Transaktionen, lieferten auch belastbare Beweise. In Libyen lief ähnliches: gleiche Schweinerei mit gleichen Regierungsdesinteressen. Derzeit ist Mali dran. Auch davon hat z.B. der Außenminister garantiert (keine) Kenntnis.
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