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Teurer Blackout-Schutz: Kohle-Reserve taugt nicht für Notfall

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Kohlekraftwerk in Niedersachsen: Träge Reserve Zur Großansicht
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Kohlekraftwerk in Niedersachsen: Träge Reserve

Die Steuerzahler müssen 1,6 Milliarden Euro für eine Strom-Notreserve aus Kohlemeilern zahlen. Doch diese muss laut Gesetz erst nach elf Tagen einsatzbereit sein - für den Ernstfall viel zu langsam.

Die milliardenteure Stromreserve der Bundesregierung ist für viele Notsituationen gar nicht geeignet. Das geht aus dem Referentenentwurf zur Weiterentwicklung des Strommarkts hervor, der SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte am Wochenende eine Einigung mit den Konzernen RWE, Vattenfall und Mibrag über eine schrittweise Abschaltung der dreckigsten Braunkohlemeiler der Republik verkündet. Das Konzept sieht vor, dass die Kraftwerke noch bis zu sieben Jahre als Notfallreserve dienen und erst dann ganz stillgelegt werden. Die Kosten, gut 1,6 Milliarden Euro, trägt der Steuerzahler.

Nun mehren sich Zweifel, welchem Zweck die Reserve überhaupt dient: Laut Gesetzentwurf müssen die Kohlemeiler erst nach zehn Tagen betriebsbereit sein. Das Anfahren auf Normalleistung am elften Tag darf laut Gesetzentwurf weitere 13 Stunden dauern.

Der lange Vorlauf ist nötig, da die alten Braunkohlemeiler beim Hochfahren sehr träge sind. Als Reserve sind die Kraftwerke dadurch aber viel zu langsam.

Kurzfristige Schwankungen im Stromsystem werden schon jetzt von Gaskraftwerken ausgeglichen. Versorgungsengpässe, die mehrere Tage im Voraus bekannt sind, werden meist mit Stromimporten aus dem Ausland abgepuffert.

Fachleute halten es für extrem unwahrscheinlich, dass jemals ein so langer Engpass auftritt, der die Kohle-Reserve wirklich erforderlich macht. Selbst aus dem Wirtschaftsministerium hieß es dazu mehrfach, die Stand-by-Kohlemeiler seien gewissermaßen nur der "Hosenträger zusätzlich zum Gürtel".

Die Opposition hält den Namen Notreserve daher für Etikettenschwindel. "Wir haben in Deutschland auch keine Pferdekutschen für den Fall, dass alle Rettungswagen im Einsatz oder kaputt sind", ätzt Oliver Krischer, Fraktionsvize der Grünen.

Tatsächlich geht es bei der neuen Regelung wohl eher nachrangig um den Schutz des Stromsystems. In Berlin gilt es als offenes Geheimnis, dass Gabriel über das Notfallgesetz selbst nicht begeistert ist. Er musste aber einen Weg finden, das deutsche Klimaschutzversprechen einzuhalten. Ziel der Bundesregierung ist es, den Kohlendioxidausstoß bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu mindern. Vor allem dafür mussten die alten CO2-intensiven Kohlemeiler vom Netz.

Auch die Stromkonzerne profitieren von dem Milliardengeschenk der Regierung. Die Aktien des Energieriesen RWE tendieren am Montag deutlich im Plus.

Den Verbrauchern, die die Zeche zahlen, dürfte der Kohle-Deal indes schwer zu vermitteln sein.

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insgesamt 46 Beiträge
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1. Es ist doch klar, welchem Zweck die Reserve dient!
Tolotos 26.10.2015
Es ist ein schönes Geschenk vom Stromkunden an die Energiewirtschaft! Und es ist sogar richtig marktkonform unsozial, weil es nicht von den Steuerzahlern bezahlt wird, sondern den Stromkunden auferlegt wird. Das freut den Spitzenverdiener und treibt vor allem den Kinderreichen und Geringverdienern die Tränen in die Augen!
2. nur mal so eine Frage ...
weltbetrachter 26.10.2015
Gibt es eigentlich ein Gesetz in dieser Regierung bei dem am Ende der Steuerzahler- bzw. Gebührenzahlerbürger nicht der dumme ist ?
3. Wer bereits die ersten elfeinhalb stromfreien Tage nicht überlebt, hat entschieden zuwenig persönlich Vorsorge betrieben
darkmattenergy 26.10.2015
Daß unsere in den vergangegen Jahrzehnten als bemerkenswert zuverlässig gewohnt gewordene öffentliche Stomversorgung nebst sämtlichen davon abhängigen Versorgungs- und Dienstleistungen mit jedem Prozentpunkt wieterer ökologischer Solar und Windenergie weniger katasthrophensicher wird (bspw. bezüglich globaler Winter in Folge von vulkanischer Aktivität oder Kernwaffeneinsätzen) dürfte doch längst bekannt sein.
4. Technische Genauigkeiten
Technix 26.10.2015
In dem Artikel werden einige technische Details angesprochen, die in der dargestellten Form so unvollständig bzw. schlichtweg nicht korrekt sind: - die Vorlaufzeit von 11 Tagen ist erforderlich, um eine quasi stillgelegte Anlage wieder in einen betriebsfähigen Zustand zu versetzen (Hilfskreisläufe, etc.). Mit der Hochfahrgeschwindigkeit des Kraftwerkes haben diese 10 Tage nichts zu tun. Die Hochfahrgeschwindigkeit wird lediglich in dem Zeitraum von 13 Stunden berücksichtigt. - eine Regelung von kurzfristigen Netzschwankungen durch Gaskraftwerke findet momentan praktisch nicht statt, da aufgrund des vergleichsweise hohen Brennstoffpreises von Gas und des zunehmenden Anteils von Strom aus erneuerbaren Quellen ein Betrieb von Gaskraftwerken bei der momentanen Marktlage nicht wirtschaftlich ist (beispielsweise zu beobachten unter https://www.rwe.com/web/cms/de/59926/transparenz-offensive/zentraleuropa/nutzung/blockscharfe-tatsaechliche-produktion/) . Die Netzregelung wird im wesentlichen auch von Kohlekraftwerken übernommen, die, wenn sie einmal im Betrieb sind, dazu durchaus in der Lage sind und die notwendigen Laständerungsgeschwindigkeiten aufweisen. Wenn solche Details angesprochen werden, wäre es sicherlich nützlich, wenn da zumindest eine korrekte Darstellung des Sachverhaltes gegeben würde.
5. Vielleicht wollte Herr Gabriel ...
melnibone 26.10.2015
nur sicherstellen, das er demnächst irgendwo ´unterkommt´? So eine famose Energiewende. Sicher wurde sie ´eingeleitet´ und wird auch umgesetzt, aber richtig Blechen: darf nur der Steuerzahler! Der ´geschmeidige´ Bund aus ´Volksvertretern´ und Vertretern der Energiewirtschaft hält sich vornehm zurück oder schöpft ab. Die Damen und Herren aus beiden Fraktionen hacken sich niemals die ´Augen´ aus. Warum nur?
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