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06. November 2014, 06:37 Uhr

Kommentar zum Bahnstreik

Den ersten Bus vergisst man nie

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Dank der neuen Fernbuslinien haben Reisende während des Bahnstreiks eine Alternative - die sich dauerhaft etablieren könnte, wenn die Bahn sich nicht anstrengt. So paradox das klingt: Auch den Lokführern hilft die Billigkonkurrenz von der Straße.

Wenn wir uns dereinst fragen, was eigentlich von vier Jahren schwarzgelber Koalition geblieben ist, dann bleibt vielleicht nur diese eine Reform: die Novelle des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG), in Kraft getreten zum 1. Januar 2013. Seit diesem Tag dürfen Fernbusse der Bahn Konkurrenz machen. Und vielleicht legt ja am heutigen Donnerstag manch gestrandeter Bahnkunde, der dank eines Fernbusses doch noch an sein Ziel kommt, eine kleine Gedenkminute für die FDP ein. Auf deren Drängen hat die Bundesregierung nämlich die Bestimmung aus der Nazi-Zeit aufgehoben, mit der die Bahn vor der Konkurrenz auf der Straße geschützt wurde.

Hätten die Liberalen ein paar mehr Reformen dieser Güteklasse zustande gebracht, lägen sie jetzt nicht auf der politischen Intensivstation. Denn an der Entfesselung des Busmarkts zeigt sich exemplarisch die alte Erkenntnis von Ludwig Erhard: Wettbewerb ist für Unternehmen eine Bedrohung - aber für Bürger meist ein Segen.

Der zusätzliche Bus-Wettbewerb hilft zunächst natürlich den Kunden. In normalen Zeiten haben sie nun eine Reiseoption mehr. Und während des Streiks der Bahn ist der Fernbus für viele die einzige verbleibende Möglichkeit, überhaupt vom Fleck zu kommen - selbst wenn die Bustickets durch die gestiegene Nachfrage während des Streiks deutlich teurer geworden sind. Sei's drum, auch das ist Marktwirtschaft.

Bahn-Konkurrenz hilft auch Arbeitnehmern

Zu Recht stehen Busunternehmen in der Kritik, die ihre Fahrer schlecht bezahlen und lange hinter dem Steuer sitzen lassen. Doch paradoxerweise hilft die Billigkonkurrenz von der Straße nun ausgerechnet den Lokführern, ihren Gehaltsforderungen Nachdruck zu verleihen. Ein Monopolunternehmen muss einen Streik kaum fürchten - die Kunden können ja nicht weg, die langfristigen Profite sind nicht in Gefahr. Die neu erwachsene Konkurrenz durch den Bus setzt die Bahn hingegen unter zusätzlichen Druck, sich möglichst schnell mit den Lokführern zu einigen. Bevor allzu viele Bahnkunden die Vorzüge des Gratis-W-Lan an Bord der meisten Fernbusse entdecken.

Wenn dann hoffentlich bald auch die Fernbusfahrer so gut organisiert sind, dass sie ihren ersten Streik wagen, dann funktioniert der Effekt in umgekehrter Richtung: Dann werden die Busunternehmer schnell verhandlungsbereit sein, bevor die Kunden zurück zum ICE wechseln. Konkurrenz belebt eben auch das Streikgeschäft.

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