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Mietpreisbremse: Wohltat für Besserverdiener

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Heute beschließt der Bundestag die Mietpreisbremse. Das Gesetz dürfte den Anstieg der Wohnungsmieten tatsächlich etwas bremsen. Eine soziale Wohltat ist es trotzdem nicht.

Villen in Hamburg-Harvestehude: Mieten jenseits von Gut und Böse Zur Großansicht
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Villen in Hamburg-Harvestehude: Mieten jenseits von Gut und Böse

Da kann man lange suchen. Bezahlbare Mietwohnungen in München, Frankfurt, Berlin oder Hamburg sind schwer zu finden. Wer nicht ganz so viel Geld verdient, macht sich ab heute vielleicht Hoffnungen für die nächste Wohnungssuche: Mit der von der Großen Koalition angezogenen Mietpreisbremse, so die Illusion, kann jeder ein warmes Plätzchen in der Nähe des Stadtzentrums finden.

Tatsächlich wird sie dabei kaum helfen. Zwar dürfen nach dem neuen Gesetz bei Neuvermietung die Mieten in bestimmten, von den Bundesländern festzulegenden Gegenden künftig höchstens zehn Prozent über der örtlichen Vergleichsmiete liegen. Aber Wohnungen in Ballungsgebieten sind nicht deshalb so schwer zu bekommen, weil sie so teuer sind - sie sind so teuer, weil es so wenige gibt.

Zwar steigen die Mieten auch wegen der Tatsache, dass Investoren sich derzeit beim Ankauf von Immobilien überschlagen. Dort, so ihre Auffassung, ist ihr Geld momentan noch am sichersten angelegt. Die ansteigenden Quadratmeterkaufpreise schlagen dann auch auf die Mieten durch, schließlich soll neben den Kosten für die Kredite auch noch eine Rendite für das eingesetzte Kapital abfallen. Womöglich verlangen viele Hausbesitzer auch deshalb mehr, als sie es bei einem geringerem Kaufpreis getan hätten.

Die wahre Ursache für die Schwierigkeit, überhaupt eine Wohnung zu finden, bleibt aber der Wohnungsmangel. In Frankfurt fehlen 30.000 Wohnungen, in Berlin sogar noch ein paar mehr - von München und Hamburg gar nicht zu reden. Wirksam abhelfen lässt sich dem Problem nur mit dem Bau neuer Wohnungen. Die sollen von der Mietpreisbremse zwar ebenso ausgenommen werden wie grundsanierte Wohnungen. Die Erfahrung lehrt jedoch, dass Regulierungen wie die Mietpreisbremse eher als Stimmungskiller für Investitionen wirken.

Entscheidend aber ist eine zweite unbeantwortete Frage: Wem soll die Mietpreisbremse konkret nützen? Sollten tatsächlich die Haushalte mit knapper Kasse gemeint sein, die derzeit nur auf den absoluten Glückfall bei der Wohnungssuche hoffen können? Wohl kaum.

Denn Geringverdiener treten in jedem Einzelfall gegen Konkurrenten an, die dem Vermieter dank eines besseren Einkommens eine größere Sicherheit geben können, seine Miete regelmäßig zu bekommen. Das gilt für die einfache 500-Euro-Wohnung in Berlin Neukölln ebenso wie für die großzügige 160-Quadratmeter-Altbau-Etage in München-Schwabing - in jedem Fall kommt der solventeste Mietinteressent zum Zuge.

So betrachtet schont die Mietpreisbremse tatsächlich die Kasse der Mieter - aber nur jener, die eigentlich keine Schonung brauchen.

Zum Autor
Arne Siemeit
Michael Kröger ist Korrespondent im Berliner Büro von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Michael_Kroeger@spiegel.de

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insgesamt 141 Beiträge
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1. Das geht zu weit!
thunderstorm305 05.03.2015
Bereits heute regiert der Staat in den Bereich der Mietwohnung in ungeheurem Maße ein. So gibt er Vorgaben wie eine Sanierung auszusehen hat. Welche Materialien zu verwenden sind und hofft so eine teure Sanierung zu vermeiden. Die Mieten sollen so nur gering steigen. Dass es sich hier um einen ungeheuren Eingriff in das Eigentumsrecht und einer freien Sanierung einer Wohnung handelt, wischt man einfach weg. Wenn der Staat hier Vorgaben machen möchte, dann soll er mehr eigene Wohnungen bauen und auf dem Markt anbieten.
2. Illusion für Mieter
interessierterleser1965 05.03.2015
Der Autor liegt absolut richtig. Die Mietpreisbremse nützt allenfalls dem Zahnarztehepaar, die sich freuen, dass sie die schicke Altbauwohnung im Szeneviertel jetzt auch noch zum Spottpreis bekommen. Und die Sozialhilfeempfänger gehen wieder leer aus, weil bei künstlich gedeckelten Mieten ist der Vermieter um so mehr darauf angewiesen, dass wenigstens diese geringe Miete tatsächlich bezahlt wird. Neue Wohnungen baut oder kauft unter diesen Rahmenbedingungen niemand. Außerdem gibt es in den meisten angesagten Vierteln deswegen Wohnungsmangel, weil dort jeder wohnen will und nicht so viele Wohnungen vorhanden sind. Besser wäre es, wenn durch die hohen Preise das Zahnarztehepaar vielleicht in das nächste nicht ganz so hippe Viertel abwandern. Dadurch würde das Viertel langfristig aufgewertet, das Paar würde dann aber zum günstigen Preis dort wohnen. Das hilft auch der Stadt, da die Verelendung einzelner Viertel verhindert wird. Sozial ist das jedenfalls nicht, was hier gemacht wird.
3. Mittelstand
wvwtyr 05.03.2015
Warum geht es immer nur um Besser- und Geringverdiener? Was ist mit der Mittelschicht? Gerade "normalverdienende" Familien werden z.B. in Hamburg immer weiter in Randbezirke gedrängt, wo der Wohnraum noch bezahlbar ist, ohne dass 50% des Gehalts in die Miete fließen und Wohnungsbauprojekte berücksichtigen nur sozial Bedürftige (Drittelmix). Sollte die Mietpreisbremse hier helfen, wäre das auch volkswirtschaftlich gut.
4. Danke für den Kommentar
joli4000 05.03.2015
Die Mietpreisbremse soll nur die Abwahl von Politikern bremsen. Ansonsten lernt man schon im ersten Semester BWL: fixer Preis bedeutet kein weiteres Angebot. Und in New York und Madrid haben wir gesehen wohin das führt mit der Mietpreisbremse: es gibt fast keine Mietwohnungen mehr
5.
thomasb1312 05.03.2015
Typisches SPD-Gesetz halt: gut gemeint und schlecht gemacht.
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Kleine Typologie der Makler
Kleine Typologie der Makler
Jeder Großstädter kennt zahlreiche Geschichten über abenteuerliche Wohnungsvermittlungen. Makler spielen dabei fast immer eine Rolle. Eine vollkommen unrepräsentative Umfrage in der Redaktion von SPIEGEL ONLINE hat ein paar dieser Geschichten ans Tageslicht gebracht - subjektive, selbst erlebte Einzelfälle allesamt.
Der Abwesende
Wir wussten über Freunde von einer leerstehenden Wohnung. Wir riefen den Makler an, der uns sagte: "Sie können sich die Wohnung jederzeit ansehen - da sind derzeit Handwerker drin." Das taten wir und teilten dem Makler mit, dass wir die Wohnung gerne nehmen würden. Zwei Tage später durften wir den Vertrag unterzeichnen - die beiden Gläser Mineralwasser im Maklerbüro kosteten uns sozusagen zwei Monatsmieten. Plus Mehrwertsteuer.
Der Marktwirtschaftler
Eine Freundin hatte ihre Wohnung gekündigt, ich habe mich bei dem Vermieter gemeldet und Interesse bekundet. Er war einverstanden, hatte aber bereits einen Makler eingeschaltet. Es folgte ein Treffen mit dem Makler in der Wohnung, wozu er ein kurzes Exposé mitbrachte - das war alles. Ich bekam die Wohnung - und eine Rechnung in Höhe von rund 1200 Euro. Auf die Bitte, mit dem Preis herunterzugehen, da er schließlich keine Arbeit mit der Wohnung gehabt hätte, antwortete der Makler: "Aber ich kann Ihnen doch kein Geld schenken. Es gibt noch viele Andere da draußen, die diese Wohnung gern hätten."
Die Sippe
Wir mussten vor dem Einzug unterschreiben, dass wir wissen, dass die Maklerin die Ehefrau des Hausbesitzers ist. Was wir später herausgefunden haben: Vater und Sohn haben den Immobilienbesitz gemanagt, Mutter und Tochter makelten - so bleibt das Geld garantiert in der Familie. Gezahlt haben wir natürlich trotzdem.
Die Satten
Vor vielen Jahren hatte ich auf der Suche nach einer Mietwohnung notgedrungen die Hilfe eines Maklers gesucht. Als ich mich vor kurzem wieder auf die Wohnungssuche machte, habe ich 14 Makler durchtelefoniert - keiner von denen führte überhaupt noch Wohnungsrecherchen durch. Die lachten nur über meine Nachfrage: "Recherche? Nee, das machen wir schon lange nicht mehr. Das sind ja viel zu viele, die suchen."
Die Konkurrenten
Nicht nur die Makler sind zuweilen ärgerlich, sondern auch jene Interessenten, die dem Makler einen Wink mit dem Zaunpfahl geben, um zu zeigen, wie solvent sie sind. Beispiel: Bei einer Besichtigung sagte ein Interessent zum Makler: "Ach, und sagen sie mal: Die Miete bezahlt man hier wirklich monatlich? Also, ich könnte ihnen auch gerne gleich das Geld für das ganze Jahr geben!"
Die Kreative
Ich habe mich damals riesig gefreut, als ich meine Wohnung ohne Makler gefunden hatte. Dann wollte allerdings die Hausverwalterin auf einmal eine dubiose "Vertragsausfertigungsgebühr" von 200 Euro. Das ist zwar gesetzlich nicht zulässig, wird aber trotzdem gemacht - und vermutlich immer gezahlt.
Die Steuersparerin
Meine Maklerin hat mir beim Einzug angeboten, ihr statt der regulären Maklercourtage von 1400 Euro nur 1000 Euro zu geben - schwarz und unter der Hand. Sie sparte damit die Steuer, ich 400 Euro. Ich konnte damals jeden Euro gut gebrauchen und habe das Angebot angenommen.


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