Sachverständigenrat Aufschwung verliert leicht an Tempo

Ein starker Arbeitsmarkt und die Konsumlust treiben die Konjunktur in Deutschland. Allerdings geht der Sachverständigenrat von einer gebremsten Entwicklung aus.

Europa-Passage in Hamburg
DPA

Europa-Passage in Hamburg


Der Konjunkturaufschwung in Deutschland verliert nach Einschätzung des Sachverständigenrates wegen der Abkühlung der Weltwirtschaft etwas an Tempo.

Die fünf Ökonomen korrigierten ihre Prognose für dieses Jahr leicht nach unten. Sie rechnen nun mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,5 Prozent. Zuletzt waren sie von 1,6 Prozent ausgegangen. Im vorigen Jahr war die Wirtschaftsleistung noch um 1,7 Prozent gewachsen.

Vor allem die Konsumausgaben und die gute Lage am Arbeitsmarkt treiben demnach die Konjunktur an. 2017 soll die Wirtschaft dann etwas stärker um 1,6 Prozent zulegen. "Der Aufschwung in Deutschland setzt sich somit fort", teilten die so genannten Wirtschaftsweisen in ihrer aktualisierten Konjunkturprognose für die Bundesregierung mit.

Zuletzt hatten mehrere Wirtschaftsforscher ihre Prognosen für 2016 gesenkt. Das Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI hatte beispielsweise Mitte des Monats nur noch mit einem Wachstum im laufenden Jahr von 1,4 Prozent im Jahresvergleich gerechnet, nach zuvor 1,8 Prozent. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prognostiziert einen Anstieg des BIP von 1,6 Prozent. Der DIHK geht von 1,3 Prozent aus. Am optimistischsten zeigt sich das Institut für Weltwirtschaft (IfW). Die Kieler Forscher erwarten ein BIP-Wachstum von 2,0 Prozent.

Arbeitsmarkt im Aufwind

Der Sachverständigenrat sieht in seiner Prognose den Arbeitsmarkt im Aufwind und erwarten dieses Jahr 43,5 Millionen Erwerbstätige und im nächsten Jahr fast 44 Millionen.

Die Ökonomen gehen weiterhin davon aus, dass die Ausgaben für die Unterbringung und Integration Hunderttausender Flüchtlinge in diesem und im nächsten Jahr ohne neue Schulden gestemmt werden können. Trotzdem bleibe der Umgang mit der Flüchtlingskrise den Forschern zufolge eine große Herausforderung.

"Engpässe bei den Asylverfahren führen momentan zu erheblichen Verzögerungen bei der Arbeitsmarktintegration." Der Sachverständigenrat schätzt, dass bis Ende 2017 etwa 360.000 anerkannte Flüchtlinge dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, von denen jedoch ein Großteil zunächst erwerbslos sein werde.

Flüchtlinge überwiegend geringfügig beschäftigt

Die Arbeitslosenzahl werde dadurch im kommenden Jahr deutlich steigen und sich der Drei-Millionen-Marke annähern. Bis Ende 2017 gehe der Sachverständigenrat "von etwa 250.000 zusätzlichen Arbeitslosen infolge der Flüchtlingsmigration aus", heißt es weiter.

Fast jeder zwölfte Arbeitslose wäre dann nach Einschätzung der Ökonomen ein anerkannter Flüchtling. Etwa 80.000 bis 130.000 anerkannte Flüchtlinge wären dem Gutachten zufolge 2017 voraussichtlich erwerbstätig. Der überwiegende Teil werde aber nur geringfügig beschäftigt sein.

Untersuchung von Konjunkturprognosen

brt/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.