Konjunktur in Deutschland Regierung senkt Wachstumsprognose

Statt 2,4 nun 2,3 Prozent: Mit ihrer neuen Konjunkturprognose korrigiert die Bundesregierung ihre Erwartungen leicht nach unten. Nach Ansicht von Experten mehren sich Risiken für die Wirtschaft.

Karosserieproduktion in Göppingen
DPA

Karosserieproduktion in Göppingen


Die Bundesregierung erwartet in diesem Jahr das kräftigste Wirtschaftswachstum seit 2011. Das Bruttoinlandsprodukt steige voraussichtlich um 2,3 Prozent, heißt es in der neuen Frühjahrsprojektion. Damit wird die Prognose vom Jahresbeginn um 0,1 Punkte gesenkt.

Für 2019 erwartet das Wirtschaftsministerium 2,1 Prozent. Es ist damit für beide Jahre optimistischer als die führenden Forschungsinstitute. "Die deutsche Konjunktur bleibt weiter schwungvoll, der Aufschwung geht weiter", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

Die Zahl der Beschäftigten soll bis zum kommenden Jahr um rund eine Million zunehmen, die Arbeitslosigkeit auf ein Rekordtief sinken. "Das sind wichtige Schritte auf dem Weg hin zur Vollbeschäftigung", sagte Altmaier. Auch dürften die Einkommen merklich zunehmen. Eine Überhitzung der Wirtschaft sei nicht erkennbar.

Garant für den Aufschwung bleibt demnach der Konsum, der in beiden Jahren kräftiger wachsen soll als 2017. Auch blieben deutsche Waren und Dienstleistungen im Ausland gefragt. "Unsere Exportwirtschaft behauptet sich erfolgreich in einer Weltwirtschaft, die lebhaft wächst", sagte Altmaier. Die Unternehmen würden wieder kräftig in neue Maschinen und Anlagen investieren.

Handelsüberschuss sinkt

Der von US-Präsident Donald Trump kritisierte deutsche Handelsüberschuss wird den Prognosen zufolge bis 2019 sinken. Mit 7,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts fiele der Leistungsbilanzüberschuss dann so gering aus wie zuletzt 2014. Die EU-Kommission sieht allerdings schon Werte von mehr als sechs Prozent als stabilitätsgefährdend an, da Ländern mit hohen Überschüssen welche mit enormen Defiziten gegenüberstehen.

Wenige Tage vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Trump dürfte diese Prognose im Weißen Haus auf Interesse stoßen: Denn ein wichtiger Kritikpunkt Trumps ist der Exportüberschuss. Es wird erwartet, dass dies Thema der Gespräche mit Merkel am Freitag sein wird.

Die Frühjahrsprojektion dient den Steuerschätzern als Vorlage für ihre Hochrechnungen, die im Mai anstehen. Diese wiederum geben den Rahmen für die Aufstellung der öffentlichen Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen vor.

Führende Wirtschaftsforschungsinstitute hatten in der vergangenen Woche ihre Prognose für dieses und nächstes Jahr leicht angehoben. Die Forscher erwarten nun für das laufende Jahr 2,2 Prozent Wirtschaftswachstum und für das kommende Jahr 2,0 Prozent. Im Herbst hatten sie noch mit einem Plus von 2,0 und 1,8 Prozent gerechnet.

Bei dem seit Jahren anhaltenden Wirtschaftsaufschwung in Deutschland mehren sich nach Einschätzung der Forscher die Risiken. In den Unternehmen gebe es bereits eine hohe Kapazitätsauslastung, die zuletzt noch einmal gestiegen sei. Die Firmen sehen aber einen Mangel an Fachkräften als immer größeres Problem. Ein Risiko sei auch der laufende Handelskonflikt mit den USA.

Auch verschiedene Indikatoren deuteten zuletzt auf eine steigende Rezessionsgefahr hin. So sank der Ifo-Geschäftsklima-Index im April zum fünften Mal in Folge.

dab/dpa/Reuters



insgesamt 14 Beiträge
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w.bogner 25.04.2018
1. Dsgvo
Hier spielt evtl. auch die Einführung der DSGVO (Datenschutz) zum 25.5.18 eine Rolle. Dies hat in den Betrieben enorme Kapazitäten gebunden die an anderer Stelle fehlen. Außerdem werden einige Geschäftsmodelle wohl auch nicht mehr funktionieren (nicht nur schlechte, auch sinnvolle) und eingestellt. werden. Auch die Ankündigungen der Bundesregierung zu weiteren komplizierten Regelungen in den Betrieben (Rückkehr zur Vollzeit) werden nicht zur Konjunkturaufhellung beitragen.
joG 25.04.2018
2. Mit 7,5 Prozent des BIP....
....ist der Anteil noch mindestens 7,5 Prozent zu hoch für ein entwickeltes Land. Wir würden wohlhabend, weil andere ihrer Bevölkerung erlaubten unsere Produkte zu kaufen während wir alles taten wo immer möglich und mit komplexen Strukturen um deren Produkte aus unserem Marht auszuschließen. „Kauft Regional!“ heißt in anderen Worten: „Kauft nicht afrikanisch!“
mirage122 25.04.2018
3. Der Aufschwung geht weiter!
Na wenn unser Wirtschaftsminister Altmaier das sagt, dann müssen wir alle nur ganz fest dran glauben. Und an steigende Rezessionsgefahr wollen wir gar nicht denken. Ob diese Informationen eine gute Ausgangsposition für das" gemeinsame Dinner" von Frau Merkel mit Herrn Trump sein werden, bleibt abzuwarten. Hier hat Herr Macron ja bereits das Feld bestellt.
Lukas2018 25.04.2018
4. @w.bogner heute, 12:30 Uhr
Ihre Behauptung ist unlogisch und falsch, da betriebliche Kapazitäten zur Einführung der DSGVO wohl kaum noch im nächsten Jahr gebunden werden, denn bis Ende Mai 2018 sollte sie bereits in den Betrieben eingeführt sein. Die Konjunktur bleibt bei dieser minimal reduzierten Wachstumsprognose der Bundesregierung weiterhin sehr gut am Laufen, von Rezession ist weit und breit nichts tu sehen!
Beat Adler 25.04.2018
5. 2% Wachstum sind fuer jede reife Volkswirtschaft VIEL! Sehr viel!
2% Wachstum sind fuer jede reife Volkswirtschaft VIEL! Sehr viel! Dieses Wachstum bedeutet ZUSAETZLICHE Waren -und Geldstroeme, ZUSAETZLICHE Ungleichheiten. Das ist bei stagnierender Bevoelkerung nicht gesund! Die "Verlierer" die dabei entstehen, werden Gegenleistungen verlangen und auf politischer Ebene immer aktiver werden. Auch das ist ungesund! mfG Beat
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