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Plus von 0,1 Prozent: Deutsche Wirtschaft schrammt an Rezession vorbei

Deutschlands Wirtschaft ist im dritten Quartal um 0,1 Prozent gewachsen. Hauptgründe waren ein Anstieg des Konsums und der Exporte. Damit entgeht Europas größte Volkswirtschaft knapp einer Rezession.

Container im Hamburger Hafen: Leichtes Wirtschaftswachstum Zur Großansicht
REUTERS

Container im Hamburger Hafen: Leichtes Wirtschaftswachstum

Berlin - Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal an einer Rezession vorbeigeschrammt. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Juli bis September um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Im zweiten Quartal war die Wirtschaft zudem nur um revidiert 0,1 Prozent geschrumpft, nicht um 0,2 Prozent, wie zunächst angenommen.

Das Mini-Wachstum ist psychologisch wichtig. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Experten von Rezession.

"Positive Impulse kamen nach vorläufigen Berechnungen vor allem von den privaten Haushalten, die ihre Konsumausgaben kräftig erhöhten", erklärten die Statistiker. "Darüber hinaus legten die Exporte stärker zu als die Importe."

Im Vergleich zum dritten Quartal 2013 legte das Bruttoinlandsprodukt um 1,2 Prozent zu. Auch für das Gesamtjahr 2014 dürfte es zu einem Wachstum von rund 1,2 Prozent reichen, sagen die meisten Experten voraus. Für das kommende Jahr gehen die Prognosen aber auseinander: Während die Bundesregierung eine leichte Beschleunigung auf 1,3 Prozent erwartet, gehen die Wirtschaftsweisen von einem Rückgang auf 1,0 Prozent aus.

"Die Konjunktur läuft nur mit halber Fahrt", sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands DIHK. "Das schwache Wachstum zeigt, wie die deutsche Wirtschaft unter den internationalen Krisen leidet, aber auch unter einem Vertrauensverlust in die heimische Politik."

"Am meisten beunruhigt die Investitionsschwäche", sagte Holger Sandte, Ökonom beim Finanzkonzern Nordea. "Heute unterlassene Investitionen schlagen sich morgen in verringerter Produktivität nieder. Im nächsten Jahr dürfte das Wachstum etwa bei einem Prozent liegen. Von einer Wachstumslokomotive kann nicht mehr die Rede sein."

Frankreich kommt in Schwung, Italien rutscht in die Rezession

Die französische Wirtschaft wächst indes wieder stärker. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Juli bis September um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, wie das Statistikamt Insee mitteilte. Das ist das erste Plus in diesem Jahr: Zu Jahresbeginn hatte es eine Stagnation gegeben, im Frühjahr ein Minus von 0,1 Prozent.

Die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone wird der EU-Kommission zufolge aber in der Konjunkturflaute verharren. Für 2014 insgesamt sagt sie nur ein Wachstum von 0,3 Prozent voraus, für 2015 von 0,7 Prozent. Das wirkt sich auch negativ auf die Staatsschulden aus. "Trotz spürbarer Ausgabenkürzungen dürften Frankreichs Staatsdefizit und die Schuldenstandsquote weiter steigen", erklärte die Kommission kürzlich.

Italiens Wirtschaft dagegen weiter auf Talfahrt. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im dritten Quartal um 0,1 Prozent, wie das Statistikamt Istat in Rom mitteilte. Bereits im Frühjahr war die Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent zurückgegangen. Zu Jahresbeginn war das Bruttoinlandsprodukt stagniert. Die italienische Wirtschaft dümpelt seit Jahren vor sich hin und rutschte dabei bereits mehrfach in die Rezession ab. Die Regierung erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt 2014 um 0,3 Prozent schrumpfen wird. Ministerpräsident Matteo Renzi will der Wirtschaft mit einer Arbeitsmarktreform Schwung verleihen.

ssu/dpa/Reuters

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insgesamt 84 Beiträge
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1. Es ist faktisch eine Rezession,
erasmus89 14.11.2014
da macht dieser Promille-Punkt keinen Unterschied. Woran das wohl liegen mag? :) Deutschland, der Wachstumsmotor, lol.
2.
MMXV 14.11.2014
Super,dann können wir ja die Korken knallen lassen. D.land schrammt an einer Rezession vorbei. Hurra! Ich sehe mindestens 6 Millionen Arbeitslose, immer mehr Armutszuwanderung, immer mehr Niedrig-Lohn-Jobs & steigende Altersarmut, aber das alles wird einfach beiseite gewischt - und Mutti's Weihnachtsansprache ist gerettet.
3. 0,1%~Wachstumin Deutschland ?
seneca55 14.11.2014
Danke, Kanzlerin, für die erfolgreiche Politik. Jetzt nimmt Deutschland wieder Fahrt auf, nach dem Minuswachstum im 2. Quartal 14. Wenn Deutschland und die EU so weiter wachsen, dann werden die 13% Arbeitslosigkeit in der EU bis 2020 zementiert bleiben resp. wachsen. Schäuble will aber weitere 10 Mrd. EUR über 4 Jahre investieren, was ca. einem 2. BER entspricht oder einem 1/2 Stuttgart21-Bahnhof.
4. Immer die selbe Rethorik
tommit 14.11.2014
man glaubt generell der Bundesbürger ist A) zu beruhigen und B) zu überwachen B braucht man um A besser ausführen zu können... Mir ist das ganze geraffel um Tausendstel schlichtweg egal, deshlab dazu auch keine Meinung, da soweiso in Berichten kräftig von der Regierung gestrichen wird,.... Man kann eben kein informationszeitalter aufrufen und dann Geheimniskrämerei und Klüngelei in der Praxis bevorzugen...
5.
marthaimschnee 14.11.2014
Nach Auffassung seriöser Wirtschaftstheorie beginnt Rezession bei 0,7% Wachstum. An dieser Stelle herrscht nämlich defacto Stagnation und das ist für eine wachstumsabhängige Wirtschaftsform bereits eine Katastrophe! Lustig wird sein, was jetzt passieren wird. Opfert man Schäubles heilige schwarze Null? Nein, die hat man doch gerade mühevoll zusammengeräubert. Also muß wieder das Sozialsystem ran, um neue Wohltaten für die Arbeitgeber zu finanzieren. Auf die Idee, daß die 6% Forderung der IGM dazu dienen könnten, uns vom Export und damit den Krisen im Ausland zu lösen, kommt natürlich niemand. Warum auch, der lausige Privatkonsum wird ja schon wieder hochgejubelt, obwohl 50% der Bevölkerung bereits ihr gesamtes Einkommen verkonsumieren müssen, um überhaupt zu existieren. Wo sollen da eigentlich Impulse herkommen?
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