Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Schwache Nachfrage: EU-Kommission sieht Deutschland am Rande der Rezession

Der wirtschaftliche Ausblick für die Eurozone ist schlecht. Die EU-Kommission rechnet im laufenden Jahr nur noch mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. Deutschland schlittert demnach sogar an der Rezession entlang.

Baustelle in Frankfurt/Oder: Schwaches Wachstum in Europa Zur Großansicht
DPA

Baustelle in Frankfurt/Oder: Schwaches Wachstum in Europa

Hamburg - In ihrer Herbstprognose geht die Europäische Kommission für den Rest des Jahres von einem schwächeren Wirtschaftswachstum sowohl in der EU als auch im Euroraum aus. Demnach soll das Bruttoinlandsprodukt 2014 in der EU um 1,3 Prozent und im Euroraum um 0,8 Prozent wachsen. Im Frühjahr hatten die Werte noch bei 1,2 beziehungsweise 1,7 Prozent gelegen.

Für das Jahr 2015 wird ausgehend von einer steigenden Auslands- und Binnennachfrage mit einem allmählichen Anstieg des Wachstums auf 1,5 Prozent beziehungsweise 1,1 Prozent gerechnet.

Deutschland schlittert nach einer Prognose der EU-Kommission in diesem Jahr am Rande der Rezession entlang. Das Wachstum werde nach dem negativen Frühlingsquartal auch im dritten Quartal bei null Prozent liegen, sagt die EU-Kommission in ihrer am Dienstag vorgelegten Herbstprognose voraus. Sinkt die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge, sprechen Volkswirte gemeinhin von einer Rezession.

Das Wachstumstempo in den einzelnen EU-Staaten im laufenden Jahr ist sehr unterschiedlich. Das Spektrum reiche von minus 0,7 Prozent in Kroatien bis 4,6 Prozent in Irland, heißt es in der Schätzung der EU-Kommission. Die Arbeitslosenquote soll bis 2016 in der EU auf 9,5 Prozent und im Euroraum auf 10,8 Prozent zurückgehen.

Sorgen bereitet der Kommission das Haushaltsdefizit der Franzosen, das in den kommenden Jahren noch wachsen dürfte: Von 4,4 Prozent 2014 auf 4,7 Prozent 2016. Die französische Regierung erwartet nach eigenen Angaben vom Oktober für das übernächste Jahr hingegen einen wesentlich niedrigeren Wert von 3,8 Prozent.

Insgesamt hält die EU-Kommission das Wachstum in der EU nicht für ausreichend. "Die Wirtschafts- und Beschäftigungslage verbessert sich nicht schnell genug", sagte Jyrki Katainen, der für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit zuständige Kommissionsvizepräsident mit Blick auf die hohe Arbeitslosigkeit vor allem in Südeuropa. "Um rasch eine anhaltende wirtschaftliche Erholung herbeizuführen, werden wir ein Investitionspaket im Umfang von 300 Milliarden Euro auf den Weg bringen. Investitionsförderung ist die Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Erholung."

Der für Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten, Steuern und Zoll zuständige Kommissar Pierre Moscovici sagte, die EU-Staaten müssten drei Ziele konsequent verfolgen: "glaubwürdige Haushaltspolitik, ehrgeizige Strukturreformen und öffentliche und private Investitionen". Besonders Frankreich und Italien standen zuletzt wegen ihrer hohen Neuverschuldung stark in der Kritik der anderen EU-Staaten.

Die langsame wirtschaftliche Erholung sei darauf zurückzuführen, "dass die Folgen der Krise, das heißt die nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit, die hohen Schuldenstände und die geringe Kapazitätsauslastung nur allmählich abklingen", heißt es in einer Erklärung der EU-Kommission.

Angesichts des schwächeren Wachstums wurden auch die Inflationsprognosen gesenkt. 2014 dürften die Verbraucherpreise um durchschnittlich 0,5 Prozent steigen, 2015 um 0,8 Prozent. Bisher ging die Kommission von Werten von 0,8 beziehungsweise 1,2 Prozent aus. Die schwache Inflation bereitet der Europäischen Zentralbank (EZB) seit langem Kopfzerbrechen, weil sie befürchtet, dass die geringe Teuerung negativ auf das Wachstum zurückstrahlt.

ssu/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 120 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Folgen der verfehlten Krisenbekämpfung
derandereblick 04.11.2014
"Die langsame wirtschaftliche Erholung sei darauf zurückzuführen, "dass die Folgen der Krise, d. h. die nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit, die hohen Schuldenstände und die geringe Kapazitätsauslastung nur allmählich abklingen"." Die Folgen der Krise? Das sind die Folgen einer verfehlten Krisenbekämpfung.
2. Mehr Geld.....!
Dan22 04.11.2014
Die Löhne der Arbeitnehmer stagnieren seit Jahren. Gebt der arbeitenden Bevölkerung mehr Geld und wir können wieder einkaufen gehen.
3.
blurps11 04.11.2014
Und was hilft gegen mangelnde Nachfrage ? "Reformen", die den Vermögenden noch mehr Kohle in den Hintern blasen und Einkommen und Absicherung der grossen Bevölkerungsmehrheit weiter senken natürlich ! Was denn sonst ? Sind schon richtige Cleverles, unsere Merkels und Camerons.
4. Schwache nachfrage?
braman 04.11.2014
Durch Einkommenssenkungen wie in GR, E, I, P steigt diese sicher nicht! Da sollte sich mal Herr Hoffman vom DGB und Andere, ein Beispiel nehmen an der GDl wie man die Kaufkraft der Leute mit geringem Einkommen (genannt: Arbeitnehmer) stärken kann anstatt mit den Arbeitgebern und Kapitaleignern im gleichen Chor zu singen.
5. Die EU-Kommission
leser75 04.11.2014
greift in die Randbedingungen des Warenverkehrs ein, Beispiel: Elbvertiefung, und beklagt den Rückgang der Tonnage und damit des Welthandels. Paradoxer gehts nicht!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Junckers EU-Kommission

Die Maastricht-Kriterien
DPA
Die Teilnahme an der Europäischen Währungsunion ist nach dem Vertrag von Maastricht an fünf Kriterien geknüpft. Sie sollen sicherstellen, dass die Euro-Länder sich wirtschaftlich so angenähert haben, dass sie reif für eine gemeinsame Währung sind:

1. Die Neuverschuldung soll nicht mehr als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen.

2. Für die Staatsverschuldung gilt ein Richtwert von 60 Prozent des BIP, den die Länder einhalten oder dem sie sich annähern sollen.

3. Die Inflationsrate darf nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten Länder liegen.

4. Die langfristigen Zinssätze dürfen nicht mehr als zwei Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten EU-Länder liegen.

5. Die Währung muß sich mindestens zwei Jahre spannungsfrei und ohne Abwertung im Europäischen Währungssystem bewegt haben.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: