Konjunktur Eurozone hängt US-Wirtschaft ab

Wortgewaltig hatte US-Präsident Donald Trump einen Wachstumsschub für die Wirtschaft versprochen. Jetzt zeigt Europa, wie das geht - mit einem Plus, das doppelt so hoch ausfällt wie das in den USA.

Turbinenbau
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Die Eurozone hat die weltgrößte Volkswirtschaft USA zu Jahresbeginn beim Wachstum in den Schatten gestellt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Januar bis März um 0,5 Prozent zum Vorquartal zu - mehr als doppelt so stark wie das in den USA. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten ersten Schätzung des Statistikamts Eurostat hervor. Ökonomen hatten mit diesem Ergebnis gerechnet, nachdem es im Schlussquartal 2016 ebenfalls ein Plus von revidiert 0,5 (bisher: 0,4) Prozent gegeben hatte.

Die US-Wirtschaft hat dagegen einen eher schwachen Start ins Jahr 2017 erwischt. Ende April hatte das Handelsministerium Zahlen veröffentlicht, nach denen das BIP im ersten Quartal mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 0,7 Prozent zum Vorquartal gewachsen war.

Damit verzeichneten die USA mit Amtsantritt von Präsident Donald Trump das schwächste Wachstum seit drei Jahren. Ende 2016 hatte die vor China größte Volkswirtschaft der Welt noch um 2,1 Prozent zugelegt. Analysten hatten zwar eine Abschwächung erwartet, allerdings nur auf 1,0 Prozent.

Erstaunliche Stärke

Wachstumszahlen werden in den USA auf ein Jahr hochgerechnet. Die annualisierten Raten geben an, wie stark die Wirtschaft wachsen würde, wenn das Tempo ein Jahr lang anhalten würde. In Europa wird auf diese sogenannte Annualisierung verzichtet. Deshalb sind die Werte nicht unmittelbar miteinander vergleichbar.

"Es ist doch erstaunlich, wie stark sich die Eurozone zeigt", sagte der Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel. "Lange Zeit galt die Währungsunion als kranker Mann, doch davon kann derzeit keine Rede sein." Der niedrige Eurokurs kurbelt die Exporte an, die zudem von der besseren Weltkonjunktur profitieren. Auch der private Konsum dürfte das Wachstum stützen, obwohl die Kaufkraft unter der höheren Inflation leidet. Dafür ist die Arbeitslosigkeit in den vergangenen Monaten merklich gesunken.

Spanien ganz vorn

Zu den am schnellsten wachsenden Euroländern gehört Spanien. Hier nahm das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,8 Prozent zu. Dagegen schaffte die französische Wirtschaft nur ein Plus von 0,3 Prozent. "Kommt es am Sonntag zu einem Wahlsieg von Emmanuel Macron, wachsen die Chancen auf Reformen", so Gitzel. "Gezielte Liberalisierungsschritte am Arbeitsmarkt könnten am Ende große Wirkung zeigen und für neue Dynamik der zuletzt lahmen französischen Volkswirtschaft sorgen." Eine erste Schätzung für Deutschland wird erst kommende Woche veröffentlicht. Ökonomen sagen hier ein Wachstum von etwa 0,5 Prozent voraus.

Nach dem guten Jahresauftakt könnte die Europäische Zentralbank (EZB) nach Einschätzung einiger Volkswirte ihre Wachstumsprognose von derzeit 1,8 Prozent für die Eurozone im Gesamtjahr 2017 nach oben korrigieren. "Doch dies bedeutet nicht, dass die EZB bald aus ihrer ultraexpansiven Geldpolitik aussteigt", sagte Commerzbank-Experte Christoph Weil. "Zum einen gehen wir davon aus, dass das höhere Wirtschaftswachstum nicht nachhaltig ist, denn in der zweiten Jahreshälfte dürften insbesondere die Impulse von der Weltwirtschaft wieder etwas nachlassen." Zum anderen sei die Kerninflation - also die Verbraucherpreise ohne Energie, Nahrungs- und Genussmittel - nach wie vor schwach.

Die EZB hält ihren Leitzins seit März 2016 auf dem Rekordtief von null Prozent. Damit sowie dem Kauf von Wertpapieren will sie die Konjunktur und die Inflation anschieben.

mik/Reuters

insgesamt 41 Beiträge
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joG 03.05.2017
1. Merkwürdig.....
....wie triumpfalistsch im Gegensatz zu informativ man solche Dinge berichtet. Es mag interessant sein, dass die Eu in den ersten Zügen einer Erholung nach zehn Jahren Rezession schneller wächst als ein anderer und wohlhabenderer Wirtschaftsraum nach mehreren Jahren Wachstum und mit bereits steigenden Zinsen. Aber Grund zum Stolz ist wenig. Auch wäre es schön, wenn der Bericht nicht von einem europäischen Institut käme kurz vor einer existentiellen Wahl und mit dem Griechenland Problem im Nacken.
texas_star 03.05.2017
2. eher die Zinspolitik
Null-Zins Politik der EZB versus die FED die dieses Jahr schon mehrmals die Zinsen angehoben hat... mini-Wachstum mit Nullzins-Politik ist kein Grund zum Jubeln....
Schweineschnitzel0815 03.05.2017
3.
"Gezielte Liberalisierungsschritte am Arbeitsmarkt könnten am Ende große Wirkung zeigen und für neue Dynamik der zuletzt lahmen französischen Volkswirtschaft sorgen" Bedeutet den Kündigungsschutz lockern etc. Ob dies die Franzosen mitmachen? Hier sind die Leute schnell auf den Barrikaden und extremer Widerstand ist doch schon vorprogrammiert. Und Spanien ganz weit vorn mit 0,8% , Frankreich 0,3% Deutschland 0,5% und auf Jahressicht EU gesamt 1,8% ? Als Laie nicht nachvollziehbar- sorry.
chk23 03.05.2017
4.
Äh, Waffengeschäfte, Outsourcing in Billiglohnländer und Wirtschaftskriminalität insbesondere Steuervermeidung sind die ersten Dinge, die Ihnen bei einem Vergleich zwischen US Wirtschaft und EU Wirtschaft als erstes ausgerechnet auf der EU-Seite einfallen? Ernsthaft?
habenix 03.05.2017
5.
Wenn die Wirtschaft so gut läuft, dann bitte rauf mit den Zinsen, sofort.
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