Italien, Spanien und Co. So steht es um Europas Krisenstaaten

Die Wirtschaft in der Euro-Zone zieht an, Ökonomen sind überrascht. Doch Wackelkandidaten wie Italien oder Zypern könnten den Schwung bremsen. Wer in Europa wo steht - der Überblick.


Brüssel - Die Konjunktur im Euro-Raum hat sich zum Jahresende stärker erholt als erwartet. Im vierten Quartal lag die Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent höher als im Vorquartal. Das zeigt eine Schnellschätzung des europäischen Statistikamts Eurostat. Ökonomen hatten nur mit einem Anstieg um 0,2 Prozent gerechnet. Im dritten Quartal hatte es ein Mini-Plus von 0,1 Prozent gegeben.

Im Jahresvergleich wuchs die Wirtschaft im Euro-Raum laut Eurostat im vierten Quartal um 0,5 Prozent. Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg um 0,4 Prozent gerechnet. Die Werte für das dritte Quartal korrigierten die Statistiker zudem leicht nach oben: Die Wirtschaftsleistung schrumpfte demnach nur um 0,3 Prozent, zunächst war die Rede von 0,4 Prozent gewesen. Im Gesamtjahr 2013 schrumpfte die Euro-Wirtschaft um 0,4 Prozent.

Unsicherheitsfaktor Nummer eins bleiben die Krisenländer. Dort entwickelt sich die Konjunktur sehr unterschiedlich, wie der nachfolgende Überblick zeigt:


Frankreich:

Champs-Elysées in Paris: Arbeitsmarkt und Steuerpolitik als Risikofaktoren
REUTERS

Champs-Elysées in Paris: Arbeitsmarkt und Steuerpolitik als Risikofaktoren

Lage: Mit 0,3 Prozent wuchs die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone im vierten Quartal etwas schneller als erwartet. Sie befreite sich damit aus der Stagnation. Dennoch reichte es im Gesamtjahr 2013 nur zu einem Plus von 0,3 Prozent.

Aussichten: Für 2014 rechnet die Notenbank mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Frankreich leidet unter einer hohen Arbeitslosigkeit. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet deshalb die EU-Kommission. Das bremse den Konsum.


Italien:

Kolosseum in Rom:   Nach zwei Jahren Stagnation fehlt der Schwung
REUTERS

Kolosseum in Rom: Nach zwei Jahren Stagnation fehlt der Schwung

Lage: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Oktober bis Dezember um 0,1 Prozent zu. Das war das erste Wachstum seit Mitte 2011. Dennoch schrumpfte das BIP im Gesamtjahr um 1,9 Prozent.

Aussichten: Zwei Rezessionsjahren folgt eine kraftlose Erholung. 2014 wird von der EU-Kommission ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, 2015 von 1,2 Prozent. Steigende Exporte dürften die Unternehmen zu mehr Investitionen ermutigen. Die Arbeitslosenquote soll 2014 noch einmal leicht steigen, was den Konsum dämpft.


Spanien:

  Madrid: Aufschwung gewinnt erst 2015 an Fahrt
Getty Images

Madrid: Aufschwung gewinnt erst 2015 an Fahrt

Lage: Der Notenbank zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 0,3 Prozent gewachsen. Trotzdem dürfte die Wirtschaft 2013 das zweite Jahr in Folge geschrumpft sein - voraussichtlich um 1,2 Prozent.

Aussichten: 2014 soll es ein mageres Wachstum von 0,5 Prozent geben, erwartet die EU-Kommission. Das Plus soll sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen. Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher dürften durch den Umbau des Bankensektors nach wie vor schwer an Kredite kommen. Die Exporte sollen dagegen gut laufen und stetig zulegen.


Griechenland:

Griechische Insel Spetses: Hoffen auf 2015
Getty Images

Griechische Insel Spetses: Hoffen auf 2015

Lage: Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging es Ende 2013 noch einmal um 2,6 Prozent nach unten. Immerhin: Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung noch um mehr als das Doppelte eingebrochen.

Aussichten: Das BIP soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission. Schwachpunkt bleibt die Rekordarbeitslosigkeit von aktuell 28 Prozent, die den Konsum bremst.


Portugal:

Altstadt von Lissabon: Nach drei Minus-Jahren wächst die Wirtschaft wieder
Corbis

Altstadt von Lissabon: Nach drei Minus-Jahren wächst die Wirtschaft wieder

Lage: Das Wachstum beschleunigte sich im vierten Quartal auf 0,5 Prozent. Dadurch schrumpfte die Wirtschaft 2013 nur noch um 1,4 Prozent, nach 3,2 Prozent im Jahr 2012.

Aussichten: 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen. Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,8 Prozent erhöhen soll, erwartet die Regierung. Wachstumstreiber sind vor allem die Exporte, aber auch die Binnennachfrage soll 2014 wieder anziehen.


Zypern:

Zyprische Hauptstadt Nikosia: Erholung vorerst kaum zu erwarten
DPA

Zyprische Hauptstadt Nikosia: Erholung vorerst kaum zu erwarten

Lage: Um voraussichtlich 5,5 Prozent ist die Wirtschaftsleistung 2013 eingebrochen. Ursprünglich war sogar ein Minus von 8,7 Prozent erwartet worden, doch lief der private Konsum besser als angenommen.

Aussichten: 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die EU-Kommission. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen.

mik/dpa-AFX

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insgesamt 105 Beiträge
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Seite 1
raphaela45 14.02.2014
1. Wenn alles
so toll läuft, warum rückt die Vermögensabgabe (und "Vermögen" ist z. B. auch ein selbstgenutztes EFH) immer näher? http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/01/27/bundesbank-stimmt-zwangsabgabe-auf-sparguthaben-zu/
tjivi 14.02.2014
2. Aha! Die Konjunktur hat sich erholt!
Dann darf der Bürger aufatmen und muss sich nicht um die Zukunft sorgen. Genau darauf zielen solche Berichte ab. Die Öffentlichkeit wird einseitig informiert, positive Entwicklungen aus dem Gesamtkontext gerissen, und der Bürger wird keine unangenehmen Fragen stellen oder gar zu Protesten und Demonstrationen aufrufen. Den wenigen kritischen Bewegungen wie z.B. "occupy" werden Demonstrationen schlichtweg untersagt, Versammlungen aufgelöst.Fakt bleibt: eine Lösung für Europas Probleme sind nicht in Sicht. Man muss nur verschiedene Medien, auch ausländische, die kein Interesse an einer "Schönredung" der wirtschaftlichen Lage Europas haben, zur Kenntnis nehmen. Zu den potentiellen Krisenländern der Zukunft zählen auch Fankreich und Deutschland.
RenegadeOtis 14.02.2014
3.
Zitat von raphaela45so toll läuft, warum rückt die Vermögensabgabe (und "Vermögen" ist z. B. auch ein selbstgenutztes EFH) immer näher? http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/01/27/bundesbank-stimmt-zwangsabgabe-auf-sparguthaben-zu/
Sie meinen die Abgabe, die von der Bundesbank als "technisch möglich" aber absolute "ultima ratio", "zur Zeit nicht", "auf keinen Fall jetzt" und "mit Sicherheit nicht in Deutschland" bezeichnet hat? Haben diese "Deutsche Wirtschaftsnachrichten" vergessen zu erwähnen?
axelmueller1976 14.02.2014
4. Das Märchen vor der Europa-Wahl
Zitat von tjiviDann darf der Bürger aufatmen und muss sich nicht um die Zukunft sorgen. Genau darauf zielen solche Berichte ab. Die Öffentlichkeit wird einseitig informiert, positive Entwicklungen aus dem Gesamtkontext gerissen, und der Bürger wird keine unangenehmen Fragen stellen oder gar zu Protesten und Demonstrationen aufrufen. Den wenigen kritischen Bewegungen wie z.B. "occupy" werden Demonstrationen schlichtweg untersagt, Versammlungen aufgelöst.Fakt bleibt: eine Lösung für Europas Probleme sind nicht in Sicht. Man muss nur verschiedene Medien, auch ausländische, die kein Interesse an einer "Schönredung" der wirtschaftlichen Lage Europas haben, zur Kenntnis nehmen. Zu den potentiellen Krisenländern der Zukunft zählen auch Fankreich und Deutschland.
Es ist das übliche Spiel der Politik .Dem Wähler wird etwas vorgegaukelt ,was er nicht überprüfen kann und nach Wahl kommen wieder die Schreckens-Nachrichten. Wähler seit vorsichtig und wählt deshalb AfD.
Afrojüdischer_Sozi-Sinti 14.02.2014
5. die Wirtschaft wächst, die Wirtschaft schrumpft...
Und was haben die Leute von? Die Löhne sollen ja ohnehin in keinem Fall erhöht werden, um entweder den Aufschwung nicht zu Bremsen oder um den Abschwung nicht zu verstärken. Egal ob Euro, DM, Drachme oder Lire, die Mehrheit schaut bei dem weiteren Festhalten an den pseudoliberalen Dogmen in der Wirtschaft am Ende in die Röhre.
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