Schwache Konjunktur Europas Sparpolitik drückt deutsches Wachstum

Der deutschen Wirtschaft macht die Euro-Krise zunehmend zu schaffen. Das gewerkschaftsnahe IMK-Institut senkt seine Prognose für das laufende Jahr auf nur noch 0,3 Prozent. Auch für 2014 korrigieren die Forscher ihre Vorhersage.

Baustelle in Hannover: "Stagnativer Trend"
DPA

Baustelle in Hannover: "Stagnativer Trend"


Düsseldorf - Die Sparpolitik in vielen EU-Ländern belastet zunehmend das deutsche Wirtschaftswachstum. Das geht aus der jüngsten Konjunkturprognose des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hervor. Außerdem würden die Impulse aus Ländern außerhalb der EU geringer ausfallen als bisher erwartet, teilte das gewerkschaftsnahe Institut am Dienstag mit. Die Nachfrage aus Übersee sei vor allem in diesem Jahr zu schwach, um die Flaute in Europa auszugleichen.

Vor diesem Hintergrund senkten die Konjunkturforscher ihre Wachstumsprognose für 2013 von bisher 0,9 Prozent auf 0,3 Prozent. Für 2014 wurde die Vorhersage ebenfalls nach unten korrigiert: Das Bruttoinlandsprodukt soll demnach um 0,8 Prozent statt 1,5 Prozent zulegen. Zuvor hatten bereits andere Institute in Deutschland und auch die Bundesbank ihre Konjunkturprognosen für Deutschland gesenkt.

Die deutsche Wirtschaft schwenke auf einen "stagnativen Pfad", heißt es beim IMK. Wichtigste Stütze der Konjunktur sei in nächster Zeit weiterhin der private Konsum. "Wir gehen davon aus, dass die Löhne und Gehälter in diesem und im kommenden Jahr real zulegen werden und die Arbeitslosigkeit nur moderat steigt", sagte der Leiter des IMK, Gustav Horn. Unter diesen Voraussetzungen könne die private Nachfrage Schlimmeres verhindern.

Die Situation im Euro-Raum werde sich aber nicht erneut verschärfen. Um die Krise in Europa zu überwinden, sei eine weitere Absenkung der Zinssätze in den Euro-Krisenländern unerlässlich.

Der Arbeitsmarkt zeige sich robust - trotz gegenläufiger Trends bei Beschäftigung und Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Erwerbstätigen werde in diesem Jahr um gut 240.000 steigen und im nächsten um weitere 70.000. Da aber zugleich mehr Menschen - darunter auch mehr Zuwanderer - auf Jobsuche seien, ziehe die Arbeitslosigkeit moderat an: im Jahresschnitt 2013 um 59.000 auf knapp 2,96 Millionen und 2014 auf 3,02 Millionen.

yes/dpa/Reuters



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insgesamt 19 Beiträge
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Progressor 02.07.2013
1. Konjunkturprogramm jetzt!
Wenn sich eine Volkswirtschaft in einer Rezession befindet oder auch nur droht da hinein zu rutschen, muss der Staat dem sofort entgegen wirken. Auf einen Aufschwung am Ende des Jahres oder im nächsten Jahr würde ich mich mal nicht verlassen, es gibt keine Gründe für Optimismus. Bei dem jetzt prognostizierten Wachstum für 2013 wird es _definitiv_ zu einem Beschäftigungsabbau kommen. Wir sollten mal nicht den Fehler der südlichen Problemländer machen.
women_1900 02.07.2013
2.
Zitat: Da aber zugleich mehr Menschen - darunter auch mehr Zuwanderer - auf Jobsuche seien, ziehe die Arbeitslosigkeit moderat an: im Jahresschnitt 2013 um 59.000 auf knapp 2,96 Millionen und 2014 auf 3,02 Millionen. Da musss aber dann ganz schnell eine neue Agenda her, um all die faulen Säcke zu "fordern".
Isix 02.07.2013
3. Läuft wohl alles super
Etwas Wachstum in sicht, alles stabil, keine Eintrübungen erwartet, was will man mehr, ausser mehr Gehalt? Ja prima!
zudummzumzum 02.07.2013
4. Tja, so ist das eben, wenn ...
Zitat von sysopDPADer deutschen Wirtschaft macht die Euro-Krise zunehmend zu schaffen. Das gewerkschaftsnahe IMK-Institut senkt seine Prognose für das laufende Jahr auf nur noch 0,3 Prozent. Auch für 2014 korrigieren die Forscher ihre Vorhersage. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/konjunktur-in-deutschland-imk-senkt-prognose-a-908996.html
... wir den Leuten nicht mehr das Geld dafür "leihen", dass sie sich bei uns Sachen kaufen können. Huch, wer hätte das geahnt? Und so stellt sich die spannende Frage, wie der gordische Knoten zerschlagen werden soll: wer hat mehr Schutz verdient: diejenigen, die in der Vergangenheit Geld "gespart" haben und heute auf Zinsen und Rückzahlung warten. Deren Guthaben aber zu einem Gutteil auf diesen Kreditgeschäften beruht. Oder eben doch diejenigen, die heute eine Situation vorfinden, in der die Staatsschulden der anderen Länder (aber auch die eigenen) so hoch sind, dass jeder 6. Steuereuro für Zinsen und/oder Tilgung ausgeben, so dass jedwedes auf Zukunft gerichtetes Handeln unter der Last der Altschulden zu ersticken droht. Klar, die Alten, die zu einem gewissen Wohlstand an Geld gekommen sind, sind in der Mehrheit - was in der Demokratie ein gewichtiges Argument ist. Aber je weiter die Schere zwischen den jungen, die die Schulden abbezahlen sollen und den Alten,die auf ihre Zinsen warten, aufgeht, umso schwieriger wird der Kompromiss. Und spätestens, wenn der Arbeitsmarkt ins Stottern gerät, wird er fast unmöglich, weil dann der Interessengegensatz offen zu Tage tritt. Wie lange wollen wir Deutsche noch das Prinzip Hoffnung wählen, wonach der große Knall erst eintritt, nachdem wir in Rente (oder schon danach) sind.
dapmr75 02.07.2013
5. Mehr Schulden jetzt!!!
Logisch, nach Jahren strenger Sparpolitik und klarer Senkung der Schuldenquoten wird es jetzt Zeit, mehr Schulden zu machen und endlich wieder gesundes kreditfinanziertes "Wachstum" (aka Konsum) zu erzeugen. Weiter so und bloss nicht aus den letzten fünf Jahren der Dummheiten nicht lernen!
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