Konjunktur Bürger und Firmen treiben deutsches Wachstum an

Der Export gilt als Deutschlands Wirtschaftsmotor. Doch das stimmt so nicht mehr: Die Kauflaune der Verbraucher und Investitionen der Unternehmen treiben inzwischen das Wachstum - auch wenn die Euphorie der Manager etwas schwindet.

Kunden im Elektromarkt: Bürger treiben Wirtschaftswachstum an
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Kunden im Elektromarkt: Bürger treiben Wirtschaftswachstum an


Wiesbaden/Berlin - So stark wie von Januar bis März ist die deutsche Wirtschaft seit drei Jahren nicht mehr gewachsen - um 2,5 Prozent legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu.

Bemerkenswert ist allerdings nicht nur die Dynamik des Konjunkturschubs, sondern auch dessen Ursache: Ausschließlich die hohe Nachfrage von Bürgern und Unternehmen ist für das stärkere Wirtschaftswachstum verantwortlich, wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Der Export, jahrelang Garant für Deutschlands ökonomische Stärke, bremst inzwischen hingegen die Konjunktur.

Die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen legten im Vergleich zum Vorquartal nur minimal um 0,2 Prozent zu, die Warenexporte allein gingen sogar um 0,5 Prozent zurück. Die Importe wuchsen hingegen deutlich um 2,2 Prozent. Für den gesamten Außenhandel ergibt sich damit ein negativer Beitrag zum Wachstum von 0,9 Prozentpunkten.

Insgesamt wuchs die deutsche Wirtschaft in den ersten drei Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorquartal - also dem Zeitraum von Oktober bis Dezember 2013 - dennoch um 0,8 Prozent. Die Unternehmen investierten sogar 3,3 Prozent mehr in Maschinen, Anlagen und andere Ausrüstung als im Vorquartal. Die Bauinvestitionen stiegen wegen der äußerst milden Witterung sogar um 3,6 Prozent. Zwar trübt sich die Stimmung in den Chefetagen derzeit leicht ein, bleibt aber absolut gesehen auf hohem Niveau.

Mehr Beschäftigte, mehr Konsum

Auch die Verbraucher setzten am Jahresanfang ihre seit langem in Umfragen bekundete Kauflaune in die Tat um: Die privaten Haushalte gaben 0,7 Prozent mehr aus als im Vorquartal. Begünstigt wurde das von der Rekordbeschäftigung, steigenden Löhnen und niedriger Inflation. Der Staat steigerte seine Konsumausgaben ebenfalls, allerdings weniger stark um 0,4 Prozent

Damit haben die ausgabefreudigen deutschen Unternehmen und Verbraucher auch einen Großteil dazu beigetragen, dass die Euro-Zone als Ganzes gewachsen ist. Allerdings fiel die Steigerung mit 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal bescheiden aus.

Zu den höheren Konsumausgaben der deutschen Verbraucher dürfte auch geführt haben, dass die Zahl der Beschäftigten gestiegen ist. Im Zeitraum von Januar bis März waren 41,7 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstätig, ein Jahr zuvor waren es noch 344.000 Menschen weniger.

fdi/Reuters/dpa/AFP

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Wassup 23.05.2014
1. Wir sind eine rohstoffarme Importnation
Die Konjunkturentwicklung ändert die Standortbedingungen nicht in grundsätzlicher Art und Weise: Wir sind eine rohstoffarme Importnation. Wir müssen wichtige Halbfabrikate und Rohstoffe zukaufen weil wir selbst nicht darüber verfügen. Um importieren zu können müssen wir Exportieren. Als reine Binnenwirtschaft kann sich Deutschland nicht organisieren, dazu sind wir zu klein und verfügen nicht über die Rohstoffe/Halbfabrikate.
wi.pe.brck 23.05.2014
2. Frage mich
in welchen Branchen diese 344.000 Menschen eingestellt wurden, und wieviel Prozent Vollzeit, Teilzeit- oder befr. Arbeitsplätze erhalten haben? In den Medien liest man meistens jedoch von Personalabbau!!!
Jonny_C 23.05.2014
3. Raus mit der Kohle.....
Zitat von sysopDPADer Export gilt als Deutschlands Wirtschaftsmotor. Doch das stimmt so nicht mehr: Die Kauflaune der Verbraucher und Investitionen der Unternehmen treiben das Wachstum auf einsame Höhen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/konjunktur-wachstum-der-wirtschaft-durch-konsum-und-investitionen-a-971226.html
...und (relativ) langlebige und hochwertige Produkte gekauft, bis der Euro crashed. So denken "alle" Menschen in meinem Umfeld. Schnell noch mal in den Urlaub, bevor wir es uns gar nicht mehr leisten können. Jetzt noch ein großes neues Auto, das nächste wird mindestens 3 Stufen kleiner und muss auf Pump gekauft werden. Eine hochwertige Renovierung von Haus und Wohnung, muss dann die nächsten 15 Jahre halten. "Komm Schatz, kauf Dir den Schmuck und das tolle Abendkleid, es wird vielleicht das letzte Mal sein......" So treiben die Bürger das Wachstum, nicht anders ! Nicht weil sie glauben es wird demnächst alles besser und das Wachstum sei stabil !
Steuerbürger Auspressen 23.05.2014
4. Was heisst den hier
Blödsinn: Es ist die Kapitalflucht in langlebige Sachwerte. Bundesregierung und EZB bestrafen gerade die Dummen, die sparen, Geld zurücklegen für die Rentenlücke. Sie ruinieren gerade unsere Altersversorgung, unsere Lebensversicherungen unsere Sparguthaben. Wer eine Riesterrente z.B. bei der HUK abgeschlossen hat ärgert sich dumm und dämlich, weil die HUK-Gebühren die staatlichen Zuschüsse nahezu aufzehren - zumal jedes Kind, das 18 wird rausfällt - bei der HUK-Riester als Neuabschluss gewertet wird: das heisst nochmal 5 Jahre Abschluss gebühren blechen für diese Versicherung. Und dann kaum noch Zinsen. Ein Witz!!! Im Alter erwartet unsere Gesellschaft ein Armuts-Tsunami. Und wieder ist die Politik schuld. Drum, freunde, haut die Kohle raus bis nichts mehr da ist - dann bekommt ihr auch gleich Harz IV, weil kein vermögen mehr vorhanden ist - wie bei unseren vielen Zugezogenen. Der Ehrliche und Fleissige ist der Dumme - das ist die Wahrheit hinter der "guten Konsumlaune"!
Mangalore 23.05.2014
5. Nachrichtenfilter und Wahrnehmung
Zitat von wi.pe.brckin welchen Branchen diese 344.000 Menschen eingestellt wurden, und wieviel Prozent Vollzeit, Teilzeit- oder befr. Arbeitsplätze erhalten haben? In den Medien liest man meistens jedoch von Personalabbau!!!
Entlassungen passieren aufgrund finanzieller Probleme oder Umstellungen des Unternehmens als massive Reorganisationsmaßnahmen => viele Leute verlieren gleichzeitig ihre Arbeit. => sowas ist eine Meldung wert Einstellungen passieren inkrementell und unspannend über mehrere Jahre fortlaufend (einzige Ausnahme Werkseröffnungen von Großkonzernen, das passiert vielleicht alle paar Jahre mal und Deutschland hat meistens eher kleinere Firmen) => Kommt nicht in die Nachrichten. Die Statistiken wie die Beschäftigungszahlen aussehen (hier 344000) sind dementsprechend die einzige für Medien und Staat zugreifbare Kennzahl, um zu sehen ob mehr Leute eingestellt als entlassen werden.
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