Eingetrübte Konjunktur Deutschland verabschiedet sich von Jubelprognosen

Unternehmen zögerlich, Verbraucher zurückhaltend: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verschlechtert sich. Eine Ursache ist die Ukraine-Krise. Doch die größten Konjunkturrisiken liegen näher.

Bauarbeiter in Hannover: Hoffnung auf Investitionen wurde enttäuscht
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Bauarbeiter in Hannover: Hoffnung auf Investitionen wurde enttäuscht

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Berlin - Ende 2013 war die Welt noch in Ordnung. Über ein "Geschenk vom Weihnachtsmann" und "prächtige Aussichten" jubelte damals der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, mit Blick aufs bevorstehende Jahr. Die deutsche Wirtschaft werde 2014 um 1,9 Prozent wachsen - fast fünf Mal so stark wie im Vorjahr.

Solch frohe Vorhersagen erscheinen inzwischen als Makulatur. In Deutschland trübt sich die Stimmung ein, auch unter Verbrauchern. Der GfK-Konsumklimaindex sank am Freitag zum zweiten Mal in Folge auf den niedrigsten Stand seit Februar. Offenbar verunsichert durch die internationalen Krisen, vergeht vielen Bürgern die Lust aufs Einkaufen.

Die GfK-Zahlen allein wären noch nicht allzu alarmierend. Konsumklimaindizes haben eine vergleichsweise geringe Vorhersagekraft, die Auskünfte der Verbraucher decken sich nur bedingt mit ihrem tatsächlichen Verhalten. Auch jetzt sprechen die Daten gegen allzu große Kaufzurückhaltung, denn ihnen zufolge ist im September auch die sogenannte Sparneigung deutlich zurückgegangen.

Doch es gibt weitere Warnsignale: Die 7000 für den Ifo-Geschäftsklimaindex befragten Manager zeigen sich so pessimistisch wie zuletzt vor fast anderthalb Jahren, das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer fiel zum fünften Mal in Folge. Die Industrieländerorganisation OECD und die Wirtschaftsforschungsinstitute RWI und IWH senkten ihre Wachstumsprognosen für Deutschland bereits auf 1,5 Prozent. In dieselbe Richtung dürfte es in Kürze bei der Herbstdiagnose deutscher Institute gehen.

Besonders spannend wird es Mitte November, wenn erste Zahlen zum dritten Quartal vorgelegt werden. Zwischen April und Juni war die deutsche Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent geschrumpft. Falls nun erneute ein Minus vor dem Komma steht, so würde Deutschland sogar offiziell in die Rezession rutschen - die ist definiert als zwei Quartale mit schrumpfender Wirtschaftsleistung in Folge.

Ganz so düster blicken Experten dann aber doch nicht in die Zukunft. Im Moment sehe es für Deutschland nach einem leichten Wachstum im dritten Quartal aus, sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW-Bankengruppe. Auch ein erneuter Absturz der Nachbarländer sei vorerst unwahrscheinlich. "Ich glaube nicht, dass wir 2014 in Europa noch mal in eine Rezession kommen."

"Europa läuft noch schlechter als ursprünglich gedacht"

Doch wieso muss sich Deutschland jetzt schon über eine ausbleibende Rezession freuen, wenn die Aussichten vor einigen Monaten noch so gut waren? "Der größte Unterschied zum Jahresanfang ist die enttäuschende Investitionstätigkeit", sagt Zeuner. Die Hoffnung, dass Unternehmer lange aufgeschobene Ausgaben tätigen, hat sich nicht erfüllt.

Verunsichert wird die Wirtschaft dabei zwar auch zunehmend durch die Ukraine-Krise. Das größte Problem aber bleibt die Schwäche der europäischen Nachbarn. "Europa läuft noch schlechter als ursprünglich gedacht", sagt Zeuner. "Das Nullwachstum von Frankreich und Italien ist das Hauptthema."

Beide Länder gaben auch am Freitag wenig Grund zur Hoffnung: Das Geschäftsklima in Italien fiel im September auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr. Und in Frankreich verharrt die Verbraucherstimmung auf einem Tief von 86 Punkten. Die Franzosen sorgt laut Umfragen vor allem ein Rekordhoch bei den Arbeitslosenzahlen. Das immerhin ist ein Problem, das Deutschland bislang definitiv nicht hat.

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insgesamt 116 Beiträge
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Bondurant 26.09.2014
1. Tja
*"Europa läuft noch schlechter als ursprünglich gedacht" * so ist das wohl.
euro-paradies 26.09.2014
2. Unsere sozialistische Arbeitsministerin Nahles und der Wi-Minister
Gabriel, beide ausgewiesene praxiserprobte Wirtschaftsexperten werden das schon hinkriegen. Noch ein paar sozialistische Gesetze durchpeitschen, und mit der Wirtschaft geht es rasend bergab. Sogar die CDU/CSU unterstützen die Talfahrt in die DDR 2.0 bravo Frau Merkel und Herr Seehofer!!
aaaron 26.09.2014
3. Mehr Drogenkonsum könnte helfen
Da jetzt auch Zigarettenschmuggel und Drogenkonsum offiziell zum Sozialprodukt hinzugerechnet wird, könnte mehr Kiffen eine Lösung für unser Wachstumsproblem darstellen.
sking 26.09.2014
4. Endlich
geht's auch für uns bergab. Es würde Zeit, dass sich was dreht. Mal gucken, ob die Schafherde endlich mit dem Nachdenken bedenkt. Vorhang auf, der "Showdown" beginnt...
baboinfinite 26.09.2014
5.
Mein Gott, in einer Woche heißt es wieder Boom-Phase
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