Konjunktur Wirtschaftsweise senken Wachstumsprognose deutlich

Die wirtschaftliche Entwicklung bereitet den Wirtschaftsweisen Sorgen. Ihre Prognose für das Wachstum haben sie erneut gesenkt. Von der Regierung fordert der Sachverständigenrat entschiedene Reformen.

Stahlproduktion
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Ungünstigere außenwirtschaftliche Rahmenbedingungen, Fachkräftemangel und Kapazitätsengpässe bremsen nach Ansicht der Wirtschaftsweisen die Konjunktur - und zwar deutlich kräftiger als bislang angenommen. In seinem Jahresgutachten korrigiert der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung seine Wachstumsprognose für dieses Jahr deshalb noch einmal drastisch nach unten. Das Bruttoinlandsprodukt werde nur noch um 1,6 Prozent und 2019 nur noch um 1,5 Prozent wachsen, schreiben die Gelehrten.

Ursprünglich war der Sachverständigenrat, der Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch sein Gutachten übergibt, von Wachstumswerten von 2,3 und 1,8 Prozent ausgegangen. Im September hatten die Ökonomen die Vorhersage jedoch schon einmal auf 1,7 beziehungsweise 1,9 Prozent nach unten korrigiert. Das fünfköpfige Gremium wäre damit pessimistischer als die Bundesregierung, die für beide Jahre 1,8 Prozent voraussagt.

Als Grund für das nachlassende Wachstum werden im Jahresgutachten ungünstigere außenwirtschaftliche Rahmenbedingungen genannt, darunter Befürchtungen über einen Handelsstreit mit den USA und einen ungeordneten EU-Ausstieg Großbritanniens.

Große Herausforderungen

"Die deutsche Volkswirtschaft steht vor großen Herausforderungen", warnen die Ökonomen. Auf internationaler Ebene sei dies vor allem die ungewisse Zukunft der multilateralen globalen Wirtschaftsordnung. Die Situation sei jedoch bislang nicht mit einem Handelskrieg wie in den Zwanziger- und Dreißigerjahren zu vergleichen. Auf nationaler Ebene stelle der demografische Wandel die größte Herausforderung dar. Es bedürfe einer allmählichen Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters.

Der Chef der Wirtschaftsweisen sieht Deutschland auch angesichts einer eingetrübten Konjunktur vor wichtigen Weichenstellungen. "Ich wünsche mir vor allem eine klare Linie für die Zukunft, die der Frage, wie künftig Wohlstand geschaffen werden kann, mehr Raum gibt", sagte Christoph Schmidt. Er empfahl der Bundesregierung, den Solidaritätszuschlag ganz abzuschaffen. Die gewählte Form der Entlastung über eine Freigrenze sei "ausgesprochen anreizfeindlich". Auch die Mietpreisbremse hält der Forscher für schädlich.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wurde 1963 per Gesetz eingerichtet, um die Politik zu beraten. Vorsitzender ist der Ökonom Christoph Schmidt. Dem Gremium gehören außerdem Peter Bofinger, Lars Feld, Isabel Schnabel und Volker Wieland an.

Anmerkung der Redaktion: An dieser Stelle wurde zunächst eine veraltete Meldung veröffentlicht, die sich nicht auf das Jahresgutachten der Wirtschaftsweisen, sondern das Herbstgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute bezog. Wir haben den Fehler korrigiert.

mik/dpa



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