Konjunktur: Wirtschaftsweise erwarten für 2013 nur noch Mini-Wachstum

Stahlarbeiter bei ThyssenKrupp in Duisburg: Exporte schwächeln Zur Großansicht
dapd

Stahlarbeiter bei ThyssenKrupp in Duisburg: Exporte schwächeln

Die Wirtschaftsweisen reagieren auf schwächelnde Exporte und den starken Einbruch der deutschen Konjunktur Ende 2012: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognose für das laufende Jahr drastisch gekappt - sie erwarten nur noch ein Wachstum von 0,3 Prozent.

Wiesbaden/Berlin - Es kommt selten vor, dass die Wirtschaftsweisen ihre Prognosen aktualisieren - doch dieses Mal sahen sie sich dazu gezwungen: Der Sachverständigenrat hat seine Vorhersage für das Wachstum der deutschen Wirtschaft deutlich gesenkt. Für das laufende Jahr sei nur noch mit einer Zunahme der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent zu rechnen, teilte das Gremium mit. Im vergangenen November hatten die Wirtschaftsweisen noch mit einem Wachstum von 0,8 Prozent gerechnet.

Der Grund für die um mehr als die Hälfte gekappte Prognose ergebe sich vor allem aus dem deutlichen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im vierten Quartal 2012, hieß es weiter. Das BIP war im vierten Quartal 2012 überraschend deutlich um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft, so stark wie seit Anfang des Krisenjahrs 2009 nicht mehr. Erst am Montag hatte zudem der Deutsche Industrie- und Handelskammertag auf die negativen Folgen des langen und kalten Winters auf Branchen wie Bauwirtschaft oder Transportgewerbe hingewiesen.

Auch Bundesregierung und Bundesbank rechnen mit einem ähnlich geringen Wachstum wie die Wirtschaftsweisen. Sie erwarten für dieses Jahr einen Anstieg des BIP um 0,4 Prozent. Die EU-Kommission hatte ihre Aussichten für Deutschland Ende Februar auf 0,5 Prozent gesenkt. Im Gesamtjahr 2012 hatte das Wirtschaftswachstum noch bei 0,7 Prozent gelegen, und damit deutlich höher, als die Wirtschaftsweisen es nun für das laufende Jahr erwarten.

Der Arbeitsmarkt wird den Forschern zufolge unter den mauen Aussichten allerdings kaum leiden - zwar rechnet das Expertengremium mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosenzahl um 50.000, aber auch die Zahl der Erwerbstätigen soll um 0,3 Prozent steigen.

Konsum als Wachstumsfaktor

Sorgten in der Vergangenheit vor allem die Exporte für Wachstum in Deutschland, erwarten die Wirtschaftsweisen in diesem Jahr ausschließlich aus dem Inland positive Impulse. Vor allem die privaten Konsumausgaben dürften sich angesichts der anhaltend guten Situation auf dem Arbeitsmarkt weiter robust entwickeln. Insgesamt dürften die Importe demnach stärker zunehmen als die Exporte.

Die Investitionen der Unternehmen hingegen bleiben demnach zumindest in der ersten Jahreshälfte schwach, die Wirtschaftsweisen rechnen im Gesamtjahr mit einem Rückgang um 3,0 Prozent. Gerade auf Investitionsgüter wie Maschinen und Anlagen habe sich die wieder verbesserte Stimmung in den Chefetagen - zuletzt waren die Geschäftserwartungen dort trotz Rückschlägen positiv - noch nicht ausgewirkt. Schon 2012 hatten viele Unternehmer ihre Investitionen auf Eis gelegt, weil sie durch die europäischen Schuldenkrise verunsichert waren. Die Unsicherheit sei zuletzt wieder gestiegen.

Andere Wirtschaftsforscher hatten hingegen jüngst ihre Prognosen für 2013 nach oben korrigiert, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) etwa von 0,3 auf 0,6 Prozent. Und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) erwartet ein kräftiges Plus von 1,3 Prozent.

Einig sind sich die Institute weitgehend darin, dass die Konjunktur allmählich wieder anziehen und der Aufschwung der deutschen Wirtschaft 2014 an Fahrt gewinnen wird. So erwartet das RWI dann ein Plus von 2,1 Prozent, das IWH sogar von 2,4 Prozent.

fdi/dpa-AFX/Reuters

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insgesamt 32 Beiträge
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1. die weisen
sanfelipe 25.03.2013
Zitat von sysopDie Wirtschaftsweisen reagieren auf schwächelnde Exporte und den starken Einbruch der deutschen Konjunktur Ende 2012: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognose für das laufende Jahr drastisch gekappt - sie erwarten nur noch ein Wachstum von 0,3 Prozent. Konjunktur: Wirtschaftsweise senken Wachstumsprognose für 2013 stark - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/konjunktur-wirtschaftsweise-senken-wachstumsprognose-fuer-2013-stark-a-890833.html)
LoL....daß die überhaupt noch prognosen abgeben, liegen sie doch immer voll daneben.
2. Keine Panik...
dapmr75 25.03.2013
... es handelt sich nur um temporäre Wachstumsdellen, oder. Im Prinzip haben wir ja alle Probleme überwunden und müssen nur noch ein wenig geduldig sein. Und auch sonst ist Zynismus ein tolles Mittel, mit Ignoranz umzugehen. Die Resultate für totales Versagen im Umgang mit Schulden werden der EU und allen anderen G-7 noch gut sichtbar werden. Ist schon einmal jemandem aufgefallen, dass die ganzen europäischen und US-amerikanischen Sparanstrengungen keine Sparprogramme sind? Die Ausgaben bis Ende 2012 aller sogenannten Problemländer und der angeblich wirtschaftlich starken Länder steigen immer weiter. Wie nennt man Leute, die im Privaten so wirtschaften, lebensferne Träumer oder schlimmer?
3.
marthaimschnee 25.03.2013
Zitat von sysopsie erwarten nur noch ein Wachstum von 0,3 Prozent.
Laut eben Unternehmen: Langer Winter wird teuer für die deutsche Wirtschaft - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/unternehmen-langer-winter-wird-teuer-fuer-die-deutsche-wirtschaft-a-890810.html) erwarten wir den Aufschwung. Unter 0,7% ist aber Stagnation und 0,3% hart an der Rezession! Daß die ganze Wirtschafts- und Regierungspropaganda nicht mal mehr schlüssig ist, scheint aber auch niemanden zu stören.
4. Bravo - Kohl/Schäuble-Schröder-Merkel/Schäuble
T-fit 25.03.2013
Das ist der Euro, der Wirtschaftsturbo Europas. Das ist Agenda 2010 mit Dumpinglöhnen und HartzIV. Das ist Merkelsche Wirtschafts- und Sozialinkomptetenz und Machtwahn. Und die Deutschen schimpfen weiter auf die Südeuropäer, anstatt zu merken, dass diese Völker gerne von ihrem eigenen Verdienst leben würden - ließe man ihnen denn welchen. Deutschland, Frankreich ...... merkt ihr nicht, dass die Südländer lediglich als Erste ausgezogen werden?
5. Woher
pacificwanderer 25.03.2013
wollen denn die 'Weisen' beim Buerger das Geld fuer den hoeheren prognostizierten Inlandskonsum kommen sehen? Energiepreise steigen, Inflation und Preise steigen, die Zinsen fallen durch Drucken von Euros? Da ist wohl der Wunsch ein Trostpflaster zu finden der Vater der Expertise!!!
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