Konjunkturdaten Schwacher Konsum bremst US-Wirtschaft

Dämpfer für Amerikas Konjunktur: Ein kräftiges Plus bei den Einfuhren hat die US-Wirtschaft im Frühjahr stärker als erwartet belastet. Knauserige Konsumenten bremsen das Wachstum zusätzlich. Ökonomen reagieren enttäuscht.

US-Präsident Barack Obama: Hohe Arbeitslosigkeit sorgt für schwache Umfragewerte
dpa

US-Präsident Barack Obama: Hohe Arbeitslosigkeit sorgt für schwache Umfragewerte


Washington - Die US-Wirtschaft hat in den vergangenen Monaten an Kraft verloren. Das Bruttoinlandsprodukt legte aufs Jahr hochgerechnet um 2,4 Prozent zu, wie das Handelsministerium am Freitag nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. Im ersten Quartal lag der Wert noch bei 3,7 Prozent. Im vierten Quartal 2009, dem bisherigen Höhepunkt der Erholung nach der schweren Rezession, lag das Plus sogar bei 5 Prozent.

Einer der Gründe für das schwächere Wachstum ist der Außenhandel: Die Importe legten dreimal so stark zu wie die Exporte. Damit dämpfte der Außenhandel das Wachstum alleine um rund 2,8 Prozentpunkte - so stark wie seit 1982 nicht mehr.

Ein weiterer Auslöser für den nachlassenden Aufschwung ist der private Konsum der Amerikaner. Wegen der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit entwickelt sich der Wert nur langsam. Im zweiten Quartal stieg der Konsum lediglich um 1,6 Prozent - Anfang des Jahres waren es noch 1,9 Prozent.

Trotz des Dämpfers hat sich die US-Wirtschaft seit vergangenem Sommer spürbar von der schweren Rezession erholt. Bis zum dritten Quartal 2009 war die Konjunktur vier Quartale in Folge geschrumpft. Der Einbruch in Folge der Finanzkrise war die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte.

Der Dax Chart zeigen zeigte sich am Freitag unbeeindruckt: Zunächst hatten die Daten aus den USA dem deutschen Leitindex Verluste beschwert, am Ende schloss er jedoch mit einem minimalen Plus von 0,22 Prozent auf 6147 Punkte.

Schwächen am Jobmarkt

Die aktuelle Schwäche könnte die weitere Erholung verzögern. Das Wachstum reicht schon bislang nicht aus, um die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit von derzeit 9,5 Prozent zu senken. Nach Berechnung der Ökonomen wäre ein Wachstum von fünf Prozent über ein volles Jahr nötig, um die Arbeitslosenquote um einen Prozentpunkt zu senken. US-Präsident Barack Obama kostet die schwierige Lage am Jobmarkt Zustimmung und verschlechtert die Aussichten seiner Demokratischen Partei vor den Kongresswahlen im November.

Noch ein weiterer Wert zeigt die Probleme Obamas: Das Vertrauen der Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes sank - und ist nun auf einem Wert wie zuletzt im November 2009. Der entsprechende Index fiel im Juli auf 67,8 Punkte von 76,0 Zählern im Vormonat. Volkswirte hatten im Schnitt mit 67,0 Punkten gerechnet. Der von Anlegern und Volkswirten stark beachtete Index gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der US-Verbraucher im Voraus anzeigt.

Beobachter zeigten sich angesichts der neuen Zahlen ernüchtert. "Die Wirtschaft hatte das zweite Quartal mit einer Menge Schwung begonnen, es aber mit sehr wenig beendet", sagte der US-Chefökonom des Wirtschaftsforschungsinstituts IHS Global Insight, Nigel Gault, dem Wirtschaftsdienst Bloomberg. Hoffnung auf Besserung sieht er keine, eher wird es seiner Meinung nach noch schlimmer: "Wir erwarten, dass das Wachstum im dritten Quartal schwächer ausfällt."

Experten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) nennen die US-Zahlen im zweiten Quartal enttäuschend. Sie verstärkten die Sorgen um den Zustand der US-Wirtschaft. Insbesondere der geringere Konsumzuwachs im zweiten Quartal, aber auch nach Revision im ersten Quartal, sei ungünstig. Der einzig erfreuliche Aspekt sei der gestiegene Zuwachs bei den Bauinvestitionen.

Für den USA-Experten der Commerzbank, Bernd Weidensteiner, sind die Daten dagegen "gar nicht so schlecht". Die privaten Verbraucher würden zwar ihren Konsum einschränken und mehr sparen. Dies sei aber angesichts der hohen Verschuldung der Verbraucher langfristig gesund. Die Gefahr für einen Rückfall der USA in die Rezession sei gering.

Warnung von Bernanke

US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte die Wirtschaftsaussichten erst kürzlich als "ungewöhnlich ungewiss" bezeichnet und angedeutet, dass die Fed die Konjunktur auch noch eine ganze Zeit mit billigem Geld stützen müsse. Experten erwarten, dass die Zentralbank den Leitzins nun bis weit ins kommende Jahr hinein bei nahezu null Prozent belässt. Das bedeutet, dass sich die Banken das Geld fast zum Nulltarif borgen können - und die Zinsen damit auch für die Kunden niedrig bleiben. Die sollen mit dem billigen Geld dann investieren und die Wirtschaft ankurbeln.

Die Theorie geht in der Praxis aber nicht auf. Die Unternehmen sparen immer noch, wo sie nur können. Anders ist es nicht zu erklären, dass viele Industriekonzerne zuletzt Gewinnsprünge verkünden konnten, während ihre Geschäfte dahindümpeln. Ein Beispiel ist der Mischkonzern General Electric, dessen Umsatz im zweiten Quartal um vier Prozent fiel. Der Gewinn stieg um 16 Prozent.

Kürzlich hatte die Fed ihre US-Wachstumsprognose nach unten korrigiert. Für 2010 sei nun mit einem Plus zwischen 3 und 3,5 Prozent zu rechnen. Vor drei Monaten hatte die Fed noch einen Zuwachs zwischen 3,2 und 3,7 Prozent vorausgesagt.

cte/dpa-AFX/Reuters/apn



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buchhalter 30.07.2010
1. Zinspolitik der FED
Zitat von sysopDämpfer für Amerikas Konjunktur: Ein kräftiges Plus bei den Einfuhren hat die US-Wirtschaft im Frühjahr stärker als erwartet belastet. Knauserige Konsumenten bremsen das Wachstum zusätzlich. Ökonomen reagieren enttäuscht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,709393,00.html
Leider ein Fehlschluß. Das bedeutet, dass die Banken weiter hohe Zinsen wegen des angeblich hohen Risikos kassieren werden und die Zinsen fast vollständig einbehalten werden. Denn das Geld, was sie verleihen, erhalten sie von FED fast kostenlos. Für viele Menschen betragen die Kreditkartenzinsen über 20%..., alles Reingewinn für die andere Seite.
running_on_empty 30.07.2010
2. Die USA bleiben Wirtschaftswunderland Nr. 1!
Jedenfalls solange es Europäer und europäische Medien glauben (machen) wollen. Den Medien fällt dabei der Part des treuen Stenografen zu, der je nach Befindlichkeit der Regierungspropaganda in Jubel ausbricht oder sorgenvoll auf zukünftig bessere Zeiten verweist. Wie anders ist es zu erklären, daß der SPIEGEL wesentliche Wirtschaftsdaten und Zusammenhänge im offiziell gewünschten Timbre wiedergibt, anstatt kritisch zu berichten? Apropos Bernanke, laut Time Magazin der Mann des Jahres 2009. In der vergangenen Woche trat er vor den US-Kongress und Martin D. Weiss fasste vor wenigen Tagen auf 'money and markets' zusammen, was Bernanke NICHT gesagt hat: 1. trotz gesunder Börsen, stabiler Zinsen, massiver Bailouts, dem Ausbleiben Schuldenkollaps, Marktschocks oder Terrorattacken sinkt die Wirtschaftsleistung, was nichts anderes bedeutet, als daß die Rezession nie zuende gewesen ist. (Auf denselben Umstand weist seit ca. einem Jahr Gerald Celente hin - "it's not a recovery, it's a coverup".) 2. der US-Immobilienmarkt befindet sich in einer chronischen Langzeitdepression, da helfen auch keine fortgesetzten staatlichen Stützungsprogramme mehr. 3. die derzeitige Arbeitslosigkeit (die ähnlich wie in Deutschland viel höher ist, als offiziell ausgewiesen) liegt bei ca. 16, 5 % und ist die höchste seit Beginn der amerikanischen Arbeitslosenstatistik im Jahr 1948. Derzeit gibt es keine Anzeichen, daß sich diese Situation in Kürze ändert - im Gegenteil. (Im Untertitel zum Artikel von "knausrigen Konsumenten" zu sprechen, ist also ungefähr genauso passend, wie Selbstmördern zögerliche Ausführung ihrer Vorhaben vorzuwerfen.) 4. alle genannten Phänomen sind TROTZ der höchsten Staatsintervention aller Zeiten eingetreten. Mit anderen Worten: die USA sind nicht nur bis über beide Ohren verschuldet, sie sind sogar sinnlos verschuldet. Wie das Bankhaus Rott es vor ein paar Tagen süffisant zusammengefaßt hat: "Da darf man sich schon fragen, ob es zu einem Double Dip schon aus dem einfachen Grunde nicht kommen kann, weil man gar nicht hoch genug gestiegen ist um zu 'dippen'."
Krolog 30.07.2010
3. Schwacher Konsum?
1,6% mehr Konsum im 2.Quartal... Ist das schwach? Ich erinnere den Autor des Berichts daran, dass hierzulande der Einzelhandelsumsatz real (also inflationsbereinigt) um 12 % unter dem des Jahres 1992 (!) liegt. Das ist schwach! Trotzdem ist D noch nicht im Depressionssumpf versunken, wenngleich der Binnenmarkt eine von jeder Regierung sträflich vernachlässigte Größe ist. Hauptsache wir exportieren wie die Weltmeister. Da hat man dann einen Aufschwung, den kaum einer bemerkt.
wika 30.07.2010
4. Vielleicht mal ein Kosnumentenrettungsprogramm auflegen …
Dazu würde sogar ein Bruchteil aus Bankenrettung und Militäretat reichen und der Konsum würde wieder wie ein Tsunami über die Amerikaner hereinbrechen. Vielleicht sollte Obama mal die *Geschichte von der wundersamen Geldvermehrung* (http://qpress.de/2010/07/23/jesus-euro-cent-vs-mammon-renditeziel/) studieren und dann nur die Verteilung richtig organisieren, dann hätte er erstens keine Probleme und zweitens würde er vielleicht nochmal wiedergewählt. Schlecht ist es wenn man als Präsident entweder das System nicht verstanden hat aber offen mit ihm aus anderen Gründen zu Lasten der Bevölkerung paktiert. Die Quittung wird schon noch folgen.
skanti 31.07.2010
5. Sehr
Zitat von running_on_emptyJedenfalls solange es Europäer und europäische Medien glauben (machen) wollen. Den Medien fällt dabei der Part des treuen Stenografen zu, der je nach Befindlichkeit der Regierungspropaganda in Jubel ausbricht oder sorgenvoll auf zukünftig bessere Zeiten verweist. Wie anders ist es zu erklären, daß der SPIEGEL wesentliche Wirtschaftsdaten und Zusammenhänge im offiziell gewünschten Timbre wiedergibt, anstatt kritisch zu berichten? Apropos Bernanke, laut Time Magazin der Mann des Jahres 2009. In der vergangenen Woche trat er vor den US-Kongress und Martin D. Weiss fasste vor wenigen Tagen auf 'money and markets' zusammen, was Bernanke NICHT gesagt hat: 1. trotz gesunder Börsen, stabiler Zinsen, massiver Bailouts, dem Ausbleiben Schuldenkollaps, Marktschocks oder Terrorattacken sinkt die Wirtschaftsleistung, was nichts anderes bedeutet, als daß die Rezession nie zuende gewesen ist. (Auf denselben Umstand weist seit ca. einem Jahr Gerald Celente hin - "it's not a recovery, it's a coverup".) 2. der US-Immobilienmarkt befindet sich in einer chronischen Langzeitdepression, da helfen auch keine fortgesetzten staatlichen Stützungsprogramme mehr. 3. die derzeitige Arbeitslosigkeit (die ähnlich wie in Deutschland viel höher ist, als offiziell ausgewiesen) liegt bei ca. 16, 5 % und ist die höchste seit Beginn der amerikanischen Arbeitslosenstatistik im Jahr 1948. Derzeit gibt es keine Anzeichen, daß sich diese Situation in Kürze ändert - im Gegenteil. (Im Untertitel zum Artikel von "knausrigen Konsumenten" zu sprechen, ist also ungefähr genauso passend, wie Selbstmördern zögerliche Ausführung ihrer Vorhaben vorzuwerfen.) 4. alle genannten Phänomen sind TROTZ der höchsten Staatsintervention aller Zeiten eingetreten. Mit anderen Worten: die USA sind nicht nur bis über beide Ohren verschuldet, sie sind sogar sinnlos verschuldet. Wie das Bankhaus Rott es vor ein paar Tagen süffisant zusammengefaßt hat: "Da darf man sich schon fragen, ob es zu einem Double Dip schon aus dem einfachen Grunde nicht kommen kann, weil man gar nicht hoch genug gestiegen ist um zu 'dippen'."
interessanter Beitrag, aber Staatsinterventionen sind weit ausgedehnt und greifen erst nicht selten mit extremer Verzögerung, Primär, - Sekundäreffekt (eine Art Nachfragespirale) usw. Also, kurz und knapp abwarten und Tee trinken, solange der mächtigste Mann der Welt mit seinem Heli rumdüst und konsequent gewillt ist Amerika ihre zweite Blühte zu schenken, ist alles möglich ;-)
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