Konjunkturplus Konsumplus schiebt den Aufschwung an

Die Exporte steigen, die staatlichen Investitionen legen zu: Der deutsche Aufschwung hat im dritten Quartal an Kraft gewonnen. In zahlreichen Wirtschaftsbereichen geht es mittlerweile bergauf. Einer der größten Wachstumstreiber ist der private Konsum.

Schaufenster in Dresden: Steigende Konsumausgaben
ddp

Schaufenster in Dresden: Steigende Konsumausgaben


Berlin - Der deutsche Aufschwung stabilisiert sich. Das Bruttoinlandsprodukt ist im dritten Quartal deutlich gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Es stieg im Vergleich zum Vorquartal um 0,7 Prozent.

Die staatlichen Konsumausgaben legten um 1,1 Prozent zu. Der Export von Waren und Dienstleistungen erhöhte sich um 2,3 Prozent. Die Importe zogen um 1,9 Prozent an.

Positive Impulse kamen vor allem aus dem Inland: Investitionen in Ausrüstungen stiegen um 3,7 Prozent zum Vorquartal. Auch die privaten Konsumausgaben stiegen um 0,4 Prozent - wegen der sinkenden Arbeitslosigkeit und der Aussicht auf spürbare Lohnerhöhungen.

Der Konsum wird damit immer stärker zur Triebfeder des Aufschwungs. Experten erwarten, dass das Geld der Verbraucher im kommenden Jahr noch lockerer sitzen wird. Die Zahl der Arbeitslosen soll dann so niedrig sein wie seit 1992 nicht mehr.

Vergleichen mit dem Vorjahresquartal legte das Bruttoinlandsprodukt um 3,9 Prozent zu. Die meisten Experten rechnen in diesem Jahr mit einem Wachstum von rund 3,5 Prozent, das sich 2011 auf etwa 2,0 Prozent abschwächen dürfte.

Deutschland bleibt damit die Wachstumslok der Euro-Zone: Die Währungsunion wuchs nach vorläufigen Berechnungen von Eurostat mit 0,4 Prozent nur gut halb so stark wie ihre größte Volkswirtschaft. 2009 war das Bruttoinlandsprodukt wegen der weltweiten Wirtschaftskrise mit 4,7 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle sieht die wirtschaftliche Erholung Deutschlands auf einer breiten Basis. "Dem großen Aufschwung-Sommer folgt ein goldener Konjunktur-Herbst", sagte der FDP-Politiker am Dienstag.

"Der Aufschwung gewinnt deutlich an Breite", sagte Ulrike Kastens, Analystin bei Sal. Oppenheim. "Der Aufschwung steht nicht mehr nur auf dem einen Bein des Exports. Der private Konsum zieht weiter an, da sich die Lage am Arbeitsmarkt deutlich verbessert hat. Die Tendenz geht dahin, dass die Einkommen steigen. Die Leute haben das Gefühl, dass der Arbeitsplatz sicherer ist."

Andreas Rees von Unicredit nannte die neuen Daten "sehr ermutigend". Die Anzeichen verdichteten sich, dass die Wirtschaft ausgewogener wachse. "Der private Konsum und die Investitionen sind jeweils zum dritten Mal in Folge gestiegen. Auch die Exporte legen weiter zu. Der größte Impulsgeber ist nicht mehr die Weltwirtschaft, sondern die Binnenwirtschaft. Das ist eine sehr positive Entwicklung. Wir werden unabhängiger vom Auf und Ab der Weltkonjunktur."

ssu/dapd/dpa/Reuters

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