Konjunkturstütze Britische Notenbank pumpt 75 Milliarden Pfund in die Märkte

Die EZB steht für ihre Käufe von Staatsanleihen massiv in der Kritik, die britische Notenbank dagegen agiert überhaupt nicht zimperlich. Sie will ihr Programm zum Aufkauf von Wertpapieren deutlich ausweiten.

Bank of England in London: Erhöhte Wachstumsrisiken als Begründung
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Bank of England in London: Erhöhte Wachstumsrisiken als Begründung


London - Die britische Notenbank startet zur Stützung der Konjunktur eine neue Runde von Anleihenkäufen. Wie die Bank von England nach einer Sitzung ihres geldpolitischen Komitees mitteilte, will sie ab 10. Oktober Käufe von Wertpapieren wie Staats- und Unternehmensanleihen auf ein Volumen von 275 Milliarden Pfund ausweiten und auf diese Weise die Wirtschaft ankurbeln. Den Leitzins beließen die britischen Währungshüter auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent.

In den nächsten vier Monaten will die Bank of England zusätzliche 75 Milliarden Pfund in Staats- und Unternehmensanleihen stecken. Die Finanzmärkte traf die Entscheidung nicht ganz überraschend, Experten hatten mit einem derartigen Schritt im Vorfeld gerechnet. Allerdings war nicht sicher, dass sich die Bank of England bereits jetzt für diesen Schritt entscheiden würde.

Bereits in den Jahren 2009 und 2010 hatte Zentralbank-Gouverneur Mervyn King für 200 Milliarden Pfund Anleihen gekauft - durch die sogenannte "quantitative Lockerung" sollte das Kreditgeschäft und damit die Wirtschaft des Landes in Schwung gebracht werden. Diese Mittel waren allerdings bereits seit längerem ausgeschöpft. Das nunmehr aufgestockte Volumen solle regelmäßig überprüft werden, so die Notenbank.

Die Zentralbanker reagieren mit ihrer Entscheidung auf die aktuellen Entwicklungen: Die Bank of England begründete die Maßnahme mit erhöhten Wachstumsrisiken und geringeren Inflationsgefahren. Die Euro-Schuldenkrise habe zu ernsthaften Verspannungen im Bankensektor und an den Finanzmärkten geführt. "Diese Spannungen in der globalen Wirtschaft bedrohen die Erholung in Großbritannien."

Die aktuell hohe Inflation von über vier Prozent dürfte demnach zunächst sogar auf mehr als fünf Prozent steigen - im Laufe des nächsten Jahres soll sie aber stark zurückgehen. Langfristig sehen die Zentralbanker die Inflationsrate bei zwei Prozent.

Die Finanzmärkte reagierten umgehend auf die Ankündigung der britischen Notenbank. Der Euro in Dollar Chart zeigen fiel unter die Marke von 1,33 Dollar, der Bund-Future machte einen Großteil seiner zuvor erlittenen Verluste wieder wett.

fdi/Reuters/AP/dpa-AFX



insgesamt 34 Beiträge
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wolffm 06.10.2011
1. welche Staatsanleihen?
UK, griechische, ...? Wäre nur fair, denn von den Aufkäufen der EZB profitiert UK ebenso.
singularität 06.10.2011
2. .
Zitat von wolffmUK, griechische, ...? Wäre nur fair, denn von den Aufkäufen der EZB profitiert UK ebenso.
Britische, die drucken fleissig Geld.
frubi 06.10.2011
3. .
Zitat von sysopDie EZB steht für ihre Käufe von Staatsanleihen massiv in der Kritik, die britische Notenbank dagegen agiert überhaupt nicht zimperlich. Sie will ihr Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen deutlich ausweiten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,790307,00.html
Und Angie sagt, dass Deutschland wieder bereit sei, um den Bankensektor zu stärken. Für mich als Laie sieht das so aus: bis 2008 haben die Banken soviel Geld von soviel Menschen wie möglich gesammelt und gerade denen gute Renditen versprochen, die sonst ihr Geld eher seriös angelegt hätten. Soweit so gut. Währendessen haben Bankaktienbesitzer fette Renditen und Investmentbankster fette Boni kassiert während es die Banken versäumt haben, Rücklagen für die schweren Zeiten zu bilden. Da dieser riesen Beschiss nun aufgeflogen ist, bedroht uns die Finanzindustrie und besonders die Banken, notfalls das ganze System an die Wand zu fahren falls man keine Gelder mehr in die Hintern der Banken schiebt. Gewinne werden schön an ein paar wenige verteilt, ein paar Anleger wurden abgezockt (kein Mitleid für diese Leute) und die gesamte Bevölkerung, vor allem der Teil der eine gewisse Abhängigkeit vom Sozialstaat hat, muss drunter leiden. Für mich als Laie ist das ein (bisher) nicht illegaler Raub der Steuergelder.
gast2011 06.10.2011
4. dann müssen wir uns ja
keine sorgen um die renten machen. einfach paar milliarden reinpumpen und problem gelöst. wenn man bei den banken reinpumpen kann, sollte das für's volk allemal drinliegen. das volk bezahlt ja auch die steuern dieses landes. oder seh ich da was falsch?
deus-Lo-vult 06.10.2011
5. ...
Zitat von wolffmUK, griechische, ...? Wäre nur fair, denn von den Aufkäufen der EZB profitiert UK ebenso.
Ich befürchte eher, dass es England bald so geht wie Griechenland und die Banker dann die Schuld bei den Staatsanleihen suchen können.
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