Prognose für 2016 Deutsche bewahren ihre Kauflaune

Kaufen, Ausgehen, Reisen: Die Verbraucher in Deutschland werden in diesem Jahr deutlich mehr Geld ausgeben - so sehen es die GfK-Marktforscher voraus. Wachsen werde vor allem der "Event-Konsum".

Weinfest in Rheinland-Pfalz: "Event-Konsum spielt immer größere Rolle"
DPA

Weinfest in Rheinland-Pfalz: "Event-Konsum spielt immer größere Rolle"


Viele Jahre lang beruhte das Wirtschaftswachstums Deutschlands vor allem auf der Exportstärke der Industrie. Die Binnenkonjunktur dümpelte dagegen vor sich hin. Das hat sich inzwischen gründlich geändert: Die Konsumfreude der deutschen Verbraucher ist eine wichtige Konjunkturstütze - und wird es laut dem Marktforschungsunternehmen GfK auch 2016 bleiben. Die Forscher rechnen für 2016 mit einem Anstieg der privaten Verbraucherausgaben um 2,0 Prozent. Dieser Wert ist preisbereinigt, mögliche Kaufkraftverluste durch Inflation sind also bereits herausgerechnet.

Damit werden die Bundesbürger in diesem Jahr voraussichtlich sogar noch stärker als 2015 zum deutschen Wirtschaftswachstum beitragen. Im vergangenen Jahr war der private Konsum in Deutschland um 1,9 Prozent gewachsen und trug mit knapp 54 Prozent mehr als die Hälfte zur deutschen Wirtschaftsleistung bei.

GfK-Umfragen zufolge dürften die Deutschen zunehmend Geld für Reisen und Wellness ausgeben. "Der Event-Konsum spielt eine immer größere Rolle", sagte GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl. Davon hätten beispielsweise im Vorjahr Kinobetreiber profitiert, die so viel Tickets verkauft hätten wie schon lange nicht mehr.

"Im Trend liegen 2016 aber auch Haus- und Wohnungsrenovierungen", sagte GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth. Für den Lebensmittel-Einzelhandel rechnet Adlwarth ebenfalls mit einem deutlichen Umsatzzuwachs von 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Kauflaune in der ganzen EU - bis auf Griechenland

GfK-Chef Matthias Hartmann begründet die optimistische Prognose vor allem mit der anhaltend guten Wirtschaftslage in Deutschland. Viele Unternehmen würden voraussichtlich mehr Mitarbeiter einstellen. "Die Arbeitslosigkeit wird damit weiter sinken", prognostizierte Hartmann.

Im Vergleich zur Einschätzung anderer Konsumforscher fällt die GfK-Prognose Hartmann zufolge sogar noch zurückhaltend aus. Die Gründe dafür seien außer der Flüchtlingskrise und der Terrorgefahr in Europa auch die "abstürzenden Energiepreise". Dies könnte mittel- und langfristig dazu führen, dass Firmen der betroffenen Branchen ihre Investitionen zurückfahren. "Und das könnte sich negativ auf den Arbeitsmarkt und damit auch auf den Konsum auswirken", sagte der GfK-Chef.

Für die gesamte EU prognostiziert die GfK für 2016 einen Anstieg des privaten Konsums von 1,5 bis 2,0 Prozent. Hartmann verwies auf die im Vorjahr deutlich aufgehellte Verbraucherstimmung in vielen der 28 Mitgliedstaaten. Erfreulich sei, dass vor allem in einigen ehemaligen Krisenländern wie Spanien, Portugal und Irland die privaten Ausgaben im Vorjahr wieder stärker gestiegen seien. Das führe beispielsweise in Spanien dazu, dass viele Menschen für 2016 wieder mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage rechneten. Dagegen reiche in Griechenland weiterhin das Geld oft nicht für die nötigsten Anschaffungen.

fdi/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.