Nürnberg - Die Konjunktur in Deutschland zieht wieder an - doch das löst nicht alle Probleme: Die Stimmung der Verbraucher hat sich zum Jahresende weiter abgekühlt. Zwar zeigen sich die Bürger vor dem Weihnachtsgeschäft in Kauflaune. Sie seien aber skeptisch, was die Aussichten für die Konjunktur betrifft, berichtete die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg. Der sogenannte Konsumklimaindex fiel laut GfK von 4,0 Punkten im November auf 3,7 Zähler für den Monat Dezember. Für den monatlich erhobenen Index werden jeweils rund 2000 Verbraucher zu ihrer Anschaffungsneigung sowie ihren Konjunktur- und Einkommenserwartungen befragt.
Im kommenden Jahr wird der private Konsum nach Einschätzung der GfK stagnieren. "Wir gehen davon aus, dass es keinen Zuwachs geben wird", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. "Für das Konsumklima wird 2010 ein schwierigeres Jahr werden als 2009." Dies liege vor allem daran, dass die Arbeitslosigkeit deutlich zunehmen werde. "Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist eine wichtige Größe für die Verbraucherstimmung."
Auf das gesamte Jahr 2009 gerechnet weist der private Konsum laut GfK noch ein leichtes Plus auf und zeigt sich damit als Stütze der Konjunktur. Trotz der schwersten Rezession seit Jahrzehnten habe sich das Konsumklima 2009 stabil entwickelt und sogar leicht steigende Tendenz gezeigt, sagte Bürkl.
"Man muss nicht schwarzsehen"
"Das Niveau war im langjährigen Vergleich zwar nicht berauschend", schränkte der Konsumforscher ein. Aber angesichts der Wirtschaftskrise wäre eher ein Rückgang zu erwarten gewesen. Stabilisierend hätten sich die geringe Inflation und der noch robuste Arbeitsmarkt ausgewirkt. Positiv bewertete Bürkl die Pläne der Bundesregierung, das Kurzarbeitergeld zu verlängern: "Das ist psychologisch ein gutes Signal." Allerdings könnten die Unternehmen bei mangelnder Auslastung nicht endlos Kurzarbeit fahren.
Für das Weihnachtsgeschäft sei durchaus vorsichtiger Optimismus angebracht, sagte Bürkl. "Man muss nicht schwarzsehen." Die Konsumlaune sei stabil, und die meisten Unternehmen zahlten das Weihnachtsgeld ohne Kürzungen aus. Hinzu komme, dass das Sparen derzeit wegen der niedrigen Zinsen auch nicht besonders attraktiv sei. "Viele Anleger vertrauen außerdem dem Finanzmarkt noch nicht wieder." Deshalb sei es durchaus wahrscheinlich, dass vorhandenes Geld für Anschaffungen hergenommen werde. Im Weihnachtsgeschäft werden nach Bürkls Einschätzung besonders Branchen wie Unterhaltungselektronik und Spielwaren davon profitieren.
Die von der Bundesregierung angekündigten Steuerentlastungen werden nach Ansicht des GfK-Experten die Konsumstimmung 2010 zunächst etwas beflügeln. "Das ist ein gutes Zeichen gerade für Familien", sagte er. Langfristig werde sich eine überbordende Verschuldung aber nachteilig auf die Konsumenten auswirken. "Hohe Zinsen und nachlassende Investitionen wirken sich auf den Arbeitsmarkt aus und schlagen zurück auf die Beschäftigten."
mik/dpa
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