Einkommen in Deutschland: DIW-Ökonom verlangt sattes Lohnplus

Zwei Prozent, drei Prozent oder gar vier? Die Debatte über den Spielraum für Lohnerhöhung gewinnt in Deutschland an Fahrt. Während DIW-Chef Wagner für "vier Prozent oder mehr" wirbt, mahnt Wirtschaftsweiser Franz zu "beschäftigungsfreundlicher Tarifpolitik".

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Lohnerhöhungen: Wie viel sollten die Deutschen verdienen?

Berlin - Wie viel mehr sollten die Deutschen im nächsten Jahr verdienen? Um diese Frage ist in Deutschland eine Debatte entbrannt. Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Gert Wagner, warb am Montag für Abschlüsse von "im Durchschnitt vier Prozent oder mehr". Dies sei "sinnvoll, um die Binnennachfrage anzukurbeln und so die extrem ausgeprägte Exportabhängigkeit zu mindern".

Wolfgang Franz hingegen, der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, plädierte für niedrigere Lohnabschlüsse. Notwendig sei eine "beschäftigungsfreundliche Tariflohnpolitik". Der "gesamtwirtschaftliche Verteilungsspielraum" belaufe sich im Jahr 2013 lediglich auf rund zwei Prozent.

In der "Rheinischen Post" mahnte Franz, die Tarifvertragsparteien sollten diesen Verteilungsspielraum jedoch "nicht ganz ausschöpfen". Damit werde ein Beitrag zur Schaffung neuer Arbeitsplätze geleistet. Der Chef der "Wirtschaftsweisen" fügte hinzu: "Zur Vollbeschäftigung ist es noch ein gutes Stück des Weges."

"Deutschland lebt unter seinen Verhältnissen"

Wagner kritisierte derartige Zurückhaltung: "Die Tarifparteien sollten endlich mal mutig sein." Die Lohnpolitik habe "lange Zeit die möglichen Verteilungsspielräume, die sich aufgrund der Produktivitätssteigerungen und der Teuerung ergeben, nicht ausgeschöpft". Auch im ablaufenden Jahr seien die Lohnabschlüsse gemessen an der Produktivitätsentwicklung moderat gewesen.

Der DIW-Chef fügte hinzu: "Ich weiß: Hohe Lohnabschlüsse bergen ein Risiko - aber niedrige auch, da wir in Europa leben und nicht auf einer Insel." Deutschland lebe unter seinen Verhältnissen, auch das gefährde die Euro-Zone, warnte Wagner: "Wenn wir hier in Deutschland mehr konsumieren, dann heißt das auch, dass wir mehr aus unseren Nachbarländern importieren. Und das kann dort Wachstumsimpulse auslösen, die dringend nötig sind, wenn Schulden abgebaut werden sollen."

Bsirske: 6,5-Prozent für öffentlichen Dienst

Der Ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske verteidigte derweil die Forderung der Gewerkschaft von 6,5 Prozent für den Öffentlichen Dienst der Länder. "Die Länder haben bei den Steuereinnahmen deutliche Einnahmefortschritte verzeichnen können." Er setze darauf, dass es am Verhandlungstisch zu einer Einigung kommen werde.

Bsirske warnte: "Wenn es sich als schwierig herausstellen sollte, wird es zu Reaktionen in den Betrieben kommen. Dass die Beschäftigten bereit sind, ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben sie vor zwei Jahren in zwei Streikwellen gezeigt." Die Tarifrunde startet am 31. Januar in Berlin.

Laut einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes rutschen immer mehr qualifizierte Deutsche in den Niedriglohnsektor. Im Jahr 2010 verdienten demnach 2,2 Millionen Deutsche miserabel, obwohl sie eine Berufsausbildung abgeschlossen haben und in einem Vollzeitjob arbeiten. Das waren knapp 150.000 mehr als im Jahr 1999, wie die statistische Auswertung zeigte. Auch Bundespräsident Joachim Gauck und die großen deutschen Kirchen hatten in ihren Weihnachtsansprachen vor einer zunehmenden Schere zwischen Arm und Reich gewarnt.

irb/dapd

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