Hamburg - Die Aussichten für die deutsche Konjunktur könnten mieser nicht sein. Die Euro-Krise lässt die Umsätze der Industrie schmelzen, die Auftragseingänge waren zuletzt deutlich schlechter als erwartet. Im Juni sind die deutschen Exporte deutlich gesunken, und die Ökonomen der Europäischen Zentralbank haben gerade ihre Prognose für die Euro-Zone verschlechtert: Sie rechnen nun damit, dass die Wirtschaftsleistung 2012 um 0,3 Prozent schrumpft.
Immer stärker gerät Deutschland in den Abwärtsstrudel der Euro-Krise - und doch gibt es Unternehmen, die gegen die Konjunkturflaute weitgehend immun scheinen. Unternehmen wie Porsche, E.on und Munich Re sind nicht nur von der Euro-Krise weitgehend abgekoppelt - sie trotzen auch den negativen Entwicklungen ihrer eigenen Branchen. Die Krisenfesten verfolgen dabei ganz unterschiedliche Strategien. Das "Handelsblatt" hat diese gesammelt, gegenübergestellt - und dabei festgestellt, dass es auch einige universelle Strategien gibt, die einen Konzern krisenfest machen - egal in welcher Branche er sich befindet.
Branchenübergreifende Erfolgsrezepte sind demnach:
Als Beispiele für krisenfeste Konzerne werden unter anderem genannt:
Gildemeister
Der Maschinenbauer ist von der Konjunkturflaute besonders stark betroffen. Doch er hat sich konsequent global aufgestellt. Durch eine Kooperation mit dem japanischen Konkurrenten Mori Seiki hat er sich die asiatischen Märkte geöffnet. Das weltweite Vertriebsnetz wird ausgebaut. Exporte nach Nordamerika und Asien machen insgesamt gut ein Drittel der Umsätze aus.
Operatives Ergebnis im ersten Halbjahr 2012: rund 45 Millionen Euro
Vergleich zum Vorjahr: plus 40 Prozent
Munich Re
Anders als viele Konkurrenten der Branche hat sich Munich Re nicht mit riskanten Finanzprodukten verspekuliert. Noch vor dem Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 verkaufte der Rückversicherer seine Beteiligung an der Hypo-Vereinsbank. Das andere Extrembeispiel ist sicherlich der US-Konzern AIG, der sich mit Kreditversicherungen verspekulierte. Er mussten letztlich mit 182 Milliarden Dollar von der amerikanischen Regierung gerettet werden.
Operatives Ergebnis im ersten Halbjahr 2012: 2,3 Milliarden Euro
Operatives Ergebnis im Vorjahreszeitraum: -437 Millionen Euro
Porsche
Wie Gildemeister profitiert auch Porsche von seiner globalen Aufstellung: Die Umsätze sind gleichmäßig auf Europa, die USA und Asien verteilt. Porsche profitiert zudem von seiner starken Marke und dem Alleinstellungsmerkmal, Luxusautos zu produzieren, die auch in Krisenzeiten weiter nachgefragt werden.
Operatives Ergebnis im ersten Halbjahr 2012: 1,26 Milliarden Euro
Vergleich zum Vorjahr: plus 20 Prozent
SAP
Wenn die Konjunktur schwächelt, warten viele Konzerne neue Anschaffungen bei der Büro-Software ab. Der deutsche Branchenprimus SAP spürt davon nichts. Er verkaufte im vergangenen Quartal Software-Lizenzen im Wert von mehr als einer Milliarde Euro - eine Steigerung von rund einem Viertel im Vergleich zum Vorjahr. Branchenkenner erklären den Erfolg oft mit SAPs neuer Service-Offensive. Auf Kunden-Feedback werde konsequent reagiert. Viele Verbesserungsvorschläge fließen in Form von Updates rasch in die Produkte ein.
Operatives Ergebnis im ersten Halbjahr 2012: 2 Milliarden Euro
Vergleich zum Vorjahr: plus 6 Prozent (währungsbereinigt)
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