Profit trotz mieser Konjunktur: Gewinner in der Krise

Unternehmen wie Porsche, Gildemeister oder Munich Re machen kräftig Profit - während sich die Aussichten für Europas Wirtschaft verdüstern. Zum Teil steigern sie ihren Gewinn um 40 Prozent. Auffällig: Alle starken Konzerne sind global aufgestellt - oder setzen auf Kontinuität im Management.

Hamburg - Die Aussichten für die deutsche Konjunktur könnten mieser nicht sein. Die Euro-Krise lässt die Umsätze der Industrie schmelzen, die Auftragseingänge waren zuletzt deutlich schlechter als erwartet. Im Juni sind die deutschen Exporte deutlich gesunken, und die Ökonomen der Europäischen Zentralbank haben gerade ihre Prognose für die Euro-Zone verschlechtert: Sie rechnen nun damit, dass die Wirtschaftsleistung 2012 um 0,3 Prozent schrumpft.

Immer stärker gerät Deutschland in den Abwärtsstrudel der Euro-Krise - und doch gibt es Unternehmen, die gegen die Konjunkturflaute weitgehend immun scheinen. Unternehmen wie Porsche, E.on und Munich Re sind nicht nur von der Euro-Krise weitgehend abgekoppelt - sie trotzen auch den negativen Entwicklungen ihrer eigenen Branchen. Die Krisenfesten verfolgen dabei ganz unterschiedliche Strategien. Das "Handelsblatt" hat diese gesammelt, gegenübergestellt - und dabei festgestellt, dass es auch einige universelle Strategien gibt, die einen Konzern krisenfest machen - egal in welcher Branche er sich befindet.

Branchenübergreifende Erfolgsrezepte sind demnach:

  • Hohe Flexibilität: Alle Konzerne hätten ihr Geschäftsmodell rasch und konsequent an die Veränderungen ihres Marktumfelds angepasst.
  • Beständigkeit im Management: Die Vorstandschefs von Erfolgskonzernen sind oft schon lange im Amt - und haben ein Team von Managern um sich geschart, das Änderungen der Konzernstrategie rasch im Unternehmen umsetzen kann.

Als Beispiele für krisenfeste Konzerne werden unter anderem genannt:

Zur Großansicht
DPA

Gildemeister

Der Maschinenbauer ist von der Konjunkturflaute besonders stark betroffen. Doch er hat sich konsequent global aufgestellt. Durch eine Kooperation mit dem japanischen Konkurrenten Mori Seiki hat er sich die asiatischen Märkte geöffnet. Das weltweite Vertriebsnetz wird ausgebaut. Exporte nach Nordamerika und Asien machen insgesamt gut ein Drittel der Umsätze aus.

Operatives Ergebnis im ersten Halbjahr 2012: rund 45 Millionen Euro

Vergleich zum Vorjahr: plus 40 Prozent

Zur Großansicht
AP

Munich Re

Anders als viele Konkurrenten der Branche hat sich Munich Re nicht mit riskanten Finanzprodukten verspekuliert. Noch vor dem Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 verkaufte der Rückversicherer seine Beteiligung an der Hypo-Vereinsbank. Das andere Extrembeispiel ist sicherlich der US-Konzern AIG, der sich mit Kreditversicherungen verspekulierte. Er mussten letztlich mit 182 Milliarden Dollar von der amerikanischen Regierung gerettet werden.

Operatives Ergebnis im ersten Halbjahr 2012: 2,3 Milliarden Euro

Operatives Ergebnis im Vorjahreszeitraum: -437 Millionen Euro

Zur Großansicht
dapd

Porsche

Wie Gildemeister profitiert auch Porsche von seiner globalen Aufstellung: Die Umsätze sind gleichmäßig auf Europa, die USA und Asien verteilt. Porsche profitiert zudem von seiner starken Marke und dem Alleinstellungsmerkmal, Luxusautos zu produzieren, die auch in Krisenzeiten weiter nachgefragt werden.

Operatives Ergebnis im ersten Halbjahr 2012: 1,26 Milliarden Euro

Vergleich zum Vorjahr: plus 20 Prozent

Zur Großansicht
dpa

SAP

Wenn die Konjunktur schwächelt, warten viele Konzerne neue Anschaffungen bei der Büro-Software ab. Der deutsche Branchenprimus SAP spürt davon nichts. Er verkaufte im vergangenen Quartal Software-Lizenzen im Wert von mehr als einer Milliarde Euro - eine Steigerung von rund einem Viertel im Vergleich zum Vorjahr. Branchenkenner erklären den Erfolg oft mit SAPs neuer Service-Offensive. Auf Kunden-Feedback werde konsequent reagiert. Viele Verbesserungsvorschläge fließen in Form von Updates rasch in die Produkte ein.

Operatives Ergebnis im ersten Halbjahr 2012: 2 Milliarden Euro

Vergleich zum Vorjahr: plus 6 Prozent (währungsbereinigt)

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Keine Überraschung
Björn Borg 09.08.2012
Zitat von sysopUnternehmen wie Porsche, Gildemeister oder Munich Re machen kräftig Profit - während sich die Aussichten für Europas Wirtschaft verdüstern.Konzerne machen Gewinne trotz Konjunkturflaute - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,849083,00.html)
Das ist doch gar nicht überraschend, sondern ganz folgerichtig: Diejenigen, die sich solche Produkte leisten können, sind - wie sich nun mehr und mehr deutlich herausstellt - die großen Gewinner dieser Krise.
2. Auch nur ein Ausschnitt …
Dr.pol.Emik 09.08.2012
… sicher wird man auch in der Krise einige lobenswerte oder besser gesagt „funktionierende“ Branchen finden. Wenn ich mich recht entsinne, dann ist Porsche nicht gerade ein Volkswagen sondern eher ein Edelgefährt für recht betuchte Menschen. Erinnern wir uns weiter, dass beispielsweise eine ganz kleine Schicht an der Krise richtig verdient und Kasse macht, dann passt dies ja unter Umständen auch mit dem Kaufverhalten zu besagten Fahrzeugen. Bedenkt man weiter, dass im Zweifel Lohnverzicht und Lohnsenkung die Konzerngewinne hochhält, dann kann man immer noch eine feines Bild der zahlen zeichnen … muss dabei nur die Verlierer, die breite masse ausblenden. So können wir noch eine Weile elitär auf der Siegerstraße fahren und wenn dann alles kollabiert, dann dürfen wir uns auch richtig wundern. Wenn also noch etwas funktioniert, dann dies: *Optimierung der Volksausbeute* (http://qpress.de/2010/11/02/optimierung-der-volksausbeute/) … dabei muss man halt die Menschen nur als Ressource betrachten, nicht so pathetisch an die Sache herangehen und sich die Sache damit schönreden, dass der Mensch ein nachwachsender Rohstoff ist, derzeit im Überangebot vorhanden, dazu ökologisch abbaubar … na da könnte doch noch ein richtiger Hype von werden. wir müssen halt nur auf die „richtigen Werte“ achten denn nur die kann man auch in Euro ausdrücken. Für so weiche Werte wie Anstand, Kultur, Mitmenschlichkeit und soziales Verhalten ist aktuell nicht die Zeit … (°!°)
3.
zakalwe. 09.08.2012
Zitat von sysopUnternehmen wie Porsche, Gildemeister oder Munich Re machen kräftig Profit - während sich die Aussichten für Europas Wirtschaft verdüstern. Zum Teil steigern sie ihren Gewinn um 40 Prozent. Auffällig: Alle starken Konzerne sind global aufgestellt - oder setzen auf Kontinuität im Management. Konzerne machen Gewinne trotz Konjunkturflaute - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,849083,00.html)
Diejenigen die sich Luxusprodukte leisten können, gehören ja auch zu den Gewinnern der Krise. Banken, d.h. am Ende reiche Anleger bekommen ihre Spekulationsgewinne quasi vom Staate garantiert, über die ganzen Hilfsaktionen im Zuge der "Eurorettung". Gewinnrückgang quasi ausgeschlossen. Produkte, die ihren Absatzmarkt unter normalen Bürgern haben, brechen im Absatz hingegen massiv ein...wen wunderts. Arbeitslöhne und Gewinne real wirtschaftender Gewerbetreibender werden ja auch nichts aus EZB-, EU- oder Staatsgeldern beglichen.... Wohl dem der zur Finanzindustrie gehört, den Abgrund für alle anderen.
4. Porsche - wen wundert's?
Gluehweintrinker 09.08.2012
Was sagt uns das? Die Armut der einen ist der Reichtum der anderen. Geld verschwindet nicht, es wechselt nur den Besitzer, wobei offen bleibt, ob der Besitzer auch der rechtmäßige Inhaber sein muss. So lange Luxuskoarossen mit extremem Spritdurst gut verkäuflich bleiben, stimmt hier was nicht. Nachhaltigkeit - ja bitte, aber nur für die Armen - oder wie?
5.
washington.mayfair 09.08.2012
Zitat von sysopUnternehmen wie Porsche, Gildemeister oder Munich Re machen kräftig Profit - während sich die Aussichten für Europas Wirtschaft verdüstern. Zum Teil steigern sie ihren Gewinn um 40 Prozent. Auffällig: Alle starken Konzerne sind global aufgestellt - oder setzen auf Kontinuität im Management. Konzerne machen Gewinne trotz Konjunkturflaute - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,849083,00.html)
Interessant, welche Schlagwörter Reaktionen hervorrufen. Porsche und Profit, damit werden sofort Reflexe aktiviert. Nur der Vollständigkeit halber: Gildemeister ist ein Werkzeugmaschinen Hersteller und Münchner Rück ist der weltgrößte Rückversicherer SAP ist ein großes Software Unternehmen. Einfach mal im Text nachlesen. Da ist das schön ausgeführt. Was das mit sozialer Ungerechtigkeit zu tun hat, sollen mir doch mal meine Vorposter erklären. Aber auch so funktioniert Journalismus: In die Überschrift etwas provokantes reinschreiben, schon regen sich alle auf, ohne den Text gelesen zu haben.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Konjunktur
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 31 Kommentare
  • Zur Startseite