Kampf gegen Korruption Kassenverband und Ärzte zoffen sich über Fahndungsaufruf

Ein Fahndungsaufruf der Krankenkassen gegen korrupte Mediziner sorgt für Empörung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Das Formular rufe zu Missbrauch und Verunglimpfung auf. Seltsam daran: Der Appell steht nach Angaben des Kassenverbands schon seit Jahren auf dessen Internetseite.

Ärzte: "Erstaunlich, dass die KBV das erst jetzt entdeckt hat"
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Ärzte: "Erstaunlich, dass die KBV das erst jetzt entdeckt hat"


Berlin - "Melden Sie uns Ihren konkreten Verdacht!", schreibt der Verband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auf seiner Internetseite im Kampf gegen Korruption im Gesundheitswesen. Auf einem Formular können konkrete Angaben gemacht werden - etwa zu Ärzten, die jemand für bestechlich hält. Derzeit plant die Koalition eine Gesetzesverschärfung, damit Staatsanwälte besser gegen Korruption im Gesundheitswesen vorgehen können.

Doch der GKV-Appell hat nun einen Streit zwischen den Kassen und Ärzten ausgelöst. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, reagierte am Freitag in Berlin wütend. Das Formular rufe zu Missbrauch und Verunglimpfung der Ärzte und Psychotherapeuten in Deutschland auf, sagte Köhler. "Die polemischen Begrifflichkeiten Tatort, Tatzeit und tatverdächtige Person sind im höchsten Maße unangebracht: Sie erinnern an einen Krimi und suggerieren direkt ein schweres Verbrechen."

Tatsächlich werden diese Begriffe in dem Formular verwendet. Doch seltsamer als die Begrifflichkeit mutet der Zeitpunkt des Streits an. Denn nach Angaben des Kassenverbands steht das Formular bereits seit drei Jahren auf dessen Internetseite. "Erstaunlich, dass die KBV das erst jetzt entdeckt hat", schreibt der GKV. Und weiter: "Es ist bedauerlich, dass die KBV weiter an der Legende von den verunglimpften Ärzten dichtet, statt sich aktiver daran zu beteiligten, Fehlverhalten zu bekämpfen."

Nach Angaben des Kassenverbands können Mitarbeiter, die ihren Arbeitgeber wegen Fehlverhaltens anzeigen, entlassen werden - daher sei es notwendig, sich auch anonym melden zu können. "Teile der Ärzteschaft haben dies auch bereits erkannt. So wurde gemeinsam mit der Bundesärztekammer im Zuge der Aufarbeitung des Organspendeskandals die Möglichkeit der anonymen Meldung von Fehlverhalten geschaffen", sagte GKV-Sprecher Florian Lanz.

Eine Reaktion der Kassenärzte auf dieses Schreiben steht noch aus.

yes/dpa



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