Hamburg - Chinas Regierung bezeichnet Korruption bisweilen als Staatsfeind Nummer eins. Nun ist ein geheimer Bericht aufgetaucht, der eine Vorstellung ermöglicht, wie gewaltig das Problem tatsächlich ist. Er stammt von der chinesischen Zentralbank - und sorgte nach seiner Veröffentlichung für massive Empörung in der Volksrepublik.
Rund 800 Milliarden Yuan sollen korrupte chinesische Regierungsbeamte aus dem Land geschmuggelt haben, umgerechnet gut 123,6 Milliarden Dollar. Ausgeschleust worden sei das Geld über einen Zeitraum von rund 15 Jahren: Mitte der neunziger Jahre bis 2008. Schätzungen zufolge sollen in diesem Zeitraum 16.000 bis 18.000 Beamte und Angestellte staatlicher Unternehmen aus dem Land getürmt sein - teils mit beträchtlichen Summen Geld.
Der Bericht datiere auf Mitte Juni 2008, schreibt die britische "Financial Times". Er sei aber erst diese Woche auf der Web-Seite der Geldwäscheabteilung der chinesischen Notenbank aufgetaucht. Die Veröffentlichung sorgte für empörte Berichte in chinesischen Zeitungen, kritisch äußerte sich unter anderem "Shanghai Daily". Kurz nachdem die ersten negativen Berichte erschienen waren, sei der 67 Seiten lange Bericht wieder von der Seite der Notenbank verschwunden, berichtet das "Wall Street Journal". Das Dokument kursiere jedoch weiter im Internet. Die chinesische Zentralbank kommentierte den Vorgang zunächst nicht.
Das Dokument ist den Angaben zufolge in zwei Teile gegliedert. Im ersten wird benannt, welche Beamten in welche Länder geflohen sind. Hochrangige Staatsangestellte habe es besonders oft in die USA gezogen. Auch Kanada, Australien und die Niederlande seien beliebt gewesen. Niedrigrangige Beamte, die nicht so schnell an entsprechende Visa kommen, seien oft über Hongkong in westliche Länder geflohen, heißt es den Angaben zufolge in dem Bericht. Oder sie hätten sich in Chinas Nachbarländern niedergelassen, beispielsweise in Thailand, Malaysia oder Russland.
Der zweite Teil des Dokuments benennt, mit welchen Tricks Geld aus China herausgeschmuggelt wurde - und nennt aufgeflogene Schleuser beim Namen:
Der Bericht der Notenbank schließt den Angaben zufolge mit einer Warnung: Korruption sei eine ernsthafte Bedrohung für die Kommunistische Partei. Laut "Wall Street Journal" kündigt die Zentralbank zudem an, enger mit ausländischen Behörden zusammenzuarbeiten, um den Geldschmuggel künftig zu begrenzen.
ssu
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