Korruption: Jeder Vierte weltweit zahlt Schmiergeld

Korruption ist weltweit auf dem Vormarsch: Einer internationalen Umfrage zufolge zahlt jeder Vierte Bestechungsgelder - oft um Behördengänge zu beschleunigen. Besonders dramatisch ist die Entwicklung in Europa und Nordamerika.

Schmiergeldzahlung (Symbolfoto): Umfrage zum Welttag der Korruption Zur Großansicht
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Schmiergeldzahlung (Symbolfoto): Umfrage zum Welttag der Korruption

Berlin - In Griechenland heißen sie zum Beispiel Fakelaki, in der Türkei Bakschisch: Bestechungsgeld hat weltweit viele Namen - und seine Verbreitung nimmt dramatisch zu. So hat Experten zufolge die Zahl der Korruptionsfälle in den vergangenen drei Jahren zugelegt. Dieser Ansicht waren 60 Prozent der Befragten einer Umfrage der Organisation Transparency International (TI).

Einer von vier Bürgern weltweit hat demnach in den vergangenen zwölf Monaten Bestechungsgelder an Behörden oder Institutionen gezahlt. Das ist das Ergebnis des Korruptionsbarometers 2010, das TI am Donnerstag anlässlich des Welttages gegen die Korruption veröffentlicht hat. Von den Menschen, die Bestechungsgelder zahlten, gab rund die Hälfte zur Begründung an, damit Probleme umgehen zu wollen. Rund ein Viertel wollte nach eigenen Angaben Behördenvorgänge beschleunigen.

Transparency International untersuchte vor allem geringere Zahlungen etwa an Gesundheitsbehörden, die Polizei oder Steuereinrichtungen. Bestechungen auf politischer oder Unternehmensebene spielten dagegen kaum eine Rolle. Befragt wurden mehr als 91.000 Menschen in 86 Ländern und Regionen.

Afrika an der Spitze

Am weitesten verbreitet waren demnach Schmiergeldzahlungen in Afrika südlich der Sahara. Hier zahlte mehr als die Hälfte der Befragten in diesem Jahr bereits Schmiergelder an korrupte Beamte. Danach folgten der Nahe Osten sowie Nordafrika, wo gut ein Drittel von solchen Zahlungen berichtete. In Europa und in Nordamerika lag der Anteil derer, die in den vergangenen zwölf Monaten Bestechungsgelder zahlten, bei fünf Prozent. Bezogen auf einzelne Länder waren Afghanistan, Kambodscha und Kamerun, aber auch Indien, die Palästinensergebiete und Sierra Leone auf den vorderen Plätzen.

Besonders schlecht wird die Korruptionsentwicklung in Europa und Nordamerika beurteilt. Dort gehen 73 beziehungsweise 67 Prozent davon aus, dass die Menschen in den vergangenen drei Jahren empfänglicher für Bestechlichkeit geworden sind. Konkrete Gründe dafür nannte die Organisation nicht. Die Finanzkrise beeinflusse noch immer die Meinungsbildung zur Korruption, sagte die TI-Vorsitzende Huguette Labelle lediglich.

EU will härter gegen Korruption vorgehen

Die EU-Kommission warnte davor, das Ausmaß der Korruption in Europa zu unterschätzen. "Es gibt in Europa keine korruptionsfreien Zonen", sagte die Kommissarin für Innenpolitik, Cecilia Malmström, der "Welt". "Korruption existiert überall und die Mehrzahl der EU-Bürger sieht Korruption als ein Problem auf allen Regierungsebenen."

Sie kündigte an, den Kampf gegen Korruption auf europäischer Ebene zu verstärken. "Die Maßnahmen, die bis jetzt in der EU ergriffen wurden, haben noch keine überzeugenden Ergebnisse gebracht." Deutlichstes Zeichen dafür sei, dass acht von zehn EU-Bürgern glaubten, dass es in den Verwaltungen ihres Landes Korruption gebe.

Die schwedische Kommissarin versprach für das kommende Jahr ein Bündel neuer Anti-Korruptionsmaßnahmen. Dazu soll eine neu gefasste EU-Strategie zur Korruptionsbekämpfung gehören sowie schärfere Kontrollmechanismen. "Ab 2012 sollen die 27 EU-Mitgliedsländer regelmäßig berichten, wie sie Korruption bekämpfen", sagte Malmström.

yes/AFP/dapd/Reuters

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insgesamt 20 Beiträge
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1.
xyzHero 09.12.2010
---Zitat--- Bestechungen auf politischer oder Unternehmensebene spielten dagegen kaum eine Rolle. ---Zitatende--- Und wer soll das glauben? Vielleicht aus juristischer Sicht besser verschleiert.
2. Schwarz Gelb ist Vorreiter
elbröwer 09.12.2010
In der BRD wurde durch die aktuelle Regierung Korruption zur Politik erklärt. Steuergeschenke an Lobbyisten sind die Norm. Spenden an die Regierungsparteien haben stets Wohltaten derselben zur Folge
3. Und ...
maxmehr2008 09.12.2010
... da ist er wieder ... der bigotte Zeigefinger, dabei wird an allerhöchster Stelle geschmiert und das in aller Öffentlichkeit, Stichwort Neubesetzungen bei Langfinger und Berger :)) ... im Übrigen, wen wundert's, times are getting harder und jeder sieht zu wo er bleibt.
4. Ja klar
stonie, 09.12.2010
---Zitat--- Bestechungen auf politischer oder Unternehmensebene spielten dagegen kaum eine Rolle. ---Zitatende--- Wers glaubt wird sellig und wers nicht glaubt, kommt trotzdem in den Himmel... Auf diesen Ebenen nennt man das schon lange nicht mehr Korruption. Deutschland hat beipielsweise immer noch keinen Straftatbestand für Abgeordnetenkorruption erlassen, obwohl wir zugesagt haben, die dem zugrunde liegende UN Resulution zu ratifizieren (das übrigens in den 90gern). Wie soll man es denn nennen, wenn Gesetzesvorhaben vom Ministerium an Großkanzleien zur Ausarbeitung "outgesourced" werden, dort mitunter die Nutznießer selbiger Gesetze an diesen "mitarbeiten", dass ganze dann anschleißend nochmal schnell durch die Arbeitsgruppen gepeitscht wird, um es schlussendlich im Bundestag durchwinken zu lassen. Eine Mehrheit dort versteht doch im Detail längst nicht mehr, worüber sie da eigentlich grad abstimmen, von Parteidisziplin und Fraktionszwang mal abgesehen. Wie soll man es denn nennen, wenn permanent mehrere hundert hochbezahlte Mitarbeiter aus Unternehmen aktiv in den Ministerien ebenfalls an Gesetzen mitarbeiten, während sie weiter von dem jeweiligen Unternehmen bezahlt werden. Gute Kooperation? Schlimmstenfalls nennt man dies dann Lobbyismus. Ehrlich betrachtet ist es jedoch ebenfalls Korruption. Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, dass Korruption das Öl im Getriebe menschlicher Gesellschaften ist. Hier im SPIEGEL war vor einigen Jahren ein Bericht darüber, dass 90% aller Führungspositionen der Industrie "vererbt" werden und das sicher nicht wegen der Qualifikation, sonst müsste Sarazins Eugheniktheorie ja doch zutreffen! Klar, man kann das "gute Netzwerkarbeit" nennen. Ich nenne auch das Korruption. Oder man nehme unseren ehemaligen Kanzler und seinen Arbetisminister. Schröder und Clement. Ich erspare es mir jetzt hier, ins Detail zu gehen. Der politisch Interessierte kann bei diesen Namen ohnehin nur noch Schmunzlen, insoweit der sarkastische Humor noch nicht vollends vergangen ist. Wie hat es ein Siemensmanager bei der Schmeirgeldaffäre bei Siemens vor einigen Jahren so treffend formuliert: Dies sei Business as usual! Ich denke man kann was das Thema Korruption betrifft guten Gewissens vom Schlimmsten ausgehen und hat trotzdem nicht übertrieben...
5. Symptome
forumgehts? 09.12.2010
Zitat von sysopKorruption ist weltweit auf dem Vormarsch: Einer internationalen Umfrage zufolge zahlt jeder Vierte Bestechungsgelder - oft um Behördengänge zu beschleunigen. Besonders dramatisch ist die Entwicklung in Europa und Nordamerika. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,733675,00.html
Wen wunderts. Europa und die USA sind typische Entwicklungsländer. Sie entwickeln sich rückwärts, man könnte es auch Dekadenz nennen.
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Transparency International
Die parteipolitisch unabhängige Nichtregierungsorganisation Transparency International (TI) hat sich dem Kampf gegen die internationale Korruption verschrieben. Seit der Gründung durch den ehemaligen Weltbankdirektor Peter Eigen im Jahr 1993 hat sich TI zu einer der einflussreichsten NGOs weltweit entwickelt und arbeitet heute in fast 100 Ländern. Seit 1995 gibt sie jährlich den sogenannten Korruptionswahrnehmungsindex heraus.