Transparency International Deutschland wird weniger korrupt

Im Kampf gegen Korruption haben etliche Staaten laut Transparency International Fortschritte erzielt. Auch Deutschland bescheinigen die Korruptionsbekämpfer gute Arbeit - viele Kontrollen seien aber immer noch zu lax.

Geldübergabe: Deutschland kommt bei der Korruptionsbekämpfung voran - ein bisschen
DPA

Geldübergabe: Deutschland kommt bei der Korruptionsbekämpfung voran - ein bisschen


Deutschland hat im Kampf gegen Korruption nach Einschätzung von Transparency International Fortschritte gemacht. In den vergangenen zwei Jahren habe das Land einige Hausaufgaben in Sachen Korruptionsbekämpfung erledigt, sagte die Vorsitzende von Transparency Deutschland, Edda Müller, am Mittwoch in Berlin. Auch international sehen die Antikorruptionskämpfer einen Hoffnungsschimmer. Insgesamt gebe es mehr Länder, in denen sich die Lage 2015 verbessert habe, als solche, die schlechter als im Vorjahr bewertet würden.

In dem jährlichen Korruptionsranking von Transparency verbesserte sich Deutschland vom 12. auf den 10. Platz. Wie 2014 behauptet Dänemark im sogenannten Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) seinen Spitzenplatz als das Land mit der niedrigsten festgestellten Korruption. Es folgen Finnland und Schweden. Allerdings sei in zwei Dritteln der 168 untersuchten Länder die Korruption sehr hoch. Am Ende der Liste rangieren wie 2014 Nordkorea und Somalia. Nur knapp davor liegen Afghanistan und Sudan.

Müller lobte Deutschland dafür, dass die Uno-Konvention gegen Korruption ratifiziert worden sei, die Bestechung von Mandatsträgern mittlerweile schärfer bestraft werde sowie Karenzzeiten für ranghohe Politiker vor einem Wechsel in die Wirtschaft festgelegt wurden. Im Vergleich der G20-Staaten belegt Deutschland mit Großbritannien hinter Kanada den zweiten Platz. EU-weit liegt Deutschland auf Platz fünf.

Brasilien scheidet besonders schlecht ab

Müller warnte aber davor, sich von den Verbesserungen blenden zu lassen. Wo Kontrollen fehlten, sei die Versuchung der Wirtschaft, zu manipulieren sehr hoch, sagte sie mit Blick auf den VW-Abgasskandal. "Im Hinblick auf solche Skandale trägt auch der Staat eine Mitschuld." Insgesamt sieht Transparency vor allem im Finanzsektor großen Nachholbedarf etwa bei der Bekämpfung der Geldwäsche.

Der Index basiert auf Einschätzungen von Experten aus internationalen Institutionen und Forschungsgruppen zur Korruption im öffentlichen Sektor. Die Skala reicht von null Punkten - als sehr korrupt wahrgenommen - bis zu 100 Punkten für völlige Korruptionsfreiheit. Von den 168 untersuchten Ländern erzielten zwei Drittel weniger als 50 Punkte, schreibt Transparency.

Am stärksten verschlechtert hat sich im Jahresvergleich die Bewertung Brasiliens, wo ein Korruptionsskandal um den staatlichen Erdölkonzern Petrobras Schlagzeilen machte. Das südamerikanische Land fiel um fünf Punkte auf Rang 76. In Europa verschlechterte sich laut Transparency die Lage in Ungarn, Spanien, Mazedonien und der Türkei deutlich. Klar verbessert haben sich im Vergleich zum Vorjahr unter anderem Tschechien, Ruanda (plus fünf Punkte), die Niederlande, Österreich, Jordanien und Namibia (plus vier).

Besonders korruptionsanfällig sind Transparency zufolge Länder, in denen bewaffnete Konflikte herrschen. In Afghanistan etwa seien Hilfsgelder in Millionenhöhe gestohlen worden, die dem Wiederaufbau des Landes dienen sollten. Dies untergrabe die Bemühungen um eine Friedenslösung. Die "verheerenden Konflikte" in Ländern wie Irak, Libyen oder Sudan verhinderten dort eine Stärkung der staatlichen Institutionen.

mik/dpa

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